Israel greift im Libanon an: Lage "zum Zerreißen angespannt"

Interview

Massenflucht nach Angriffen aus Israel:Atai: Lage im Libanon "zum Zerreißen angespannt"

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Israel bekämpft die Hisbollah im Süden des Libanons. Hunderttausende flüchten - auch nach Beirut. Die Lage dort ist von Angst und Anspannung geprägt, sagt ZDF-Korrespondentin Atai.

Explosion im Libanon

Über eine Million Menschen sind im Libanon in Folge israelischer Angriffe auf der Flucht. ZDF-Korrespondentin Golineh Atai berichtet.

03.04.2026 | 15:13 min

Die israelische Armee geht weiter mit Angriffen gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon vor. Die Stimmung in der libanesischen Hauptstadt ist "zum Zerreißen angespannt", erklärt ZDF-Korrespondentin Golineh Atai aus Beirut. Sie berichtet:

Ich höre gerade eine israelische Drohne, die unaufhörlich über uns summt.

Golineh Atai, ZDF-Korrespondentin in Beirut

Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge seit der Ausweitung des Iran-Kriegs auf den Libanon vor einem Monat mehr als 3.500 Ziele in dem Land angegriffen. Die Angriffe konzentrieren sich auf den Süden des Landes. Hunderttausende Bewohner haben die Gegend infolge der israelischen Bombardements bislang verlassen.

31.03.2026, Libanon, Beirut: Nach einem israelischen Luftangriff auf ein Gebäude in der Nähe der Flughafenstraße steigt Rauch auf.

Die Angriffe in Nahost gehen weiter: Israels Luftwaffe nahm Ziele im libanesischen Beirut ins Visier.

01.04.2026 | 0:20 min

Israel plant "Sicherheitszone" im Süden Libanons

Die Angriffe aus Israel richteten sich "gegen terroristische Infrastruktur, Waffenlager, Abschussstellungen sowie Kommando- und Kontrollzentren" der pro-iranischen Hisbollah-Miliz, wie die Armee erklärt. Dabei seien etwa 1.000 Kämpfer getötet worden. Israel, das an den Süden des Libanons grenzt, plant Berichten zufolge die Einrichtung einer "Sicherheitszone" im Südlibanon.

Das israelische Militär erneuerte zudem einen Fluchtaufruf für die Bewohner der südlichen Vororte von Beirut. Die Armee werde dort weiter Infrastruktur der Hisbollah ins Visier nehmen, hieß es darin. Die dicht besiedelten Viertel gelten als Hochburg der Miliz.

Israel-Lebanon cross-border conflict continues

Die israelische Armee will im südlichen Libanon die Kontrolle über das Gebiet bis zum Fluss Litani übernehmen.

24.03.2026 | 2:43 min

Atai: "Atmosphäre zum Zerreißen angespannt"

Die massive Binnenflucht mache sich in der Hauptstadt Beirut bemerkbar, so Atai. Viele Vertriebene suchten derzeit Schutz auch in der Innenstadt: "Wir haben immer noch unglaublich viele Zelte in der Innenstadt. Die ganzen Schulen, die ganzen Studentenwohnheime beherbergen im Moment diese Binnenflüchtlinge." Dies bleibe nicht ohne Folgen: "Es gibt viele soziale Spannungen, das kann man auf der Straße auch deutlich erkennen."

Die Atmosphäre ist zum Zerreißen angespannt.

Golineh Atai, ZDF-Korrespondentin in Beirut

Etwa 20 Prozent der Bevölkerung seien vertrieben worden, so Atai. "Die Unterkünfte haben die Kapazitätsgrenze erreicht."

Zelte von Binnenflüchtlingen in Beirut (Libanon), aufgenommen am 26.03.2026

Zelte von Binnenflüchtlingen in Beirut.

Quelle: dpa

Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die von Iran unterstützte Hisbollah-Miliz als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.

Karte: Libanon - Beirut

Der Libanon grenzt im Süden an Israel. Immer wieder kommt es in der südlichen Region des Landes zu Kämpfen mit der Hisbollah.

Quelle: ZDF

Libanon erlebt "Kaskade der Katastrophen"

Die erneute Eskalation im Libanon treffe die Menschen nach einer "Kaskade der Katastrophen der letzten sieben, acht Jahre", sagt die ZDF-Korrespondentin. "Angefangen mit einer Finanzkrise, die dazu geführt hat, dass die Ersparnisse der Menschen hier geschmolzen sind, bis hin zu einem Krieg - 2023 angefangen, 2024 der Höhepunkt, dann ein Waffenstillstand, der kein richtiger Waffenstillstand war." Nun die erneute Eskalation:

Es ist unglaublich viel - viel zu viel, als dass es die Menschen hier vor Ort verdauen könnten.

Golineh Atai, ZDF-Korrespondentin in Beirut

Libanon

Eine Reportage aus dem Süden Libanons zeigt, wie Menschen dort in Angst vor israelischen Angriffen und in Misstrauen gegenüber schiitischen Vertriebenen, als mutmaßlichen Hisbollah-Angehörigen, leben.

30.03.2026 | 2:26 min

Damit, dass man nun in eine weitere "aktive Kriegsphase" eintrete, hätten die Menschen "in einer so katastrophalen Situation" im Land nicht gerechnet. "Es ist sehr viel Unverständnis da über diese Entscheidung", so Atai. Kritische Haltungen zum Krieg öffentlich auszusprechen, sei für die Menschen im Land jedoch schwer:

Oft hören Hisbollah-Funktionäre mit, wenn wir unsere Interviews machen.

Golineh Atai, ZDF-Korrespondentin in Beirut

Das Interview führte ZDFheute live-Moderator Christian Hoch, Autor der Zusammenfassung ist ZDFheute-Redakteur Silas Thelen.

Quelle: Mit Material von dpa, AFP und AP.
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 03.04.2026 um 13:18 Uhr im Beitrag "Libanon: Welche Folgen hat Israels Offensive?".

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