Estlands Verteidigung gegen Russland: Drohnen für Zivilisten

Schulungen für Zivilisten:Estlands Drohnen für die Verteidigung gegen Russland

von Natalie Steger

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Estland bildet Freiwillige für militärische Zwecke an Drohnen aus. Kenntnisse für den Ernstfall gegen den unberechenbaren Nachbarn. Warum das Land auf Drohnen für jedermann setzt.

Symbolbild Drohnenabwehr

Estland will Tausende von Zivilisten in militärischen Drohnenfertigkeiten ausbilden. Innerhalb eines Tages nach Veröffentlichung gab es bereits über 3.000 Anmeldungen.

07.01.2026 | 2:19 min

In Tallinn sind an diesem Tag 18 Zivilisten entschlossen, der nationalen Sicherheit ihres Landes zu dienen: Ein Kurs im Drohnenfliegen. Solche Ausbildungen sollen Tausende der 1,3 Millionen Einwohner Estlands schulen. Mit dabei: Krista, Angestellte bei einer internationalen Organisation, und Margus, Medienberater. Wie die anderen wollen sie vorbereitet sein für den Ernstfall.

Zivilschutz, Cybersicherheit und sogar der Verteidigungsunterricht an unseren Schulen - ich denke, das ist ein normaler Teil der Bildung heutzutage.

Krista, Teilnehmerin am Drohnenkurs

Moorlandschaft aus der Vogelperspektive

Estland setzt nicht nur auf Drohnen: Dort werden Moore renaturiert, damit sie zum Klimaschutz beitragen und bei einem möglichen russischen Angriff als natürliche Barriere dienen können.

24.10.2025 | 2:16 min

Estländer wollen gegen Russland gewappnet sein

Mit Simulatoren und mit kleinen Drohnen geht es los. Parcoursfliegen im Zimmer, eine Geschicklichkeitsübung, um perspektivisch die Landesverteidigung unterstützen zu können. In Estland gibt es verschiedene Programme, mit denen Bürger an militärische Aktivitäten herangeführt werden sollen. Krista ist Jahrgang 1977 und damit noch zu Sowjetzeiten in Estland geboren. Sie weiß, dass der russische Präsident Putin den Verlust des Baltikums nie verkraftet hat.

Wir werden alles tun, dass es nicht mehr so wird wie damals. Ich bin bereit, mein Land in jedem Moment zu verteidigen. Deshalb lerne ich verschiedene Sachen.

Krista, Teilnehmerin am Drohnenkurs

Ukraine-Krieg als Wendepunkt

Draußen im estnischen Winterwetter sind die größeren Drohnen dran. Die Aufgabe ist gezieltes Sprengstoffabwerfen auf den potenziellen Feind. Wer das ist, ist für alle hier klar. "The one and only", sagt Margus. Er habe damals 2022 nicht gedacht, dass Russland in die Ukraine einmarschieren würde. Er ist der estnischen Bürgerwehr beigetreten, trainiert regelmäßig militärisch.

Wenn du neben verrückten Leuten lebst, musst du auf verrückten Shit vorbereitet sein.

Margus, Teilnehmer am Drohnenkurs

ostflanke

Drohnenvorfälle, zerstörte Unterseekabel, Cyberangriffe - die Sicherheitslage an der NATO-Ostflanke spitzt sich zu. Wie Polen, Estland, Lettland und Litauen darauf reagieren und ihre Verteidigung stärken, zeigt unsere Mima-Reporterin Natalie Steger.

21.10.2025 | 4:39 min

Die Kurse sind eine private Initiative des bekannten Technologieunternehmers Taavi Kotka, die vom estnischen Verteidigungsministerium und der Bürgerwehr unterstützt wird.

Es macht in meinem Alter wenig Sinn, in einem Schützengraben zu sitzen. Ich bin viel nützlicher, wenn ich eine Drohne fliege.

Taavi Kotka, Initiator "Angry Eagle"

In Estland gilt Wehrpflicht, aber das Land will die Bevölkerung insgesamt widerstandsfähiger machen. Die Grenze zum großen Nachbarn ist immerhin gut 300 Kilometer lang.

Drohnen als "Adleraugen" in der militärischen Verteidigung - auch für Zivilisten

Genutzt werden praktische Erfahrungen von der Front aus der Ukraine, etwa Szenarien wie Signalverlust oder Einsatz unter Beschuss.

Krista fliegt mittlerweile die großen Drohnen relativ stabil. Gerade in der Ukraine werde klar, wie wichtig dieses Wissen sei.

Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Unterstützung der Gesellschaft. Solche Erfahrungen brauchen wir.

Krista, Teilnehmerin am Drohnenkurs

Ein DLR-Mitarbeiter hält eine Drohne vor einem Fahrzeug zur Drohnendetektion

Drohnen als Sicherheitsrisiko: Das Bundeskriminalamt berät über Strategien gegen hybride Bedrohungen. Eine Reform soll der Bundespolizei mehr Befugnisse zur Abwehr geben.

20.11.2025 | 2:26 min

Drohnen seien unsere Augen im Himmel, sagt der Ausbilder. Und weil sie relativ leicht zu fliegen seien, könnten Zivilisten im Kriegsfall tatsächlich das Militär unterstützen. Außer Sprengstoff abzuwerfen, lernen die Teilnehmer, mit Wind und Wetter umzugehen, den Thermobildschirm und die Drohne an sich zu verstehen.

Wie können sie militärisch genutzt werden, vor allem in der Verteidigung. Wie weit kannst du mit ihnen sehen. Wie Dinge bewegen, wenn nötig, wie sauberes Wasser, Medizin.

Ausbilder im Drohnenfliegen

100 Euro kostet der ganze Tag mit Training und Verpflegung. Allein am ersten Tag nach der Veröffentlichung des Programms "Angry Eagle" meldeten sich mehr als 3.000 Menschen an, die quasi die bösen Adleraugen Estlands sein wollen - im Ernstfall.

Über das Thema berichtete die Sendung heute in Europa am 07.01.2026 ab 16 Uhr.

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