Strack-Zimmermann zu Waffenruhe in Iran: "Trump muss liefern"

Interview

Waffenruhe im Iran-Krieg:Strack-Zimmermann: Trump in USA unter Druck - "Muss liefern"

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Im Iran-Krieg wachsen die Zweifel an einer stabilen Waffenruhe. Laut FDP-Verteidigungspolitikerin Strack-Zimmermann sind die Positionen beider Seiten kaum miteinander vereinbar.

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Sehen Sie hier das komplette Interview mit FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

09.04.2026 | 5:20 min

Nach der Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran blickt die Welt gebannt nach Pakistan. In der Hauptstadt Islamabad sollen in den kommenden Tagen Gespräche über eine mögliche Friedenslösung stattfinden. Schon vor Beginn der Verhandlungen deutet sich an, dass das schwierig wird; viele Fragen sind offen.

Die FDP-Verteidigungspolitikerin und Vorsitzende im Verteidigungsausschuss des EU-Parlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, äußerte im ZDF Zweifel an einer stabilen Waffenruhe.

Sehen Sie das Interview im heute journal update oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagte Strack-Zimmermann...

… zur Feuerpause im Iran-Krieg

Strack-Zimmermann hält die Chancen auf eine stabile Waffenruhe im Iran-Krieg für gering. US-Präsident Donald Trump stehe "derart unter Druck, dass er jetzt etwas liefern muss", so die FDP-Politikerin. Sein Handeln zeige jedoch kein echtes Interesse an der Lage der Menschen in Iran.

Trump reagiere vielmehr auf den Druck, dem er sich innerhalb der Vereinigten Staaten ausgesetzt sehe. "Insofern muss er liefern", so die FDP-Politikerin. Wie es nach Ablauf der zweiwöchigen Frist weitergehen werde, bleibe abzuwarten.

Rettungskräfte und Anwohner versammeln sich am 8. April 2026 am Ort eines israelischen Luftangriffs im Beiruter Stadtteil Tallet al-Khayyat.

Wie lange die Waffenruhe im Nahen Osten hält und wo sie überhaupt gilt, bleibt unklar. Israel hat massive Luftangriffe auf den Libanon geflogen, Iran droht mit einer harten Antwort.

09.04.2026 | 1:38 min

… zu den Verhandlungspositionen der USA und Irans

Eine Einigung zwischen den USA und Iran erscheine schwierig, da die Positionen beider Seiten "maximal weit auseinander" liegen - inhaltlich und sprachlich. Die englischen und Farsi-Versionen der Vorschläge weichen laut Strack-Zimmermann voneinander ab.

Denn die englische Frage beziehungsweise die Sätze, die auf Englisch kommen, sind nicht die, die auf Farsi kommen.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, EU-Verteidigungspolitikerin

Während Trump mit 15 Punkten über Pakistan verhandelt habe, seien diese "offensichtlich vom Tisch". Iran habe mit zehn Punkten nachgelegt, doch in der Farsi-Version fehle jede Erwähnung der zentralen US-Forderung nach einem Stopp der Urananreicherung.

Die ZDF-Korrespondenten Phoebe Gaa, Elmar Theveßen und Thomes Reichart.

Während der Feuerpause wollen Iran und die USA über ein Ende des Krieges verhandeln. Die ZDF-Korrespondenten Phoebe Gaa, Elmar Theveßen und Thomas Reichart ordnen die aktuellen Entwicklungen ein.

08.04.2026 | 3:34 min

Strittig ist auch die Straße von Hormus: Iran wolle Geld für die Durchfahrt verlangen - das sei "ziemlich bemerkenswert". Bei einem offenen Seeweg wie der Straße von Hormus könne sie sich nicht vorstellen, dass "die Vereinigten Staaten oder die Israelis oder andere das einfach so hinnehmen würden", so Strack-Zimmermann.

Sie verweist auf ähnliche Probleme im Roten Meer mit den Huthis und warnt mit Blick auf die Seestraße von Taiwan: Wenn "plötzlich die Chinesen anfangen, auch die Hand aufzuhalten, dann haben wir ein riesiges Problem". Die freie Seefahrt "ist die Basis für den freien Handel und von dem leben wir alle".

Eine Händlerin schaut im Handelssaal an der Börse auf ihre Bildschirme.

Die Märkte haben auf die vereinbarte Waffenruhe reagiert: Die Börsenkurse stiegen, der Ölpreis fiel. An den Tankstellen ist davon aber noch wenig zu spüren.

08.04.2026 | 1:47 min

… zur Rolle Europas bei der Sicherung der freien Schifffahrt

Europa und Deutschland spielen laut Strack-Zimmermann bei der Sicherung der freien Schifffahrt "keine wirkliche Rolle". Trump habe zwar auf ein Eingreifen der Europäer gedrängt - dies jedoch ohne vorherige Abstimmung und ohne respektvollen Umgang mit den Verbündeten.

Die praktischen Möglichkeiten seien ohnehin begrenzt. Eine Befreiung der Straße von Hormus würde "Bodentruppen" und "ganz anderes Gerät" erfordern, das die Europäer "nachvollziehbar" nicht bereit seien zu liefern. Deutsche Fregatten seien im Nordatlantik und in der Ostsee gebunden - mit Blick auf Russland und den Angriff auf die Ukraine konzentriere man sich auf "was ganz anderes".

satellitenfoto der strasse von hormus

Die Straße von Hormus bleibt zunächst unter Irans Kontrolle, soll aber wieder passierbar werden. Europäische Länder wollen die Meerenge jetzt militärisch sichern.

08.04.2026 | 3:32 min

Auch die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz, Deutschland werde in geeigneter Weise zur Sicherung der Schifffahrt beitragen, sieht Strack-Zimmermann kritisch und spricht von "heißer Luft".

Es wird irgendwas gesagt, irgendwas versprochen, damit man irgendwie im Gespräch bleibt.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, EU-Verteidigungspolitikerin

Doch "unterm Strich" bleibe nichts Substanzielles.

ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese

Die Bundesregierung fordert ein schnelles Ende des Iran-Kriegs. Heute hat Bundeskanzler Merz mit US-Präsident Trump telefoniert. ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese berichtet.

08.04.2026 | 1:17 min

... zum Verhältnis zwischen USA und Nato

Das transatlantische Verhältnis ist durch den Iran-Krieg erheblich belastet. Trump hatte angekündigt, die Nato-Mitgliedschaft der USA überdenken zu wollen. Strack-Zimmermann zufolge ist der Präsident "stinksauer" und drohe mit dem Austritt der Nato.

Gleichzeitig sei das US-Militär für Aktivitäten im Nahen und Mittleren Osten auf europäische Basen angewiesen - in Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland. Bei einem Austritt würde den USA Europa als Basis wegbrechen, so Strack-Zimmermann. Zwar halte sie diesen Schritt für unwahrscheinlich, aber:

Bei Präsident Trump weiß man nie, was kommt. Wir wissen auch nicht, was in einer Stunde kommt oder morgen früh.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, EU-Verteidigungspolitikerin

US-Präsident Donald Trump spricht im James Brady Press Briefing Room im Weißen Haus.

Nach dem Treffen mit Nato-Generalsekretär Rutte im Weißen Haus hat US-Präsident Trump seine scharfe Kritik am Bündnis wiederholt. Die Nato habe den USA in entscheidenden Momenten nicht geholfen.

09.04.2026 | 0:26 min

Das Interview führte Christoph Wiesel-Lancé, zusammengefasst hat es Finia Zoé Dienst.

Über dieses Thema berichtete das ZDF heute journal update am 09.04.2026 um 00:50 Uhr.

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