Sipri-Studie zu Nahost, Ukraine und Co.:Wie Großkonflikte das globale Wettrüsten anheizen
von Marcel Burkhardt
Die Kriege in der Ukraine und in Nahost treiben die Nachfrage nach Großwaffen auf ein Rekordniveau. Die USA dominieren den Markt - und das Wettrüsten verschärft sich wohl weiter.
Sipri stellt am Montag den Bericht zum weltweiten Waffenhandel vor.
08.03.2026 | 1:14 minInmitten einer Zeit großer kriegerischer Auseinandersetzungen liefert das Internationale Friedensforschungsinstitut Sipri neue Zahlen über einen stark wachsenden globalen Waffenhandel: Dessen Volumen stieg zwischen 2021 und 2025 im Vergleich zum vorangegangenen Fünfjahres-Zeitraum um 9,2 Prozent.
Studie: Europa importiert die meisten Waffen aller Weltregionen
Laut der Sipri-Studie "Trends bei internationalen Waffentransfers" sind vor allem die bewaffneten Konflikte in Europa und dem Nahen Osten verantwortlich für diese Entwicklung.
Infolge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine verdreifachte Europa seine Importe großer Waffensysteme wie Panzer, Kampfflugzeuge und Raketen und ist erstmals seit den 1960er-Jahren größte Empfängerregion. Die USA erhöhten ihre Exporte nach Europa um 217 Prozent.
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Nachdem die Staaten des Nahen Ostens ihre Waffenimporte im Berichtszeitraum um 13 Prozent senkten, deuten die Fakten kriegsbedingt aktuell wieder auf ein massives Aufrüsten hin. Dazu erklärt Forscher Mathew George vom Sipri-Programm für Waffentransfers:
Während Spannungen in Asien und dem Nahen Osten weiterhin große Waffenimporte antreiben, hat der starke Anstieg der Lieferungen nach Europa den globalen Zuwachs von fast zehn Prozent maßgeblich vorangetrieben.
Mathew George, Sipri-Forscher
USA zementieren "Dominanz als Waffenlieferant" - Ukraine größter Einzelabnehmer
Die USA festigten ihre Position als "Waffen-Exportweltmeister" mit einem Marktanteil von 42 Prozent und erhöhten ihre Ausfuhren um 27 Prozent.
"Die USA haben ihre Dominanz als Waffenlieferant sogar in einer zunehmend multipolaren Welt weiter zementiert", betont Sipri-Forscher Pieter Wezeman.
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Allein die Ukraine erhielt 9,7 Prozent aller globalen Waffenlieferungen und war damit der größte Einzelabnehmer weltweit. Laut Sipri-Informationen haben seit Beginn des russischen Angriffs 2022 mindestens 36 Staaten Großwaffen an Kiew geliefert. Die USA (41 Prozent), Deutschland (14 Prozent) und Polen (9,4 Prozent) waren die wichtigsten Lieferanten.
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An den globalen Waffenexporten hat Deutschland einen Anteil von 5,7 Prozent. Die größten Abnehmer deutscher Waffen sind europäische Staaten (41 Prozent), gefolgt vom Nahen Osten (33 Prozent) sowie Asien und Ozeanien (17 Prozent). Fast ein Viertel (24 Prozent) aller deutschen Waffenexporte ging als Militärhilfe an die Ukraine.
Wie könnte sich der Iran-Krieg auf Militärausgaben auswirken?
"Der aktuelle Krieg im Nahen Osten wird voraussichtlich die Militärausgaben und die Nachfrage nach bestimmten Systemen - regional und global - weiter steigern", erklärt Zain Hussain, Sipri-Forscher mit Schwerpunkt Naher Osten.
Die Staaten in der Region werden sich auf den Erwerb defensiver und offensiver Fähigkeiten konzentrieren, um sich gegen Angriffe aus dem Iran zu verteidigen und zukünftige Abschreckung zu sichern.
Zain Hussain, Sipri-Forscher
Israel erhöhte seine Waffenimporte zuletzt bereits um zwölf Prozent und wurde zum 14. größten Waffenimporteur weltweit. Die USA (68 Prozent) und Deutschland (31 Prozent) blieben die wichtigsten Lieferanten - trotz internationaler Kritik an Israels Kriegsführung in Gaza.
Der Iran bleibt dagegen isoliert: "Aufgrund von Embargos setzt der Iran auf selbst produzierte Waffen. Je nach Ausmaß der Schäden an seinen Produktionskapazitäten wird es Jahre dauern, die Bestände wieder aufzufüllen", erklärt Hussain auf ZDFheute-Anfrage.
Nach Angaben des Friedensforschungsinstituts Sipri steigerten die 100 größten Rüstungskonzerne ihre Einnahmen 2024 auf 679 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Plus von 5,9 Prozent.
01.12.2025 | 0:33 minExperte: Großkonflikte werden Aufrüstung weiter vorantreiben
Der Experte erwartet infolge des aktuellen Krieges ein massives Nachrüsten: "Die Staaten in der Region werden ihre im Krieg aufgebrauchten Bestände an Abfangraketen wieder auffüllen und weitere Ausrüstung beschaffen, darunter Systeme zur Abwehr von unbemannten Luftfahrzeugen", so Hussain.
Profitieren dürften erneut vor allem die USA: "Die Trump-Administration könnte US-Rüstungsunternehmen unter Druck setzen, die Produktion von Luftabwehrsystemen und Raketen zu beschleunigen", sagt Hussain.
Der New-Start-Vertrag von 2010 sollte die Zahl der Atomwaffen reduzieren - nun ist er ausgelaufen. US-Präsident Trump wirbt für ein "verbessertes und modernisiertes" Abkommen.
05.02.2026 | 2:43 minSipri-Forscher Zain Hussain warnt gleichzeitig: "Dieser Krieg, zusammen mit den Konflikten in der Ukraine, Gaza und anderen Konflikten weltweit, wird voraussichtlich zu einem Anstieg der globalen Waffenlieferungen führen."
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