Gefesselte Gaza-Aktivisten zu sehen:Israelischer Minister löst mit Videoposting Empörung aus
Der israelische Sicherheitsminister Ben-Gvir hat ein Video gepostet, das seinen harten Umgang mit Gaza-Aktivisten zeigt. Massive Kritik kommt sogar aus der eigenen Regierung.
Der israelische Sicherheitsminister Ben-Gvir hat ein Video gepostet, das seinen harten Umgang mit Gaza-Aktivisten zeigt. Das sorgt international für Kritik.
20.05.2026 | 1:06 minGefangengenommene Aktivisten einer Gaza-Hilfsflotte, gefesselt und auf Knien - diese Bilder in einem vom rechtsextremen israelischen Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir veröffentlichten Video haben eine Welle der Empörung ausgelöst. Länder wie Frankreich, Italien und Spanien äußerten am Mittwoch scharfe Kritik.
Der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, bezeichnete Ben-Gvirs Umgang mit den Gefangengenommenen als "absolut inakzeptabel". Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von dem Video.
Ben-Gvir veröffentlicht umstrittenes Video selbst auf X
In dem auf Ben-Gvirs Profil im Onlinedienst X veröffentlichten Aufnahmen mit dem Titel "Willkommen in Israel" sind unter anderem Dutzende Aktivisten auf dem Deck eines Militärbootes zu sehen, während die israelische Nationalhymne zu hören ist.
Auch der rechtsextreme Minister wird gezeigt, wie er anscheinend vor den knienden Aktivisten eine israelische Flagge schwenkt.
Trotz der Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas verschlechtert sich die Lage in Gaza weiter. Medizinische Produkte werden knapp. Israel erschwert den Zugang.
18.05.2026 | 2:43 minIsrael: Aktivisten-Flotte mit 430 Menschen an Bord
Die Hilfsflotte mit zahlreichen internationalen Aktivisten an Bord war vergangene Woche von der Türkei aus in Richtung Gazastreifen in See gestochen. Bereits zu Beginn dieser Woche wurde sie aber von den israelischen Streitkräften gestoppt.
Nach israelischen Angaben befanden sich 430 Aktivisten an Bord, die nach Israel gebracht werden sollten. Die Organisation Adalah erklärte jedoch, dass einige bereits im Hafen von Aschdod angekommen seien und dort festgehalten würden.
Kritik am Minister auch aus israelischer Regierung
In der israelischen Regierung stieß Ben-Gvirs Video auf Ablehnung. "Die Art und Weise, wie Minister Ben-Gvir mit den Aktivisten der Flotte umgegangen ist, entspricht nicht den Werten und Normen Israels", stellte Regierungschef Netanjahu klar. Israels Außenminister Gideon Saar erklärte mit Blick auf Ben-Gvir:
Sie haben unserem Staat mit dieser schändlichen Darbietung wissentlich Schaden zugefügt - und das nicht zum ersten Mal. (...) Sie sind nicht das Gesicht Israels.
Gideon Saar, Israels Außenminister
Ben-Gvir zeigte sich jedoch alles andere als einsichtig. Er legte in einer Reaktion auf Saars Kritik noch einmal nach: "Es gibt einige in der Regierung, die immer noch nicht begriffen haben, wie man mit Terrorunterstützern umgehen muss." Dabei griff er seinen Kabinettskollegen auch direkt an: "Vom israelischen Außenminister wird erwartet, dass er versteht, dass Israel nicht mehr das Kind ist, das sich alles gefallen lässt."
Nach eigenen Angaben hat Israel bei einem Luftangriff im Gazastreifen den Militärchef der Hamas Al-Haddad ins Visier genommen und getötet. Sieben weitere Menschen starben durch den Angriff.
16.05.2026 | 0:21 minWadephul: "Vollkommen inakzeptabel"
Bundesaußenminister Johann Wadephul bezeichnete das Verhalten Ben-Gvirs als "vollkommen inakzeptabel":
Es widerspricht den Werten, für die Deutschland mit Israel gemeinsam stehen will, fundamental.
Johann Wadephul (CDU), Bundesaußenminister
Er sei seinem israelischen Amtskollegen Gideon Saar dankbar "für die klaren Worte, die er für dieses unsägliche Verhalten gefunden hat". Zuvor hatte bereits der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, ähnliche Worte der Kritik gefunden.
Weltweite Kritik an Ben-Gvirs Videoposting
Auch Italien und Griechenland verurteilten jeweils die Behandlung der Aktivisten. Rom fordere eine Entschuldigung für die Behandlung der Aktivisten und "für die völlige Missachtung der ausdrücklichen Forderungen der italienischen Regierung", sagte Regierungschefin Giorgia Meloni. Spaniens Außenminister José Manuel Albares bezeichnete die Behandlung bei einem Besuch in Berlin als "monströs, schändlich und unmenschlich". Madrid habe den israelischen Geschäftsträger einbestellt.
Auch Frankreich, Kanada und Belgien bestellten den jeweiligen israelischen Botschafter ein. Die irische Außenministerin Helen McEntee zeigte sich "entsetzt und schockiert" über das Video. Das türkische Außenministerium erklärte, Ben-Gvir habe der Welt "erneut die gewalttätige und barbarische Mentalität der Netanjahu-Regierung" offen demonstriert.
Erstmals seit Beginn des Gaza-Krieges vor zweieinhalb Jahren haben im April Kommunalwahlen in den Palästinensergebieten stattgefunden. Im Gazastreifen war es die erste Wahl seit 20 Jahren.
26.04.2026 | 0:22 minBereits zuvor zwei Gaza-Hilfsflotten gestoppt
Ende April hatten israelische Streitkräfte bereits eine Hilfsflotte für den Gazastreifen in internationalen Gewässern vor Griechenland gestoppt. 175 pro-palästinensische Aktivisten gingen auf der griechischen Insel Kreta an Land. Zwei Aktivisten wurden nach Israel gebracht und dort zehn Tage lang festgehalten.
Auch Ende 2025 hatte schon einmal eine Hilfsflotte versucht, in den Gazastreifen zu gelangen. Die Schiffe wurden damals von der israelischen Marine aufgebracht, die Besatzungsmitglieder wurden festgenommen und anschließend ausgewiesen.
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