Öffnung der Straße von Hormus:Werden Flüge wieder billiger?
von Wolf-Christian Ulrich, London
Nach dem Waffenstillstand an der Straße von Hormus: Europas Luftfahrtindustrie atmet vorerst auf. Aber bedeutet das auch billigere Flugtickets für die Sommerferien?
Höchstpreise bei Kerosin und Sprit durch die Blockade des Seewegs zeigen Europas Energieabhängigkeit. Auch nach Freigabe der Meerenge könnten die Kosten hoch bleiben, Raffinerien sind beschädigt.
08.04.2026 | 2:05 minKerosin ist immer noch ein wertvolles Gut an europäischen Flughäfen. Auch wenn die Straße von Hormus im Rahmen der Verhandlungen wieder passierbar werden soll: Für die Luftfahrtindustrie ist die Öl-Krise längst nicht ausgestanden, sagte der Generaldirektor der internationalen Luftfahrtorganisation IATA, Willie Walsh. Er rechne zwar mit einem Rückgang der Rohölpreise, aber
selbst wenn die Raffinerien wieder öffnen und geöffnet bleiben würden, wird es meiner Meinung nach noch Monate dauern, bis die Versorgungslage wieder das erforderliche Niveau erreicht.
Willie Walsh, IATA-Generaldirektor
Die stark gestiegenen Ölpreise verteuern auch Kerosin. Da der Treibstoff knapp ist, rechnen Airlines mit höheren Kosten – diese dürften sich in steigenden Flugticketpreisen bemerkbar machen.
09.04.2026 | 1:47 minKerosinlieferungen gefährdet durch Lieferengpässe
Eigentlich passieren 130 Tanker täglich die Straße von Hormus. Während der iranischen Blockade waren es nur fünf bis sechs. Öl ist deshalb knapp und teuer. Und damit auch die Kosten für Kerosin. Manche italienischen Flughäfen hatten Kerosin gar rationiert. Der Chef von Europas größter Fluglinie Ryanair, Michael O’Leary, schlug deshalb Alarm: "Wenn der Krieg weitergeht und damit auch die Lieferengpässe, dann sind im Mai und Juni bis zu 25 Prozent der Kerosinlieferungen gefährdet."
Der Krieg in Nahost hat deutliche Auswirkungen auf die Energie- und Treibstoffpreise in Europa. Wie gehen Italien, Österreich und Großbritannien damit um?
23.03.2026 | 3:26 minAsien sei von der Kerosin-Krise derzeit am meisten betroffen, so Luftfahrtexperte Simon Calder zu ZDFheute. Europas Flughäfen dagegen beziehen den größten Teil ihres Treibstoffs aus den USA, Europa und Nordafrika. Und die Fluggesellschaften haben die Preise für Kerosin zu großen Teilen auch langfristig mit Verträgen abgesichert. Dennoch drückten der Ölpreis, zusätzliche Kosten für Umwege um Krisengebiete und Flugstreichungen in den Nahen Osten aufs Geschäft. Und die Krise sei trotz des Waffenstillstands nicht vorbei, so Simon Calder:
Ich befürchte, dass sich die Lage zunächst verschlimmert, bevor sie sich bessert.
Simon Calder, Luftfahrt-Experte
Calder sagt: "Es herrscht weiterhin erheblicher Kerosin-Mangel in ganz Europa und insbesondere in Asien. Und es gibt Schiffe, die noch nicht in den Golf einlaufen".
Ryanair-Chef Michael O‘Leary lehnt Elon Musks Starlink-Technik in seinen Flugzeugen ab und nennt ihn einen "Idioten". Musk fordert die Entlassung von O’Leary und droht, Ryanair zu kaufen.
20.01.2026 | 0:23 min"Größte Disruption für den Luftverkehr seit Corona"
Jens Bischof, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, sagte der Zeitung "Welt": "Wir erleben die größte Disruption für den Luftverkehr seit Corona mit erheblichen Auswirkungen auf Kosten, Kapazitäten, Routenführung und Wettbewerbssituation der Airlines. Gleichzeitig ist der Krieg ein Weckruf: Europa darf sich nicht abhängig machen von Drehkreuzen in einer Region, die zunehmend geopolitischen Spannungen ausgesetzt ist."
Airlines müssten jetzt prüfen, welche Flugbenzinsorten trotz der Infrastrukturausfälle verfügbar sind und so viel wie möglich beschaffen, so Simon Calder.
Daher denke ich, dass wir mit einer Rückkehr zur Normalität erst im Juni, möglicherweise sogar im Juli, rechnen können.
Simon Calder, Luftfahrt-Experte
Berling plant, den Flugverkehr zukünftig wieder attraktiver zu machen. Durch die gesenkte Luftverkehrssteuer sparen Airlines, diese sollen die Ersparnisse wiederum an die Reisenden weitergeben.
01.04.2026 | 0:30 minErleichterung in Luftfahrtindustrie
Die Nachricht vom Waffenstillstand und der Öffnung der Straße von Hormus sorgte am Donnerstag dennoch erst einmal für Erleichterung in Europas Luftfahrtindustrie: So stiegen die Aktien der großen europäischen Fluggesellschaften am Morgen um rund zehn Prozent.
Die Ticketpreise allerdings werden wohl so schnell nicht sinken, prophezeien Experten. Wer den Flieger für den Sommer noch nicht gebucht hat, sollte das so schnell wie möglich tun, so Luftfahrtexperte Simon Calder zu ZDFheute.
In der schwächsten Position sind diejenigen, die noch nicht gebucht haben, aber unbedingt nach etwa Griechenland oder Portugal wollen. Die könnten erleben, dass es keine Sitze mehr gibt oder sie unglaublich teuer sind.
Simon Calder, Luftfahrt-Experte
Wer mit Golf-Airlines auf die Südhalbkugel möchte, könnte allerdings im kommenden Winter gute Angebote bekommen: "Die werden verzweifelt zurück in den Markt drängen: Sie werden die Preise senken und man wird da Schnäppchen ergattern."
Wolf-Christian Ulrich ist Korrespondent für das Vereinigte Königreich und Irland.
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