Künstliche Intelligenz im Militär: Was sind Nutzen und Gefahren?

Streit zwischen Pentagon und Anthropic:KI im Militär: Wo wird sie genutzt und wo liegen Grenzen?

von Jutta Sonnewald

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Autonome Waffen und Künstliche Intelligenz spielen längst eine wichtige Rolle im Kriegsgeschehen. Wo liegt der militärische Nutzen. Und was sind die Risiken des Einsatzes?

KI-Waffen

Neues Innovationszentrum in Erding: Die Bundeswehr entwickelt mit Forschern und Startups autonome, KI-gesteuerte Waffensysteme. Ziel ist mehr Schutz für Soldaten - bei wachsender Kritik von Experten.

05.02.2026 | 2:41 min

Künstliche Intelligenz, Drohnen und Daten: Sie bestimmen schon heute die Planung, den Verlauf und den Ausgang moderner Militäroperationen. So soll zum Beispiel das US-Verteidigungsministerium laut "Wall Street Journal" die KI-Software Claude des US-Unternehmens Anthropic eingesetzt haben, um den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro gefangen zu nehmen - entgegen den Nutzungsrichtlinien des KI-Entwicklers.

Nun schwelt zwischen dem Pentagon und dem OpenAI-Rivalen Anthropic ein Konflikt. Es geht um rote Linien, ethische Standards, drohende Sanktionen und einen potenziell großen wirtschaftlichen Schaden für den KI-Entwickler. Wie wird KI schon im Militär eingesetzt, was bringt der Einsatz und wo liegen Risiken? Ein Überblick.

Wofür wird Künstliche Intelligenz im Militär bereits eingesetzt?

Die Anwendungen reichen von der logistischen Planung bis hin zur Navigation von autonomen Kampfsystemen wie Drohnen, ferngesteuerten Panzern oder Booten. KI-Systeme können riesige Mengen an Daten wie Lagebilder und andere Sensor-Daten in Echtzeit und damit schneller als der Mensch auswerten.

Verena Jackson  | KI-Expertin Universität der Bundeswehr München

"Deutschland wird in den kommenden Jahren vor dem Dilemma stehen", praktisch notwendige und ethische Standards bei KI-Waffensystemen zu vereinen, so KI-Expertin Verena Jackson.

05.02.2026 | 5:42 min

Auf dieser Grundlage gibt das System den Soldatinnen und Soldaten Empfehlungen für taktische oder strategische Manöver. KI kann auch dafür eingesetzt werden, effiziente Routen zu planen: Dabei werden Wind, Wetter, Verkehr und mögliche Gefahren auf der Route berücksichtigt.

Zudem kann Künstliche Intelligenz auch im Bereich Cybersicherheit eingesetzt werden - defensiv zur Abwehr von Hackerangriffen und offensiv, um die Cyberschwachstellen des Gegners zu identifizieren.

Welche Risiken hat der militärische Einsatz von KI?

Der KI-Experte Karl Hans Bläsius von der Hochschule Trier sieht die Gefahr, dass mit Hilfe von KI auch Bio- oder Cyberwaffen entwickelt werden könnten: "Das Militär macht das hoffentlich nicht, weil es verboten ist, doch das Risiko besteht natürlich, weil es großes Anwendungspotenzial gibt."

KI-Experten und Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch oder die Kampagne "Stop Killer Robots" warnen, dass mit zunehmendem Einsatz Künstlicher Intelligenz der Mensch immer mehr aus der Entscheidungsschleife herausfällt.

Schon jetzt könnten Kommandeure die von der KI getroffenen Entscheidungen kaum nachvollziehen. KI-Experte Bläsius erklärt zudem:

Im militärischen Alltag, in Kriegen läuft nicht immer alles nach Plan. Es sind immer wieder Planänderungen nötig.

