USA gegen Iran: Steckt hinter dem Kommunikations-Chaos ein Plan?

Interview

Expertin zum Streit um Straße von Hormus:Steckt hinter dem Kommunikations-Chaos ein Plan?

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Trump droht, Iran schweigt - und beide Seiten behaupten, dieselbe Meerenge geschlossen zu haben. Was steckt hinter dem Kommunikations-Chaos vor den Verhandlungen in Pakistan?

US-präsident Donald trump vor einer Landkarte, in der Iran gelb markiert ist.

Die USA wollen die Verhandlungen heute in Islamabad fortsetzen. Ob Iran teilnimmt oder nicht, ist noch unklar. Was heute in Islamabad passiert und ob die Waffenruhe hält - ZDFheute live.

20.04.2026 | 17:41 min

Die Lage vor den Gesprächen zwischen den USA und Iran könnte kaum verworrener sein: Washingtons Verhandlungsteam reist nach Pakistan, doch ob die iranische Seite überhaupt erscheint, ist offen. Am Wochenende beschossen beide Seiten Schiffe in der Straße von Hormus, und US-Präsident Donald Trump wechselt im Stundentakt zwischen Drohungen und Gesprächsangeboten.

Um das Chaos einzuordnen, hat ZDFheute live mit Iran-Expertin Lisa-Marie Geltinger gesprochen. Die Politikwissenschaftlerin forscht an der Universität Regensburg zu den Strategien und der Außenpolitik Irans - und hat dabei stets auch die amerikanische Reaktion im Blick. Ihre zentrale These: Vieles, was wie Chaos wirkt, ist in Wahrheit Kalkül.

Sehen Sie oben das gesamte Interview oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Expertin Geltinger zu der Frage, ...

... wer eigentlich das Sagen hat in der Straße von Hormus?

Sowohl die USA als auch Iran behaupten, die Straße von Hormus gesperrt zu haben. "Das Spiel ist noch nicht ausgespielt", meint Geltinger. Sie sieht in dem Durcheinander keinen Irrtum, sondern Kalkül:

Es geht darum, wer hat tatsächlich die Oberhand über die Straße von Hormus. Und deshalb ist es zunächst mal vielleicht auch eine Verhandlungsmasse, die man versucht zu generieren im Vorfeld der Verhandlungen.

Lisa-Marie Geltinger, Universität Regensburg

Beide Seiten nutzen die Übergriffe demnach bewusst, um mit mehr Druckmitteln in die Gespräche zu gehen, die eigentlich um genau zwei Knackpunkte kreisen: das iranische Nuklearprogramm und die Kontrolle der Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.

Schaltgespräch mit David Sauer und Phoebe Gaa in Washington und Istanbul.

Die erneute Schließung der Straße von Hormus untergrabe Trumps Glaubwürdigkeit, sagt David Sauer in Washington. Iran zögere mögliche Verhandlungen hinaus, so Phoebe Gaa in Istanbul.

18.04.2026 | 2:49 min

... warum das iranische Staatsfernsehen ankündigt, man werde nicht zu den Verhandlungen erscheinen?

Das sei ein bekanntes Muster des Regimes, so Geltinger. Sie sieht darin den Versuch, intern den Machtkampf zwischen Hardlinern und Pragmatikern zu instrumentalisieren: Indem man suggeriert, es sei ein Machtkampf, versuche man die USA zum Einlenken zu bewegen:

Wenn ihr unbedingt wollt, dass die Hardliner nicht noch mehr Macht in Iran bekommen, dann müsst ihr Zugeständnisse machen.

Lisa-Marie Geltinger, Universität Regensburg

Es sei klassisches Druckaufbauen gegenüber Washington. Dass die iranische Delegation am Ende gar nicht erscheint, hält sie für unwahrscheinlich. Es wäre aber für die US-Seite "eine absolute Blamage" und ein "extremer Prestigeverlust".

... welchen Plan Trump mit seinen drastischen Drohungen gegen Iran verfolgt?

Donald Trump hatte gedroht, jede Energieanlage und jede Brücke in Iran zu bombardieren, sollte es nicht zu einer Einigung kommen. Geltinger mahnt zur Vorsicht beim Umgang mit solchen Aussagen. Es sei zwar "natürlich eine unsägliche Rhetorik", aber man müsse fragen, wem sie am Ende tatsächlich nütze.

Man spielt natürlich dem islamischen Regime in die Hände, weil es eine Art von Legitimationsgrund liefert, für das Regime zu sagen, wir sind hier das Opfer und die USA sind die Bösen, die uns hier belagern.

Lisa-Marie Geltinger, Universität Regensburg

Maximale Drohkulisse und gleichzeitige Verhandlungsbereitschaft - das sei das Dilemma der US-Strategie: Je lauter Trump spricht, desto leichter macht er es Teheran, die eigene Bevölkerung zu mobilisieren.

Das Interview führte Alica Jung, zusammengefasst hat es Jan Schneider.

Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem ZDFheutelive im Beitrag "Verhandlungen auf der Kippe?" um 15 Uhr.

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