Aufrüsten im All:Start-up baut Raumflugzeug für die Bundeswehr
von Alexander Poel und David Römhild
Eine Bremer Firma entwickelt ein Hyperschall-Raumflugzeug für die Bundeswehr. Die will im Weltall "kriegstüchtig" werden – und investiert 35 Milliarden Euro in Raumfahrtprojekte.
Das Bremer Start-up Polaris entwickelt ein wiederverwendbares Raumschiff, das bis zu einer Tonne Nutzlast ins All transportieren kann. Zudem sollen Raumschiffe zur Verteidigung gebaut werden.
03.02.2026 | 1:49 minKleines Start-up, großer Auftrag: Die Bundeswehr hat das Bremer Unternehmen Polaris mit dem Bau eines Raumflugzeugs beauftragt. Das Fluggerät soll mit Hyperschall, also oberhalb der fünffachen Schallgeschwindigkeit, unterwegs sein. Der etwa bei Trägerraketen notwendige Startplatz entfalle, so Firmengründer Alexander Kopp.
Wir können wirklich von Flughäfen und Flugplätzen weltweit aus operieren. Dadurch haben wir ein sehr flexibles System, ein sicheres System - und wir können extrem kostengünstig operieren.
Alexander Kopp, Gründer Polaris Raumflugzeuge
Das unbemannte Flugzeug mit der "Größe und Startmasse eines Kampfjets" soll laut Hersteller bereits bis Ende 2027 flugbereit sein. Neben zwei Düsentriebwerken soll es auch von einem sogenannten Aerospike-Raketentriebwerk beschleunigt werden - technisch eine Herausforderung:
Weil wir wie mit einem regulären Flugzeug agieren müssen, das heißt: Ganz normal starten, ganz normal landen. Gleichzeitig müssen auch der Hyperschallflug funktionieren und das Raketentriebwerk.
Luisa Konga, Ingenieurin Polaris Raumflugzeuge
Der Hauptzweck des zweistufigen Systems bestehe darin, als Hyperschall-Testplattform für "verteidigungsbezogene Forschung" zu dienen. Das Raumflugzeug könne aber auch für den Start kleiner Satelliten verwendet werden, teilte das Unternehmen mit.
Die Idee, wiederverwendbare Raumschiffe zu entwickeln, ist nicht neu. Auch die deutsche Firma Polaris versucht sich daran - ihr Rezept: Raumflugzeuge, die von herkömmlichen Startbahnen abheben können.
22.08.2024 | 2:48 minGeneralmajor: Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein
Schnell fliegen, Ziele flexibel aus der Luft aufklären und unabhängig Satelliten in den Erdorbit bringen. All das sind Fähigkeiten, die sie beim Weltraumkommando der Bundeswehr in Nordrhein-Westfalen schätzen.
Von Uedem aus koordiniert die Luftwaffe ihre Aktivitäten im Weltraum. Die sicherheitspolitische Lage im All verändere sich - es sei an der Zeit, Geschwindigkeit an den Tag zu legen, betont Generalmajor Michael Traut im ZDF-Interview.
Wir sind in einer Situation, wo wir bis 2029 kriegstüchtig sein müssen, um uns in einem möglichen Angriffsfall durch Russland auch verteidigen zu können.
Generalmajor Michael Traut, Kommandeur Weltraumkommando der Bundeswehr
Milliardenpaket für Weltraumsicherheit
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte im vergangenen Jahr 35 Milliarden Euro Investitionen in die Raumfahrt angekündigt. Das Weltraumsicherheitspaket umfasst Weltraumoperationen, weltweite Aufklärung, die Abwehr von Flugkörpern und Erdbeobachtung.
Die Bundeswehr gehörte mit Forschungsmitteln bereits zu den ersten Investoren des Bremer Unternehmens. Start-ups hätten den Vorteil, deutlich risikofreudiger und agiler als große Rüstungsunternehmen zu sein, so General Traut weiter. In Bremen investiert die Truppe nun erneut einen Millionenbetrag - wie hoch, bleibt geheim.
Die ArianeGroup zeigt ihre neue Raketenstufe und betont damit die militärische Nutzung von Raumfahrttechnik. Die Branche wittert viele Aufträge in Milliardenhöhe.
11.01.2026 | 2:00 minAlexander Kopps Vision geht allerdings weit über den Rüstungsauftrag hinaus. Der Gründer träumt von einer "Airline in den Weltraum", mit Fracht- und Personenverkehr zu Raumstationen.
Zunächst aber wird sein Unternehmen in Bremen einen neuen Standort beziehen, um dort das von der Bundeswehr bestellte Raumflugzeug zu bauen.
Alexander Poel leitet das ZDF-Landesstudio Bremen, David Römhild ist dort Reporter.
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