Blick in ASTRIS-Projekt der ArianeGroup:Warum eine Raumfahrt-Firma nun auf Militäraufträge setzt
von Alexander Poel und David Römhild
In Bremen zeigt die ArianeGroup ihre neue Raketenstufe ASTRIS und betont die militärische Nutzung von Raumfahrttechnik. Die Branche hofft auf Aufträge in Milliardenhöhe.
Die ArianeGroup zeigt ihre neue Raketenstufe und betont damit die militärische Nutzung von Raumfahrttechnik. Die Branche wittert viele Aufträge in Milliardenhöhe.
11.01.2026 | 2:00 minSie wirken wie überdimensionierte Kugelgrills, doch die blank polierten Titan-Tanks werden eine Reise ins All antreten. Ihre Mission: Satelliten mit Treibstoff versorgen oder das neue Projekt der ArianeGroup, ASTRIS, zu befeuern.
Die zusätzliche Raketenstufe ASTRIS wurde dazu entwickelt, um mit der europäischen Trägerrakete Ariane 6 ins Weltall gebrachte Satelliten genau zu positionieren.
ArianeGroup prüft militärische Nutzung
Als sogenannte "Kick-Stage" kann ASTRIS bis zu vier Satelliten an unterschiedliche Orte im Orbit bringen. Sie bringt sie auch deutlich schneller in die Umlaufbahn. Fähigkeiten, die sich laut ArianeGroup künftig auch militärisch nutzen lassen:
Das könnte eine Wächterfunktion übernehmen, dass man sich Objekten nähert, die man näher inspizieren möchte und von denen man ausgeht, dass eventuell Gefahr droht.
Jens Franzeck, COO ArianeGroup
Die europäische Ariane-6-Rakete bringt vom Weltraumbahnhof Kourou zwei Galileo-Navigationssatelliten ins All. Gebaut wurden sie in Bremen.
17.12.2025 | 0:23 minIm "Dual-Use", also in der sowohl zivilen als auch militärischen Verwendungsmöglichkeit ihrer Technik, sehen die Raketenbauer enormes Potenzial. Am Standort Bremen bieten sie nicht nur einen - nach eigenen Angaben - "sehr seltenen Einblick" in die Produktion. Sondern betonen auch ungewohnt deutlich ihre Kompetenzen im Rüstungsbereich.
Raumfahrt ist als Sicherheitsfaktor erkannt worden.
Pierre Godart, CEO ArianeGroup
Bedrohungslage auch im All
Systemische Wettbewerber wie Russland seien im All schon sehr aktiv, sagt der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU).
Das gelte nicht für Beobachtung und Kommunikation. Auch die Fähigkeit, "andere Satelliten zu beeinträchtigen, zu zerstören und unbrauchbar zu machen", sei dort vorhanden, erläutert Röwekamp gegenüber ZDFheute.
Die Bedrohungslage auch im All für unseren Frieden und unsere Freiheit ist heute schon real.
Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Bundestag
Wie kann sich Europa vor Angriffen aus dem Weltall schützen? Beim Forum zum Thema „Sicherheit im Weltall“ wurde ein Warnsystem vorgestellt, das Europa vor Bedrohungen schützen soll.
02.12.2025 | 1:51 minIn Zukunft werde Weltrauminfrastruktur für die deutschen Streitkräfte viel wichtiger sein, bestätigt Andreas Knopp von der Universität der Bundeswehr München: "Beispielsweise, wenn es auch darum geht, dass eben Kontingente zur Absicherung von einem potenziellen Frieden in die Ukraine entsandt werden", skizziert der Experte ein mögliches Szenario im ZDFheute-Interview.
Dann wird die Weltrauminfrastruktur eine ganz entscheidende Bedeutung bekommen, auch in der Anwendung der eigenen Verbände, und auch in der Unterstützung der eigenen Verbände mit Informationen.
Prof. Andreas Knopp, Universität der Bundeswehr München
Deutschland will in den nächsten Jahren 35 Milliarden Euro in Weltraumsicherheit investieren – in defensive und offensive Fähigkeiten, so Bundesverteidigungsminister Pistorius.
26.09.2025 | 2:09 minMilliarden für militärische Weltraumstrategie
Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte im vergangenen Jahr angekündigt, alleine das Verteidigungsministerium werde "für den Bereich Weltraum in den nächsten Jahren rund 35 Milliarden Euro investieren". Dabei gehe es vor allem um den Schutz von Satelliten und der dazugehörigen Infrastruktur sowie die Befähigung zu militärischen Weltraumoperationen.
Verteidigungsindustrie als Wirtschaftsmotor in Bremen
Investitionen, die nicht nur in Bremen für Beschäftigung sorgen. Die Branche schaffe im Moment die meisten Arbeitsplätze, sagt Matthias Fonger von der Handelskammer Bremen: "Wir haben in Deutschland weit über 200.000 Beschäftigte in der Verteidigungsindustrie." Allein in Bremen arbeiteten mehr als 8.000 Menschen in diesem Bereich.
Sie stellt im Moment - in der allgemeinen wirtschaftlich schwachen Lage - die Branche dar, die eben Wachstum, die auch noch neue Arbeitsplätze schafft.
Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer Handelskammer Bremen
Die Auftragsbücher des europäischen Raketenbauers sind voll. Mit rund 30 Starts ist die europäische Trägerrakete Ariane 6 auf Jahre fast ausgebucht. Das Unternehmen will künftig seinen Verteidigungsbereich weiter ausbauen.
Im November soll sie wieder abheben: die Ariane 6. Europas Hoffnungsträgerin für unabhängige Raumfahrt startet vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.
22.10.2025 | 4:34 minDie ersten Verträge für den Transport deutscher Militärsatelliten sind bereits unterzeichnet. Und neben Weltraumüberwachung und Logistik im All, wie mit der Raketenstufe ASTRIS, bietet die Firma längst auch ballistische Raketen an. Noch baut sie die aber ausschließlich fürs französische Militär.
Alexander Poel leitet das ZDF-Landesstudio Bremen, David Römhild ist dort Redakteur.
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