"Prime Games" in Ramallah: Mit Sport die Hoffnung nicht verlieren

"Prime Games" in Ramallah:Mit Sport die Hoffnung nicht verlieren

von Carsten Thurau, Ramallah

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Mit den "Prime Games" veranstalten junge Palästinenser in Ramallah einen sportlich-fairen Wettkampf. Für den Alltag der Menschen ein wichtiges Zeichen in einer schweren Zeit.

Zwei Mädchen in einer Sporthalle mit Tribüne recken jeweils eine Hantel in die Luft, im Hintergrund sind weitere Menschen sportlich aktiv.

Für junge Menschen im Westjordanland ist das Leben durch den Krieg im Nahen Osten noch einmal härter geworden. Für einen Lichtblick im Alltag sorgt nun ein Sportwettbewerb – die "Prime Games".

25.05.2026 | 1:45 min

Razan Kamal hat alle Hände voll zu tun. Gerade hat ein Sportler mit dem Kreislauf zu tun, sie gibt ihm Wasser und fächert dem jungen Mann, der erschöpft am Boden liegt, Luft zu. Die 39-Jährige ist Organisatorin der "Prime Games" in Ramallah. Es ist ein sportlicher Wettkampf mit jungen Menschen aus dem gesamten Westjordanland, der zum dritten Mal stattfand.

"Wir haben immer mit dem Hindernis zu kämpfen, Menschen einer bestimmten Region zusammenzubringen", erzählt Kamal, "es gibt überall Straßensperren und Abriegelungen. Jedes Mal stoßen wir auf Schwierigkeiten."

Die Gruppe aus Ost-Jerusalem zum Beispiel habe vier Stunden benötigt für einen Weg, der kaum länger als zehn Kilometer ist, sagt die Organisatorin. Aber die Teilnehmenden hätten sehr lange warten müssen an dem Checkpoint von Israels Armee. Alltag im Westjordanland.

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Ein Sportfest für knapp 200 junge Menschen

Razan ist beruflich Projektmanagerin und organisiert internationale Austauschprogramme für palästinensische Jugendliche und junge Erwachsene. Die Idee, dass sich die Jugend im fairen sportlichen Wettbewerb misst, kam ihr gemeinsam mit anderen Organisatoren vor einigen Jahren. Nach Bei Sahour und Jericho ist Ramallah der dritte Austragungsort. Knapp 200 Menschen waren dieses Mal dabei, das war Rekord.

"Prime Games" in Ramallah

Razan Kamal ist Organisatorin der "Prime Games" in Ramallah. Es geht um mehr als Sport, erklärt sie ZDF-Korrespondent Carsten Thurau.

Quelle: ZDF

"Wir möchten, dass sie ihre Energie und ihre Zeit in etwas stecken, das ihren Körper und ihre Zeit positiv beeinflusst, dass sie erreichen, was sie sich vornehmen", sagt Razan Kamal.

Es gibt viele junge Menschen, die viel Energie und Kreativität besitzen, aber leider keine Möglichkeit haben, sich zu zeigen und zu beweisen.

Razan Kamal, Organisatorin der "Prime Games"

Palästinensischer Jugend fehlt die Perspektive

Gerade unter palästinensischen Jugendlichen ist die Frustration groß. Viele sind gut ausgebildet, haben Abitur und studieren, aber es fehlt an Perspektiven. Schätzungen zufolge liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 30 Prozent.

Einen geeigneten Arbeitsplatz in der Heimat zu finden und Karriere zu machen, ist schwierig. Die Bewegungsfreiheit im Land, aber auch international, um etwa bei großen Firmen oder Forschungseinrichtungen zu arbeiten, ist seit Jahren stark eingeschränkt.

Auch deswegen sind Veranstaltungen wie die "Prime Games" so wichtig, findet Razan Kamal: "Die Menschen haben sich für diesen Wettbewerb vorbereitet, sie haben sich gegenseitig kennengelernt und Teams gebildet."

Es ist nicht nur Sport, sondern ein wichtiges humanitäres Ziel für die geistige Gesundheit der Teilnehmer und angesichts der Umstände, unter denen wir leben.

Razan Kamal, Organisatorin der "Prime Games"

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Organisatorin: Jugendliche brauchen wen, der hinter ihnen steht

Grundlage der "Prime Games" sind Disziplinen aus dem sogenannten "CrossFit". Dazu zählen Liegestütze und Kniebeugen, Gewichtheben, Gymnastik und der Einsatz von Medizinbällen. Ausdauer und Kraft stehen im Vordergrund. Jedes Team sammelt Punkte und am Ende gewinnt man gemeinsam - oder nicht. "Es ist ein wunderbares Gefühl", sagt Abdul Rahman Darwish, der das erste Mal dabei war.

Auch die junge Schülerin Ellen Habash spürt den Ehrgeiz in sich: "Es ist eine tolle Erfahrung und wir haben viel Spaß. Hoffentlich erreichen wir den ersten oder zweiten Platz." Die jüngsten Teilnehmenden waren gerade erst zwölf Jahre alt. "Wir möchten diese jungen Menschen unterstützen und fördern," sagt Razan, "sie brauchen Menschen, die hinter ihnen stehen."

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"Sareyyet Ramallah" als Schutzraum für Muslime und Christen

Die Veranstaltung fand in der Sporthalle der Organisation "Sareyyet Ramallah" im Herzen der Altstadt statt. Für die 40.000 Einwohner Ramallahs ist diese NGO mit ihrem vielfältigen Angebot eine Institution. Gegründet vor knapp 100 Jahren als Pfadfinderbewegung, bietet "Sareyyet" Sport wie Basketball und Fußball, Tanz und Theater, soziale und kulturelle Programme und sogar ein Freibad. Die Mitgliedschaft kostet umgerechnet etwa 35 Euro im Jahr und ist für alle Bevölkerungsschichten bezahlbar.

"Die Hauptidee hinter der Gründung im Jahr 1927 war die Entwicklung der Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen", erzählt der Geschäftsführer Khalid Elayyan. "In der Stadt Ramallah, die durch soziale und religiöse Vielfalt geprägt ist und sowohl Muslime als auch Christen vereint, finden Jungen und Mädchen gemeinsam bei uns einen schützenden Raum."

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"Prime Games" schenken Hoffnung

Das ist bis heute so geblieben. Die Einrichtung und mit ihr die "Prime Games" sind ein mutmachendes Zeichen in einem immer schwierigeren Umfeld. In einer Zeit, in der junge Palästinenser vor immer größeren Herausforderungen stehen.

"Sport ist bekannt dafür, Adrenalin freizusetzen, Glücksgefühle zu geben und das Positive zu fördern", sagt Razan Kamal zum Abschluss.

Das ist unser Ziel: Dass die Jugend immer die Hoffnung bewahrt.

Razan Kamal, Organisatorin der "Prime Games"

Carsten Thurau ist Korrespondent im ZDF-Studio in Tel Aviv.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in den heute-Nachrichten am 25.05.2026 ab 19 Uhr.

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