Der Krieg der Zukunft:Wie Künstliche Intelligenz das Gefechtsfeld verändert
von Jutta Sonnewald
Im Ukraine-Krieg spielen autonome, KI-gesteuerte Drohnen eine entscheidende Rolle. Noch ist der Mensch in der Entscheidungsschleife. Werden eines Tages Militärroboter übernehmen?
Neues Innovationszentrum in Erding: Die Bundeswehr entwickelt mit Forschern und Startups autonome, KI-gesteuerte Waffensysteme. Ziel ist mehr Schutz für Soldaten – bei wachsender Kritik von Experten.
05.02.2026 | 2:41 minIm bayerischen Erding will sich die Bundeswehr neu erfinden und in Sachen Drohnen und Drohnenabwehr möglichst schnell Fähigkeitslücken schließen. Bei der Einweihung des ersten Innovationszentrums der Truppe auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts mahnt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, dass Deutschland und Europa sich in der Verteidigung unabhängiger machen müssten.
"Wir können nicht automatisch mehr Waffen haben als alle anderen, aber wir könnten sie so ausstatten, dass sie besser und technologisch überlegen sind, dass man es sich drei Mal überlegt, uns zu attackieren," so Pistorius.
Innovation gehört zum Kern glaubwürdiger Abschreckung.
Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister
Bundeswehr-Innovation in Erding
Daher soll in Erding jetzt ein Innovations-Turbo eingelegt werden. Junge deutsche Rüstungs-Startups arbeiten Hand in Hand mit der Bundeswehr, der TU München und Großunternehmen wie Rheinmetall oder Airbus Defence and Space. Gemeinsam entwickeln und testen sie hier unbemannte, autonome Waffensysteme zu Land und in der Luft.
Drohne von Tytan Technologies
Quelle: ZDF/Jutta SonnewaldBei allen hier ansässigen Firmen und in fast allen Bereichen spielt Künstliche Intelligenz eine Rolle: bei der Navigation, für möglichst präzise Lagebilder, bei der Koordination von Drohnenschwärmen und bei der Objekterkennung und Zielbekämpfung.
Im Ukraine-Einsatz: KI-Drohnen aus München
Auch das erst vor zwei Jahren gegründete Münchner Startup Tytan Technologies nutzt Algorithmen, um mit seinen autonomen Abwehrdrohnen gegnerische Drohnen am Himmel aufzuspüren, zu verfolgen und zu zerstören.
Das Rüstungs-Startup Tytan Technologies baut Abwehr-Drohnen, die feindliche Angriffsdrohnen aufspüren und am Himmel zerstören - autonom und KI-gesteuert. Sie werden in der Ukraine eingesetzt.
21.01.2026 | 3:54 minDie sogenannten Interceptor-Drohnen von Tytan Technologies sind bereits in der Ukraine im Einsatz. Der Soldat muss die Drohne nur starten und am Ende das von der KI vorgeschlagene Ziel zum Abschuss freigeben.
"Wir versuchen, dem Menschen die Entscheidung zu erleichtern," so Balász Nagy, CEO und Mitbegründer von Tytan Technologies, "doch am Ende muss der Mensch in der Lage sein, die Entscheidung zu überprüfen und selbst zu treffen".
Weltweites Wettrüsten KI-gesteuerter Waffen
KI-Systeme können riesige Mengen an Aufklärungsdaten aus dem Gefechtsfeld in Millisekunden auswerten und Bedrohungen schneller identifizieren als der Mensch. Zudem ermöglicht KI eine autonome, GPS-unabhängige Navigation, das heißt, die Systeme sind weniger anfällig für sogenanntes "Jamming", also elektronische Störungen der GPS- oder Funkverbindungen.
"Deutschland wird in den kommenden Jahren vor dem Dilemma stehen, praktisch notwendige und ethische Standards bei KI-Waffensystemen zu vereinen", so KI-Expertin Verena Jackson.
05.02.2026 | 5:42 minSchließlich, so argumentieren die Hersteller, könnten autonome oder ferngesteuerte Systeme Soldatinnen und Soldaten im Gefechtsfeld schützen, indem sie die sogenannten 3-D-Missionen ("dull, dirty, dangerous", also "langweilig, schmutzig und gefährlich") übernehmen.
Das globale Wettrüsten um software-getriebene Waffen ist voll im Gange. Menschenrechtsorganisationen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz warnen vor ethischen und moralischen Risiken. Sollten eines Tages voll-autonome Waffensysteme rein auf Basis von Algorithmen ohne menschliche Kontrolle über Leben und Tod entscheiden, wäre das ein Bruch des humanitären Völkerrechts. Denn autonome Systeme können nicht verlässlich zwischen Zivilisten und Kombattanten unterscheiden.
Aufrüstung im Bereich Künstlicher Intelligenz: KI wird auch im Militär immer wichtiger. ZDFheute live mit Prof. Schaal vom Bundeswehr-Thinktank GIDS über Gefahren und Chancen.
18.07.2023 | 41:38 minSchon jetzt seien Soldatinnen und Soldaten überfordert, die in hohem Tempo von Maschinen getroffenen Entscheidungen zu überprüfen, so der KI-Experte Karl Hans Bläsius von der Hochschule Trier:
Durch KI werden die Prozesse auf dem Gefechtsfeld so sehr beschleunigt, dass ein sogenannter 'flash war' entstehen könnte, das heißt, Angriffe und Gegenangriffe laufen so schnell ab, dass der Mensch kaum noch eingreifen kann.
KI-Experte Professor Dr. Karl Bläsius, Hochschule Trier
Da es bisher keine international verbindlichen Regeln für den Einsatz von autonomen, KI-gesteuerten Waffensystemen gibt, stehen Rüstungsstartups, wie die im bayerischen Erding, vor einem Dilemma: Einerseits wollen und sollen sie für Europas Verteidigungsfähigkeit technologische Innovationen vorantreiben.
Drohnen: Erklärvideo zu unterschiedlichen Modellen, ihren Aufgaben und Schwächen.
07.12.2023 | 2:01 minAndererseits müssen sie das politische Vakuum füllen und selbst die ethischen und rechtlichen Risiken abwägen. Denn am Ende wird immer die Frage im Raum stehen: Wer ist bei einem Fehler haftbar? Der Programmierer, der Kommandeur oder die Künstliche Intelligenz?
Jutta Sonnewald berichtet aus dem ZDF-Studio in München.
Drohnen bei der Bundeswehr
Überflüge auch in Deutschland:Was kann die Bundeswehr gegen Drohnen tun?
von Daniel Heymannmit Video1:49heute journal - der Podcast:Unbekannte Drohnen über Deutschland
Video28:49Flugverkehr ausgesetzt:Niederlande: Drohnensichtungen an Flughafen von Eindhoven
mit Video0:19- Interview
Sicherheitsexpertin Claudia Major:Haben Putins Provokationen "nicht wahrhaben wollen"
mit Video6:56