Macron: Frankreich stockt Atom-Sprengköpfe auf

Gemeinsame Übungen mit Deutschland:Macron: Frankreich stockt Atom-Sprengköpfe auf

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Der französische Präsident Macron hat angekündigt, sein Atomwaffen-Arsenal zu vergrößern. Außerdem soll es gemeinsam Atom-Militärübungen mit Deutschland und weiteren Ländern geben.

Angehörige der französischen Marine stehen auf dem Oberdeck eines U-Boots vor dem Besuch des französischen Präsidenten auf dem Atom-U-Boot-Stützpunkt Île Longue in Crozon, Nordwestfrankreich.

Frankreich erhöht laut Präsident Macron die Zahl seiner Atomsprengköpfe.

02.03.2026 | 0:34 min

Frankreich plant mit Deutschland und weiteren Ländern gemeinsame Atom-Militärübungen und will zudem atomar aufrüsten. Die Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung solle im laufenden Jahr beginnen und könne "Besuche strategischer Orte und gemeinsame Übungen" umfassen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag auf dem Marinestützpunkt Île Longue nahe der westfranzösischen Hafenstadt Brest. "Deutschland ist ein Schlüsselpartner", betonte Macron.

In einer gemeinsamen Erklärung teilten der französische Präsident und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Anschluss mit, die beiden Länder hätten eine "hochrangige Nuklear-Steuerungsgruppe" eingerichtet. Deutschland beabsichtige, sich mit konventionellen Mitteln an französischen Nuklearübungen zu beteiligen. Frankreich und Deutschland wollen demnach mit der engeren Zusammenarbeit auch ihre Frühwarnsysteme und die Luftverteidigung verbessern.

Frankreich will Zahl der Atomsprengköpfe geheim halten

Macron betonte, die Entscheidung über den Einsatz von Atomwaffen werde in jedem Fall beim französischen Präsidenten bleiben - ebenfalls dessen Planung und Umsetzung. Neben Deutschland seien auch Großbritannien, Polen, die Niederlande, Belgien und Griechenland an einer engeren Zusammenarbeit interessiert. Dazu zähle auch eine mögliche Stationierung französischer Kampfjets, die Atombomben transportieren können.

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Angesichts wachsender globaler Bedrohungen erhöhe das Land außerdem die Zahl seiner Atomsprengköpfe, das habe er angeordnet, so der Präsident. Anders als bisher werde Frankreich nicht mehr über die Zahl seiner Atomwaffen informieren.

Wer frei sein will, muss gefürchtet sein. Wer gefürchtet sein will, muss stark sein.

Emmanuel Macron, französischer Präsident

Frankreich ist einzige Atommacht in der EU

In der EU ist Frankreich seit dem Austritt Großbritanniens 2020 die einzig verbliebene Atommacht. Laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri besitzt das Land 290 der weltweit etwa 12.200 Atomwaffen und ist damit nach Russland, den USA und China die viertgrößte Atommacht.

Weltweites Atomwaffen-Arsenal

Weltweites Atomwaffen-Arsenal

Quelle: ZDF

Das Land verfügt über vier Atom-U-Boote, von denen Raketen mit Atomsprengköpfen mit einer Reichweite von etwa 10.000 Kilometern abgefeuert werden können. Auch aus der Luft kann Frankreich Atomwaffen einsetzen.

Seine Rafale-Kampfjets können die gut 50 Marschflugkörper des Landes mit Nuklearsprengköpfen abschießen. Diese haben offiziell eine Reichweite von etwa 500 Kilometern.

Macron sieht wachsende nukleare Bedrohung in der Welt

Macron betonte, er schulde es Frankreich, sicherzustellen, dass die Abschreckung glaubhaft bleibe. Ein größeres Atomarsenal sei unabdingbar. Allerdings solle dies kein Einstieg in einen atomaren Rüstungswettlauf werden.

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Macron verwies zur Begründung auf wachsende nukleare Bedrohungen weltweit. Die Bedrohung vermische sich und die Verteidigung möglicher Gegner werde stärker. Konkret nannte Macron eine wachsende atomare Rüstung Chinas, die explosive Lage im Nahen Osten sowie die Bedrohung durch Russland.

Zum Ausbau von Frankreichs nuklearem Waffenarsenal sagte Macron, bis 2036 werde ein neues Atom-U-Boot gebaut.

Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Frankreich erhöht Zahl seiner Atomsprengköpfe" am 02.03.2026 um 17:24 Uhr.

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