Karl Hans Bläsius, KI-Experte und Professor an der Hochschule Trier

Zwei Bundeswehr-Soldaten knien vor einem Panzer und zielen mit ihrem Gewehr. Im Hintergrund Spur-Logo

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"Um eine Eskalation zu verhindern, braucht man Zeit, doch menschliches Eingreifen könnte aufgrund des Tempos schwierig sein", so Bläsius.

Besonders riskant sei die Nutzung Generativer KI (GenKI), also Software, die in der Lage ist, durch Training mit großen Datenmengen eigenständig neue Inhalte wie Texte, Bilder oder Programmcodes zu erstellen. Da die Datengrundlage vage, unsicher und unvollständig sei, so der KI-Experte Bläsius, würde GenKI nicht immer die richtigen Ergebnisse liefern.

Wie steht die Bundeswehr dazu?

Die Bundeswehr ist unter anderem im Begriff sogenannte "Loitering Munition" anzuschaffen, also bewaffnete Kampfdrohnen, die extrem schnell und günstig für Präzisionsschläge gegen mobile Flugabwehrsysteme, Artillerie oder gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt werden können. Der Auftrag im Wert von 900 Millionen Euro soll an die beiden deutschen Rüstungs-Startups Helsing und Stark Defence gehen sowie an die Firma Rheinmetall.

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Das Rüstungs-Startup Tytan Technologies baut Abwehr-Drohnen, die feindliche Angriffsdrohnen aufspüren und am Himmel zerstören - autonom und KI-gesteuert. Sie werden in der Ukraine eingesetzt.

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Seit Längerem fordern führende Industrieverbände von der Bundesregierung eine verbindliche KI-Strategie, um für Rüstungshersteller einen verantwortbaren völkerrechtlichen und ethischen Rahmen und Leitlinien zu schaffen.

Das Bundesverteidigungsministerium - das KI in einer zunehmend digitalen Welt als "strategisch entscheidend" bezeichnet - wollte ein solches Konzept eigentlich Ende vergangenen Jahres vorstellen. Nun heißt es gegenüber ZDFheute, man befinde sich in der finalen Abstimmung:

Die Nutzung von KI in der Bundeswehr muss mit den Werten, Normen und Prinzipien unseres Grundgesetzes im Einklang stehen und auf einer sorgfältigen ethischen Abwägung zwischen technologischen Möglichkeiten und militärischer Verantwortung beruhen.

Bundesverteidigungsministerium

Was sagen Kritiker und wie sieht es mit Regulierung aus?

Thomas Küchenmeister von der Kampagne "Stop Killer Robots" kritisiert, dass mit solchen Kamikaze-Drohnen, die vor dem Angriff längere Zeit autonom über einem Gebiet kreisen, die Grenzen verwischt würden zwischen gesteuerten und autonomen Waffen.

Es ist ethisch und moralisch äußerst bedenklich und es steht im Konflikt mit geltendem Völkerrecht, wenn Algorithmen statt Menschen über Leben und Tod entscheiden.

Thomas Küchenmeister, Sprecher der Kampagne "Stop Killer Robots"

UN-Generalsekretär António Guterres fordert seit 2018 ein völkerrechtlich verbindliches Verbot von tödlichen autonomen Waffensystemen (LAWS). Die Zeit eilt, denn der internationale Wettlauf um autonome Waffen und Künstliche Intelligenz ist voll im Gange, und Ethik lasse sich nicht nachrüsten, mahnen KI-Experten.

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Als Frist für eine solche Regulierung hat Guterres das Jahr 2026 gesetzt. Doch bisher kam es aufgrund des Widerstands einiger Staaten, die militärische Nachteile befürchten, zu keiner Einigung auf verbindliche Regeln. Bei weiteren Gesprächen der UN in Genf Anfang März und Ende August wird sich zeigen, wie realistisch eine Einigung auf einen internationalen Verbotsvertrag ist.

Über dieses Thema berichteten das ZDF-Morgenmagazin am 05.02.2026 ab 05:30 Uhr und die heute-Nachrichten am 05.02.2026 ab 19:00 Uhr.

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