Waffenruhe in Nahost: Warum die Spritpreise trotzdem hoch bleiben

FAQ

Öffnung der Straße von Hormus:Warum die Spritpreise trotz Waffenruhe nicht sofort fallen

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Die Waffenruhe zwischen den USA und Iran sieht auch die Öffnung der Straße von Hormus vor. Die Spritpreise werden nach der Einschätzung von Experten aber weiterhin hoch bleiben.

Spritpreise nach 12 Uhr an einer Tankstelle in Berlin.

Taxifahrer, Landwirte und Pfleger im ambulanten Dienst werden von steigenden Tankkosten bei gleichbleibenden Einnahmen bedroht.

08.04.2026 | 2:18 min

Nach der Einigung auf eine Feuerpause im Iran-Krieg sind Hoffnungen auf sofortige Preissenkungen an den deutschen Tankstellen enttäuscht worden. Am Mittag stiegen die Diesel- und Benzinpreise erneut um gut fünf und knapp sechs Cent, wie der ADAC mitteilte. Die schwarz-rote Koalition warnte vor überzogenen Erwartungen schnell sinkender Spritpreise infolge der Öffnung der Seestraße von Hormus:

Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus braucht Zeit und führt nicht schnell unmittelbar zurück zum Status aus dem Februar.

Sebastian Hille, stellvertretender Regierungssprecher

Es sei Realismus in mehrfacher Hinsicht geboten, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in der Bundespressekonferenz in Berlin. "Es wird Zeit in Anspruch nehmen, bis die Schifffahrt wieder das Vorkriegsniveau erreicht und das Angebot am Weltmarkt stabilisiert ist." Zudem sei der Waffenstillstandsprozess mit großen Unsicherheiten behaftet.

Wir sind noch weit von einem Abkommen entfernt und erhebliche Rückschläge sind jederzeit möglich.

Sebastian Hille, stellvertretender Regierungssprecher

Eine Händlerin schaut im Handelssaal an der Börse auf ihre Bildschirme.

Die Märkte haben auf die vereinbarte Waffenruhe reagiert: Die Börsenkurse stiegen, der Ölpreis fiel. An den Tankstellen ist davon aber noch wenig zu spüren.

08.04.2026 | 1:47 min

Welchen Einfluss hat die Öffnung der Straße von Hormus?

Als Bestandteil der Waffenruhe am Golf haben die USA und Iran auch eine Öffnung der Straße von Hormus vereinbart. Nach Einschätzung von Wirtschaftswissenschaftlerin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist das "auf jeden Fall eine Atempause". Die Lage bleibe aber volatil. "Wir wissen nicht, wie der Plan wirklich aussieht."

Deswegen würde ich unterm Strich sagen, es ist jetzt erst mal eine Atempause, aber auch nicht mehr und nicht weniger.

Samina Sultan, Wirtschaftswissenschaftlerin

Gebe es eine merkliche Entspannung der Lage am Persischen Golf, könnten auch die Preise an den Zapfsäulen in den nächsten Wochen wieder sinken, so Sultan.

Wir haben ja den Preisanstieg relativ schnell nach der Kriegssituation erlebt. Es wird aus meiner Sicht schon ein bisschen länger dauern, bis wir dann auch die Preissenkung spüren.

Samina Sultan, Wirtschaftswissenschaftlerin

Spritpreis

ZDFheute Infografik

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Nun werde viel davon abhängen, ob die Straße von Hormus wirklich "vollständig geöffnet ist für den Schiffsverkehr für die Öltanker", erklärt der Commerzbank-Rohstoffanalyst Carsten Fritsch.

Sollte sich die Lage wieder zuspitzen und die Schifffahrt durch die Straße von Hormus doch nicht oder nur eingeschränkt möglich sein, dann wäre mit einem erneuten Preisanstieg zu rechnen.

Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank

Durch die Straße von Hormus zwischen Iran und dem Oman führt eine wichtige Route für den globalen Öl- und Gashandel. Die Blockade des Seeverkehrs dort durch Iran hat weltweit zu Preissprüngen geführt.

Die Karte zeigt die Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen Oman, den VAE und Iran. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und verflüssigten Gases (LNG) muss durch die Straße von Hormus.

Welcher Preis ist für die Tankstellen entscheidend?

Der Mineralölwirtschaftsverband in Deutschland hofft nach der Vereinbarung einer Waffenruhe auf eine Entspannung bei den Energiepreisen. Entscheidend für die Tankstellenpreise sei aber nicht der Rohölpreis, erklärte der Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Ausschlaggebend seien die an den Börsen gehandelten Preise für Kraftstoffe wie Benzin und Diesel. Diese richteten sich nach der Angebots- und Nachfragesituation auf dem Weltmarkt.

Deutsche Börse

Nach der von US-Präsident Trump und dem Iran verkündeten Waffenruhe keimt die Hoffnung auf Frieden.

08.04.2026 | 2:02 min

Es bleibe abzuwarten, wie die Märkte auf die veränderte Lage reagierten. Dies hänge auch vom Ausmaß der Zerstörung von Infrastruktur in den betroffenen Gebieten ab. "Wir hoffen auf eine rasche Entspannung", teilte der Verband mit. "Preisprognosen nehmen wir nicht vor."

Entwicklung des Ölpreises

ZDFheute Infografik

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Wann stabilisiert sich die Schifffahrt wieder?

Die Bundesregierung wies darauf hin, dass ein Tanker von der Meerenge von Hormus nach Europa drei bis sechs Wochen braucht. Es werde also eine Zeit dauern, bis die Ladung verfügbar sei. "Dementsprechend wird es auch dauern, bis deutliche Preissenkungen bei uns ankommen", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille. Hinzu komme, dass die Transportkosten absehbar erhöht blieben, etwa wegen höherer Versicherungsprämien.

Eine Normalisierung der Lage werde einige Wochen in Anspruch nehmen, schätzt IW-Expertin Sultan. "Wir haben Schiffsstauungen, wir haben auch Angriffe auf Förderanlagen gehabt."

Insofern wird es nicht so sein, dass es von heute auf morgen einfach wieder zur Normalität zurückkehren werden, sondern es wird auf jeden Fall Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis das Ganze sich wieder normalisiert hat.

Samina Sultan, Wirtschaftswissenschaftlerin

ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett

Die jüngsten Entwicklungen im Iran-Krieg haben auch einen Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett berichtet über die Reaktionen auf die aktuelle Wendung.

08.04.2026 | 1:09 min

In welchem Zustand sind die Energieanlagen am Persischen Golf?

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, begrüßte die Ankündigung einer Waffenruhe und hofft nach eigenen Worten auf eine Öffnung der Straße von Hormus bis Ende April. "Je länger sie geschlossen bleibt, desto schmerzhafter wird es und desto schwieriger wird die Rückkehr zum Vorkriegszustand", sagt Birol im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Viele Energieinfrastrukturen sind beschädigt - das braucht Zeit.

Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur

Mit Blick auf die Energieversorgung sagte Birol: "Wir werden die Folgen viele Monate spüren, wenn nicht Jahre." Bereits Ende März hatte etwa der staatliche Konzern QatarEnergy infolge iranischer Luftangriffe schwere Beschädigungen an der Gasinfrastruktur Katars gemeldet. Die Reparatur der Anlagen werde drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen.

Quelle: AFP, ZDF, Reuters, dpa
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 08.04.2026 ab 12 Uhr.
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