Außenministertreffen zur Lage in Nahost:EU uneins über Handelsbeschränkungen gegen Israel
Die EU-Außenminister beraten über die Lage in Nahost. Ein Thema dabei: mögliche Sanktionen gegen Israel, auch aufgrund der Lage in Gaza und Westjordanland. Deutschland ist dagegen.
In Luxemburg beraten die EU-Außenminister über den Ukraine-Krieg und den gestoppten Milliardenkredit für Kiew. Auch die Lage im Nahen Osten steht auf der Agenda.
21.04.2026 | 2:08 minMehrere europäische Länder dringen auf eine Aussetzung des Assoziierungsabkommens der EU mit Israel. Bei einem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg über die Lage im Nahost-Konflikt forderten an diesem Dienstag unter anderem Spanien und Irland diesen Schritt.
Sie begründeten dies mit der humanitären Lage im Gazastreifen, dem israelischen Siedlungsbau im Westjordanland sowie einem neuen Gesetz zur Todesstrafe.
In Israel soll die Todesstrafe bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates eingeführt werden. De facto wären davon nur palästinensische Menschen betroffen.
31.03.2026 | 1:41 minDeutschland lehnt Sanktionen gegen Israel ab
Die EU-Staaten sind in dieser Frage jedoch gespalten. Diplomaten erwarten vorerst keine Entscheidung darüber, ob und wie die Europäische Union ihre Politik gegenüber Israel ändert. Europas Glaubwürdigkeit stehe auf dem Spiel, sagte dazu der spanische Außenminister Jose Manuel Albares.
Konkret prangert Spanien Verletzungen der Waffenruhe in Gaza sowie die Ausweitung illegaler Siedlungen im Westjordanland an. Israels Vorgehen im Libanon bezeichnete er als einen "Invasionskrieg unter Verletzung des Völkerrechts mit unterschiedslosen Bombardierungen".
Mehr als eine Million Vertriebene, und nur einige kehren in den Südlibanon zurück. Denn die Waffenruhe ist brüchig: Die israelische Armee setzt ihre Angriffe fort.
18.04.2026 | 1:55 minDeutschland hingegen lehnt Strafmaßnahmen gegen Israel kategorisch ab. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hält an der bisherigen deutschen Haltung fest und pocht auf den Dialog. Er erklärte, man habe die Einführung der Todesstrafe kritisiert und vertrete eine klare Position zur Gewalt jüdischer Siedler:
Ich erwarte, dass die israelische Regierung insgesamt dieser Siedlergewalt klarer, fester und mit allen rechtsstaatlichen Mitteln entgegentritt.
Johann Wadephul, Bundesaußenminister (CDU)
Es dürfe auch keine Annexion im Westjordanland geben.
Frankreich und Schweden für Teil-Aussetzung des Abkommens
Auch die Bedingungen für eine Zweistaatenlösung mit den Palästinensern müssten durch einen kritischen und konstruktiven Dialog mit Israel geschaffen werden. Sanktionen gegen Israel, wie das Streichen von Freihandelsvorteilen, halte die Bundesregierung für "unangebracht", sagte Wadephul.
Der Nahost-Konflikt begleitet die Vereinten Nationen seit ihrer Gründung: Es gab bereits mehrfach Bemühungen, den Konflikt durch eine Zwei-Staaten-Lösung beizulegen.
03.09.2025 | 1:19 minDer dänische Außenminister Lars Lokke Rasmussen verwies auf die aktuelle Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Es zeichne sich keine Mehrheit dafür ab, das EU-Abkommen mit Israel anzutasten.
Als möglichen Kompromiss im EU-internen Streit über mögliche Sanktionen gegen Israel hatten Frankreich und Schweden zuletzt vorgeschlagen, die Einfuhr von Produkten aus illegalen israelischen Siedlungen in den Palästinensergebieten zu beschränken. Dazu sollen zum Beispiel Zölle und Einfuhrkontrollen geprüft werden.
EU ist größter Handelspartner Israels
Die EU-Kommission hatte bereits im September vorgeschlagen, einige handelsbezogene Bestimmungen des seit dem Jahr 2000 geltenden Abkommens auszusetzen. Davon wären israelische Exporte im Wert von rund 5,8 Milliarden Euro betroffen. Israel hatte die Pläne damals als moralisch und politisch verfehlt zurückgewiesen.
Landkäufe für Israelis, mehr Kontrolle durch Behörden: Was Netanjahus umstrittener Siedlungsplan für das Westjordanland bedeutet.
12.02.2026 | 15:20 minEine Suspendierung der Handelsvereinbarung erfordert eine qualifizierte Mehrheit. Dies setzt die Zustimmung von 15 der 27 EU-Mitgliedstaaten voraus, die zusammen 65 Prozent der EU-Bevölkerung ausmachen.
Ein vollständiges Einfrieren des Assoziierungsabkommens bedarf hingegen eines einstimmigen Beschlusses. Die EU ist der größte Handelspartner Israels. Der Warenhandel zwischen beiden Seiten belief sich nach EU-Angaben im Jahr 2024 auf 42,6 Milliarden Euro.
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