Drohnenabwehr: Wie das Startup Tytan die Bundeswehr schützen soll

Drohnenabwehr aus München:Ein Startup, auf das die Bundeswehr hofft

von Julian Schmidt-Farrent und Jutta Sonnewald, München

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Drohnenabwehr made in Germany: Die Abwehrdrohnen des Münchner Startups Tytan fliegen in der Ukraine und sollen deutsche Kasernen schützen. Was macht sie so besonders?

Abwehr-Drohne des Rüstungs-Startups Tytan-Technologies

Das Rüstungs-Startup Tytan Technologies baut Abwehr-Drohnen, die feindliche Angriffsdrohnen aufspüren und am Himmel zerstören - autonom und KI-gesteuert. Sie werden in der Ukraine eingesetzt.

21.01.2026 | 3:54 min

Die Technik, auf die die Bundeswehr vertraut, sieht aus wie ein überdimensioniertes Kinderspielzeug. Ungefähr einen Meter misst das graue Mini-Flugzeug mit den zwei Propellern und der kleinen Kamera an der Spitze. Durch diese Linse sollen Soldaten feindliche Objekte ausmachen - das heißt, solange die Drohne überhaupt vom Menschen gesteuert wird.

Das Drohnen-Startup Tytan ist jünger als der Krieg in der Ukraine, und doch steckt die Bundeswehr viel Geld in das Projekt frischer Absolventen der TU München. "Für uns geht es wirklich um den Schutz von Europa", sagt Gründer Balázs Nagy. Noch in diesem Jahr soll sein Startup ein Sicherheitskonzept für den Luftraum über Bundeswehranlagen entwickeln.

Eine Drohne fliegt in der Luft.

Berichten zufolge hat das Bundeskriminalamt seit Anfang des Jahres mehr als Tausend Fälle verdächtiger Drohnenflüge erfasst. Besonders Flughäfen seien betroffen.

22.12.2025 | 0:22 min

1.000 verdächtige Drohnenflüge für 2025 registriert

Mehr als 1.000 verdächtige Drohnenflüge hat das BKA im vergangenen Jahr registriert, oft über kritischer Infrastruktur. Am Flughafen München legten Drohnen im Oktober sogar den Flugbetrieb lahm.

Feindliche Drohnenflüge dienten zur Vorbereitung von Spionage oder zur Erstellung von Lagebildern, erklärt Verena Jackson von der Bundeswehr-Universität in München. "Oder im Worst Case zur Vorbereitung auf Angriffe."

 Eine Abfangdrohne der Firma "General Cherry" steht vor dem Flug auf einer Kiste im Polygon in der Ukraine, am 4. Dezember 2025.

Ukrainische Soldaten der 25. Brigade setzen rund 50 Kilometer vor Pokrowsk Drohnen zur Abwehr russischer Angriffe ein. An der Front dauern die Kämpfe auch kurz vor Weihnachten an.

23.12.2025 | 2:39 min

Tytan-Drohnen: So funktionieren die Abwehrdrohnen

Tytans Abwehrdrohnen sollen das künftig verhindern. Andere Drohnenfirmen setzen vor allem auf folgende Technologien:

  • Jamming: Hierbei wird das Signal der gegnerischen Drohne gestört.
  • Spoofing: Die feindliche Drohne wird mit einem falschen GPS-Signal verwirrt.
  • Fangnetze: Die Abwehrdrohne fängt das gegnerische Objekt mit einem Netz.

Der Spezialangriff der Tytan-Flieger? Sie rammen feindliche Drohnen mitten in der Luft. Effektiv, so Expertin Jackson - doch wegen herunterfallender Teile nicht überall einsetzbar. Tytan-Chef Nagy räumt im Gespräch mit ZDFheute ein: Der Einsatz sei immer eine Abwägungssache.

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Erklärvideo zu den Modellen, Aufgaben und Schwächen von Drohnen.

07.12.2023 | 2:01 min

KI: Wie Drohnen autonom fliegen

Tytan hat die Bundeswehr mit zwei Argumenten überzeugt: Preis und Hightech. Die Produktion mit 3D-Druckern soll Kosten senken. Doch das eigentliche Herzstück ist die Künstliche Intelligenz hinter den Drohnen.

Die kleinen Tytan-Flieger schwirren selbstständig durch die Luft, ihre Flugbahn ist das Ergebnis einer Berechnung von Flugmustern: Sie prognostizieren die Route der feindlichen Drohne - und crashen sie mit bis zu 350 Kilometern pro Stunde.

Von der Detektion bis zur Neutralisierung machen wir die komplette Kette autonom.

Balázs Nagy, Gründer von Tytan

Nur für Start, Abschuss und Landung müsse ein Mensch eingreifen, erklärt Tytan-Chef Nagy. So könne ein einzelner Soldat mehrere Drohnen gleichzeitig steuern. Schon heute nutzen ukrainische Soldaten im Krieg die Tytan-Modelle aus München.

Militärexperte Fabian Hinz vor dem Brandenburger Tor.

Können auch Laser gegen Drohnen helfen? Bei ZDFheute Live erklärt Militärexperte Fabian Hinz, welche Rolle die Technik im Krieg spielt.

02.10.2025 | 23:16 min

Drohnen-Krieg: Ständiger Wettlauf in der Ukraine

Und sie lernen, wie der Drohnenkrieg ein neues Tempo vorgibt: Eine Drohne, die heute abgefangen wird, könnte schon morgen mit neuen Tarnmechanismen die Radare umgehen.

Ständig müssten die Hersteller sich anpassen und auf feindliche Entwicklungen reagieren, so Tytan-Chef Nagy. "Das bedeutet auch, dass ein Produkt nie richtig fertig ist." Doch die Flexibilität mache die Drohnen agiler.

Neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei

Bund und Länder verstärken ihre Maßnahmen zur Abwehr von Drohnen. Speziell ausgebildete Kräfte sollen feindliche Drohnen erkennen, abfangen und kritische Infrastruktur schützen.

02.12.2025 | 2:51 min

"Meistens sind wir einen Schritt hinter dem Gegner", erklärt Expertin Jackson von der Bundeswehr-Universität. Auch deshalb etablierten sich immer mehr Startups in der Verteidigungstechnik. Sicher, manche Behörde sei den jungen Firmen mit Misstrauen begegnet. Doch inzwischen sei klar: Die Bundeswehr braucht Tempo und Innovation - vorbei sind die Zeiten der klassischen Kriegsführung.

Über dieses Thema berichtete das ZDF in "WISO: Die lange Nacht der Wirtschaft" am 21.01.2026 ab 00:15 Uhr.

Mehr zu Drohnen

  1. Ein Soldat der Bundeswehr nutzt einen HP 47 Drohnenstörsender während der Militärübung „Roter Sturm Bravo“ von Bundeswehr und zivilen Behörden am 26. 9. 2025 in Hamburg.

    Überflüge auch in Deutschland:Was kann die Bundeswehr gegen Drohnen tun?

    von Daniel Heymann
    mit Video1:49

  2. Marietta Slomka (l.) und Helene Reiner (r.) in "heute journal - der Podcast"

    heute journal - der Podcast:Unbekannte Drohnen über Deutschland

    Video28:49

  3. Der Flugverkehr in Eindhoven wurde nach der Sichtung mehrerer Drohnen eingestellt.

  4. Ein russischer Soldat lässt eine Drohne starten.
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    Sicherheitsexpertin Claudia Major:Haben Putins Provokationen "nicht wahrhaben wollen"

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