Nach Israels Angriffen im Libanon:Feuerpause im Iran-Krieg steht auf der Kippe
Nach Israels massiven Angriffen im Libanon verschärft sich der Konflikt: Iran erwägt ein Ende der Waffenruhe. UN-Chef Guterres forderte Israel auf, die Attacken zu stoppen.
Wie lange die Waffenruhe im Nahen Osten hält und wo sie überhaupt gilt, bleibt unklar. Israel hat massive Luftangriffe auf den Libanon geflogen, Iran droht mit einer harten Antwort.
09.04.2026 | 1:38 minMassive israelische Angriffe auf Ziele im Libanon mit mehr als 200 Toten, neuer Beschuss aus Iran auf Länder in der Region und ein erneuter Stopp der Schifffahrt in der Straße von Hormus könnten die zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg gefährden.
Iran erwägt nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars, wegen der heftigen israelischen Angriffe im Libanon die mit den USA ausgehandelte Feuerpause zu beenden. Aus Protest stoppte Teheran demnach auch den Schiffsverkehr durch die zentrale Meerenge und verstieß damit gegen die Vereinbarungen zur Waffenruhe.
„Die Straße von Hormus ist der entscheidende Faktor“, sagt Nahost-Experte Daniel Gerlach. Iran werde versuchen, aus der wirtschaftlichen Situation „maximales Kapital zu schlagen“.
08.04.2026 | 5:46 minIsrael: Größter koordinierter Angriff gegen Hisbollah
Die israelische Armee erklärte, die Militäraktion im Libanon sei der "größte koordinierte Angriff" auf Hisbollah-Infrastruktur seit dem Wiederaufflammen des Konflikts Anfang März. Das libanesische Gesundheitsministerium teilte mit, bei dem Angriff seien mindestens 200 Menschen getötet und mehr als 1.000 weitere verletzt worden. Das Land hält am Donnerstag einen nationalen Trauertag ab.
Bomber der US Air Force waren schon in der Luft, als US-Präsident Trump sie kurz vor Ablauf des Ultimatums stoppte. Unklar bleibt, was die Waffenruhe mit dem Iran konkret heißt.
08.04.2026 | 3:10 minDie pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon feuerte nach den Angriffen eigenen Angaben zufolge Raketen auf Israel ab. "Als Reaktion auf die Verletzung des Waffenruhe-Abkommens durch den Feind" sei am frühen Donnerstagmorgen der israelische Kibbuz Manara nahe der Grenze zum Libanon "mit einem Raketenhagel" ins Visier genommen worden, teilte die Miliz mit.
UN-Chef: Israels Vorgehen im Libanon gefährdet Waffenruhe
Iran und Pakistan sehen in den Angriffen einen Bruch der Feuerpause, die ihrer Ansicht nach auch für den Libanon gilt. Israels Premier Benjamin Netanjahu wies das zurück und betonte, der Waffenstillstand betreffe nur den Konflikt zwischen den USA und Iran. Israel wirft Teheran vor, seine Angriffe trotz Feuerpause fortgesetzt zu haben.
Israel stimmt der vereinbarten Feuerpause mit Iran zu, geht aber im Libanon weiter mit Angriffen gegen die Hisbollah-Miliz vor.
08.04.2026 | 2:43 minUN-Generalsekretär António Guterres hat das Vorgehen im Libanon scharf kritisiert. Er "verurteilt entschieden die massiven Angriffe", teilte sein Sprecher auf der Plattform X mit. Dabei seien "Hunderte Zivilisten, darunter auch Kinder, getötet und verletzt" sowie zivile Infrastruktur beschädigt worden, hieß es weiter. Zudem gefährdeten die Angriffe die Waffenruhe zwischen den USA und Iran. Guterres unterstrich demnach seinen Aufruf an alle Kriegsparteien, "die Kampfhandlungen unverzüglich einzustellen".
Iran und die USA haben eine vorübergehende Waffenruhe vereinbart. Die ZDF-Korrespondenten Phoebe Gaa, Elmar Theveßen und Thomas Reichart erläutern die Hintergründe.
08.04.2026 | 4:09 minAuch europäische Regierungen forderten Israel auf, die massiven Angriffe auf den Libanon zu beenden. Sowohl Spanien, Großbritannien, Frankreich als auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas mahnten am Donnerstag, die Waffenruhe auch auf den Libanon zu übertragen.
Streitpunkt Straße von Hormus
Insbesondere nach neuen Angaben aus Iran herrschte Unklarheit, ab wann und unter welchen Bedingungen die Straße von Hormus wieder passierbar wird. Der Schiffsverkehr unterliege nach wie vor "technischen Beschränkungen und der Abstimmung mit den iranischen Streitkräften", hieß es aus Teheran.
Nach übereinstimmenden Berichten, unter anderem des Fachmediums "Lloyd's List", hat Iran in der Straße von Hormus eine Art Mautstellen-System eingeführt. Dabei müssten Schiffe Unterlagen vorlegen, Freigabecodes einholen und eine von den Revolutionsgarden begleitete Durchfahrt durch einen einzigen kontrollierten Korridor akzeptieren.
Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars passierten nur zwei Öltanker die Straße von Hormus, bevor der Schiffsverkehr aus Protest gegen die israelischen Angriffe im Libanon wieder eingestellt wurde.
Trotz verkündeter Feuerpause im Iran-Krieg bleibt die Lage angespannt: Teheran meldet eine erneute Sperrung der Straße von Hormus und warnt Schiffe vor der Durchfahrt.
09.04.2026 | 0:22 minGrundlage für weitere Gespräche: Zehn-Punkte-Plan
Kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump hatten sich die Kriegsparteien auf einen von Teheran vorgelegten Zehn-Punkte-Plan geeinigt. Er soll die Grundlage für Friedensgespräche in Pakistans Hauptstadt Islamabad bilden, die in den kommenden Tagen stattfinden sollen.
ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen spricht jedoch von "einer Menge Verwirrung", zu der vor allem der US-Präsident selbst beigetragen habe. Trump habe die zweiwöchige Waffenruhe verkündet und den iranischen Vorschlag als brauchbare Verhandlungsgrundlage bezeichnet, obwohl dieser in weiten Teilen den zuvor formulierten amerikanischen Kriegszielen widerspreche, erklärt der Leiter des ZDF-Studios in Washington.
Das Verrückte an der Geschichte ist, dass diese zehn Punkte diametral den Zielen widersprechen, die in den letzten Wochen ausgegeben worden sind.
Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington D.C.
Offiziell ist der Plan bislang nicht veröffentlicht. Laut iranischen Medien sieht er vor, die Straße von Hormus zu öffnen, während Iran die Kontrolle behält und weiter Uran anreichern darf. Zudem fordert Teheran die Aufhebung internationaler Sanktionen und erklärt, keine Atomwaffen herstellen zu wollen. Über eine Begrenzung der Urananreicherung soll erst noch verhandelt werden.
Die Grundlage der Gespräche sei der 10-Punkte-Plan der Iraner, sagt Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler. Die USA müssten nun die Maximalforderungen der Iraner herunterhandeln.
08.04.2026 | 10:32 minIsrael war nicht an den Verhandlungen beteiligt, unterstützt laut Netanjahu aber Trumps Entscheidung für die Feuerpause. Voraussetzung sei, dass Iran die Straße von Hormus öffnet und seine Angriffe einstellt. Zudem pocht Israel darauf, dass Irans Atom- und Raketenprogramm keine Bedrohung darstellt.
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