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Vereinbarung zwischen USA und Russland:Atomvertrag "New Start" endet - Droht ein neues Wettrüsten?

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Mit dem Aus von "New Start" fällt der letzte große Abrüstungsvertrag weg. Welche Folgen hat das für Atomwaffen-Arsenale, Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit?

Donald Trump schaut in die Kamera

Der im Jahr 2010 unterzeichnete Atomwaffen-Abrüstungsvertrag der USA mit Russland läuft heute aus. Nun wächst die Sorge vor einem neuen nuklearen Wettrüsten.

05.02.2026 | 0:29 min

Mit dem Auslaufen des letzten großen Abrüstungsvertrags "New Start" endet am heutigen Mittwoch nach mehr als einem halben Jahrhundert die Ära der vertraglich vereinbarten Rüstungskontrollen zwischen den USA und Russland.

"New Start" war mit dem Ziel ins Leben gerufen worden, Frieden mit immer weniger Atomwaffen zu schaffen, und begrenzte die Zahl von Atomsprengköpfen und Trägersystemen. Was bedeutet das Aus nun für Frieden und Sicherheit in der Welt?

Elmar Theveßen | ZDF-Korrespondent in Washington

Nach Ablauf des "New Start"-Abkommens zwischen den USA und Russland könnte es zu einem "Rüstungswettlauf zwischen den Supermächten kommen", berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.

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US-Wissenschaftler setzten Ende Januar ihre sogenannte Doomsday Clock, die vor einem katastrophalen Ende der Menschheit warnt, auf 85 Sekunden vor Mitternacht - so dicht wie nie zuvor in der Geschichte. Fragen und Antworten zum Thema:

Warum war der Vertrag "New Start" wichtig?

Im Jahre 2010 unterzeichneten US-Präsident Barack Obama und der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew "New Start" (New Strategic Arms Reduction Treaty). Dabei baute die Vereinbarung auf vielen Vorgängern auf. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges hielten die Supermächte mit 70.000 Nuklearsprengköpfen das Gleichgewicht des Schreckens. Dann schränkten ab 1972 Abkommen wie Salt-I, ABM, Salt-II, Start 1, Start 2, Sort und INF die Arsenale ein.

"New Start" begrenzte die Zahl der strategischen Nuklearsprengköpfe auf 1.550 Stück für jede Seite, die Zahl der einsatzbereiten Abschussvorrichtungen auf 700. Im Februar 2021 wurde der Vertrag um fünf Jahre verlängert.

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Hat "New Start" funktioniert?

Die bis 2018 vorgesehene Reduzierung wurde erreicht. Um Vertrauen zu bilden, konnten Experten der USA und Russlands den Stand im anderen Land inspizieren. Allerdings fielen diese Inspektionsreisen ab 2020 wegen der Corona-Epidemie aus.

2022 befahl der russische Präsident Wladimir Putin den Angriffskrieg gegen die Ukraine. 2023 setzte er die Teilnahme an "New Start" aus, weil seine Militärs US-Waffenarsenale nicht mehr besichtigen könnten.

Wie werten Moskau und Washington das Vertragsende?

Offiziell beklagt die russische Führung das Auslaufen von "New Start". Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte:

Da entsteht ein schwerwiegendes Defizit, das kaum den Interessen der Völker unserer beiden Länder und eigentlich der gesamten Welt entspricht.

Dmitri Peskow, Kremlsprecher

Nuklearwaffen-Experte Fabian Hoffmann vom Olso Nuclear Project bei ZDFheute live.

Russland investiert viel Geld in den Ukraine-Krieg. Das Aufrüsten der Nuklearstreitkräfte könne sich Moskau gerade nicht leisten, sagt Nuklearwaffen-Experte Hoffmann.

03.07.2025 | 19:49 min

Moskau erneuerte in dieser Woche seinen Vorschlag, die Grenzen von "New Start" für ein weiteres Jahr einzuhalten. Die USA äußerten sich nicht. "Keine Antwort ist auch eine Antwort", konstatierte der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow. Ohne den Vertrag hat Moskau beim laufenden Um- und Ausbau seiner Atomstreitmacht freie Hand.

US-Präsident Donald Trump zeigte sich zuletzt unbeeindruckt vom Auslaufen von New Start. Anfang Januar sagte er der Zeitung "New York Times":

Wir werden einfach ein besseres Abkommen machen.

Donald Trump, US-Präsident

Sönke Neitzel mit dem Brandenburger Tor im Hintergrund.

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Wie denken Sicherheitsexperten über diese Haltung?

US-Sicherheitsexperten sind weniger gelassen als Trump. Die Denkfabrik CSIS verweist auf das russische Atomprogramm und die Aufrüstung in China, die keinen Beschränkungen unterliege. Die CSIS-Expertin Heather Williams warnt:

Wenn dies ein Wettrüsten ist, dann verlieren es die Vereinigten Staaten; und wenn es noch kein Wettrüsten ist, aber eins wird, dann starten die Vereinigten Staaten mit Rückstand.

