Feuerpause im Iran-Krieg: Opposition ist "größte Verliererin"

Interview

Einigung mit USA auf Feuerpause:Opposition in Iran ist "größte Verliererin"

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Während das Regime in Teheran die Waffenruhe als seinen Sieg feiert, bleibt die Opposition geschwächt zurück. Für viele Menschen in Iran könnte das ernste Folgen haben.

Nah-Ost Experte Hans-Jakob Schindler per Videocall zugeschaltet aus seinem Wohnzimmer; links hinten ist eine Couch zu sehen und rechts an einer Wand ein Gemälde

Die Grundlage der Gespräche sei der 10-Punkte-Plan der Iraner, sagt Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler. Die USA müssten nun die Maximalforderungen der Iraner herunterhandeln.

08.04.2026 | 10:32 min

Mit der "Auslöschung einer ganzen Zivilisation" hatte US-Präsident Donald Trump Iran angedroht - dazu ist es nicht gekommen. Für zwei Wochen sollen die Waffen nun schweigen, Iran will die Straße von Hormus wieder öffnen und in Pakistan sollen USA und Iran am Freitag zu Verhandlungen zusammenkommen.

Blick auf eine Brücke in Karadsch, die am 2. April 2026 von US-Luftangriffen getroffen wurde.

Brücke in Karadsch, die am 2. April 2026 von US-Luftangriffen getroffen wurde.

Quelle: dpa

Beide Seiten verkaufen das als Erfolg - Trump spricht gar von einem "totalen" Sieg. Dabei gerate allerdings eine bedeutende Perspektive aus dem Blick, sagt Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler bei ZDFheute live. Gemeint sind all jene Iranerinnen und Iraner, die auf einen Regimewechsel gehofft haben - und nun die Rache der Revolutionsgarden fürchten müssen.

Sehen Sie oben das Interview in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen:

Das sagt Hans-Jakob Schindler bei ZDFheute live zu folgenden Fragen:

Warum sieht sich das iranische Regime als Sieger?

"Das Regime hat überlebt", sagt Schindler - und damit habe es sein Ziel erreicht. Es könne nun mit Recht behaupten, den größten Angriff in der Geschichte des Landes überstanden zu haben. So könne es sich als Sieger inszenieren.

Dem Regime komme außerdem der Zeitpunkt der Einigung zugute. Denn sollte die Waffenruhe tatsächlich zwei Wochen halten, würde das die Zeit bis zu den Zwischenwahlen in den USA Anfang November und zur Parlamentswahl in Israel Ende Oktober stark verkürzen. "Es ist eigentlich politisch unmöglich, dass die USA oder Israel die Kampfhandlungen dann wieder aufnehmen", sagt Schindler.

US-Präsident Donald Trump und Irans oberster Führer Chamenei vor einer Landeskarte auf der der Iran farblich hervorgehoben ist.

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08.04.2026 | 34:10 min

Auch inhaltlich konnte die iranische Führung vorpreschen und die Grundlage der Verhandlungen vorgeben, meint Schindler: In den Zehn-Punkte-Plan habe Teheran "Maximalforderungen" wie das Recht auf Uran-Anreicherung und Durchfahrt-Gebühren für die Straße von Hormus hineingeschrieben. Dies müssten die USA erst einmal "herunterhandeln".

Was bedeutet die Einigung für die Opposition?

Die iranische Opposition ist nach Schindlers Ansicht die "größte Verliererin" der aktuellen Situation. Zwar habe sie "maximale Unterstützung" in der Bevölkerung, denn "die Mehrheit des Volkes lehnt das Regime ab". Doch das Regime bestehe fort, nur die Führungspersonen seien ausgetauscht worden.

Schindler sieht die Macht nun nicht mehr bei der religiösen Führung in Iran. Während Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Religionsführers Chamenei, in den vergangenen Wochen stumm geblieben sei, hätten die Revolutionsgarden die Macht in Iran übernommen.

Die ZDF-Korrespondenten Phoebe Gaa, Elmar Theveßen und Thomes Reichart.

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Wie geht es für Regime-Kritiker jetzt weiter?

"Das Regime beginnt jetzt schon mit Drohungen", sagt Schindler. Die Rache an der eigenen Bevölkerung wurde demnach bereits im Staatsfernsehen angekündigt. Wann immer der Konflikt beendet sei, werde man "Rache nehmen an denen, die illoyal waren", gibt Schindler die Drohung wieder. Dabei gehe es nicht nur um Iranerinnen und Iraner im Land, sondern auch um jene im Ausland.

Schindler verwies auf Bestrebungen der iranischen Justiz, "Hinrichtungen zu beschleunigen". Am Dienstag hatte Gholam Hossein Mohseni Ejei, der Chef der iranischen Justiz, die Gerichte im Land aufgerufen, schneller Todesstrafen im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die USA und Israel zu verhängen.

Das Interview bei ZDFheute live führte Christian Hoch, zusammengefasst hat es Malena Menke.

... ist Nahost-Experte und "Senior Director" beim "Counter Extremism Project". Er arbeitete unter anderem in der Forschung und für den UN-Sicherheitsrat im Bereich Terrorismusüberwachung. Schindler schrieb seine Doktorarbeit über internationalen Terrorismus an der schottischen Universität in St. Andrews. 


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