Heather Williams, CSIS-Expertin

Weltweites Atomwaffen-Arsenal
Quelle: ZDF

Die Lage ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten unübersichtlicher geworden. Es gibt die anerkannten Atommächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien, alle auch im UN-Sicherheitsrat. Außerdem haben Indien, Pakistan, Nordkorea und inoffiziell Israel Atomwaffen.

Weltweit gebe es mehr als 9.600 einsetzbare Atomsprengköpfe, schrieb das Stockholmer Institut für Friedensforschung Sipri in seinem Bericht für 2025. Mehr als vier Fünftel gehören zum Arsenal Russlands und der USA. Bei China zählten die Forscher einen Anstieg auf 600 Sprengköpfe.

Moskau hat im Ukraine-Krieg mehrfach auf sein Atompotenzial angespielt, um westliche Länder von Unterstützung für das angegriffene Land abzuhalten. 2025 gab es kurzzeitig Kämpfe zwischen den Atommächten Indien und Pakistan. Und die verdeckte Atommacht Israel zerstörte Atomanlagen im Iran, um Teheran am Bau einer Bombe zu hindern. Auch die USA griffen ein.

Schließlich verändern neue Waffen, die in kein bisheriges Vertragsschema passen, die Lage. Russland beispielsweise hat den atomgetriebenen Marschflugkörper Burewestnik und die Unterwasserdrohne Poseidon mit Atomantrieb entwickelt.


Was kommt nun - Wettrüsten oder neue Verträge?

"Es gibt Anzeichen dafür, dass sich ein neues Wettrüsten anbahnt, das mit viel mehr Risiken und Unsicherheiten verbunden ist als das letzte", schrieb 2025 der damalige Sipri-Direktor Dan Smith. Dazu trügen auch die noch unbekannten Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz in der Rüstungstechnik bei. Sein Nachfolger Karim Haggag erwartet ohne New Start "eine neue Phase erhöhter nuklearer Gefahren", wie er am Mittwoch schrieb.

Washington hat mehrfach gefordert, dass auch China in künftige atomare Abrüstungsverträge eingebunden wird. Doch dem verweigert sich die Führung in Peking bislang. Und auch Chinas Verbündeter Russland lehnt dies ab. Das chinesische Atomwaffenpotenzial sei mit dem Russlands und der USA nicht zu vergleichen, daher sei es zu vernachlässigen, sagte Kremlsprecher Peskow. Hingegen fordert Moskau, das Nuklearpotenzial von Frankreich (290 Atomsprengköpfe laut Sipri) und Großbritannien (225) bei einem neuen Vertrag einzubeziehen.

Trump solle Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping mit der Aussicht auf einen Dreiergipfel zu Vereinbarungen über nukleare Rüstungskontrolle locken, regte das US-Institut CSIS an.

Nuklearwaffen-Experte Fabian Hoffmann vom Olso Nuclear Project ist vor einer Atomwaffe abgebildet.

Weltweit gelten neun Staaten als Atommächte. Mehrere davon sind aktuell an Kriegen und Konflikten beteiligt. ZDFheute live analysiert, was nukleare Abschreckung wirklich bringt.

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Wie verändert sich die Lage für Deutschland und Europa?

Die Sicherheitslage in Europa hat sich durch den Ukraine-Krieg und das russische Großmachtstreben deutlich verschlechtert. Russland verneint allerdings aggressive Absichten und wirft EU und Nato Feindseligkeit vor. Zudem wachsen in Trumps zweiter Amtszeit die Zweifel, wie zuverlässig der US-Atomschirm für die europäischen Nato-Verbündeten ist. Im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe sind US-Atombomben in Deutschland stationiert, auch deutsche Jets könnten sie verschießen.

Diskutiert wird, ob Deutschland in dieser Sicherheitslage nicht eine eigene Atombombe bauen sollte. Allerdings lassen der Zwei-plus-vier-Vertrag über die deutsche Wiedervereinigung und der Atomwaffensperrvertrag eine nukleare Bewaffnung nicht zu. Überlegungen zu einem europäischen Atomschirm mit Frankreich und Großbritannien stehen am Anfang. Deshalb setzt die deutsche Regierung auf eine stärkere konventionelle Rüstung zur Abschreckung.

Quelle: dpa, Reuters
Über dieses Thema berichteten unter anderem heute das ZDF-Morgenmagazin am 05.02.2026 ab 05:30 Uhr und ZDFheute Xpress im Beitrag "Der Ausblick: Was am Donnerstag wichtig wird" am 04.02.2026 um 21:30 Uhr.

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