Hamburger Reederei Hapag-Lloyd:Reederei zu Hormus: 150 Crewmitglieder stecken fest
Sechs Schiffe von Hapag-Lloyd sitzen im Persischen Golf fest. Die blockierte Straße von Hormus belastet Crews und Lieferketten. Der Reederei entstehen hohe Kosten.
In der Straße von Hormus sitzen immer noch Schiffe der deutschen Reederei Hapag-Lloyd fest. Für die Crews sei das traumatisch, sagt Sprecher Nils Haupt bei ZDFheute live.
08.04.2026 | 9:13 minDie Meerenge Hormus im Persischen Golf bleibt unsicher, Hoffnungen auf Entspannung zerschlagen sich immer wieder. Für Reedereien und Schiffcrews hat das gravierende Folgen. Nils Haupt, Kommunikationsleiter der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, beschreibt die Lage und die Risiken für seine Branche.
...ist Leiter der Kommunikationsabteilung von Hapag-Lloyd.
Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg ist mit über 300 Containerschiffen die größte Reederei Deutschlands und die Nummer fünf weltweit. Hapag-Lloyd ist unmittelbar vom Iran-Krieg betroffen, da das iranische Regime die strategisch wichtige Schifffahrtstraße von Hormus kontrolliert. Sechs Schiffe der Reederei stecken derzeit im Persischen Golf fest.
Im Jahr 2025 erzielte die Reederei einen Gewinn von 924 Millionen Euro, nachdem bereits zuvor sinkende Frachtraten und gestiegene Kosten das Geschäft erschwerten.
Sehen Sie das Gespräch oben im Video in voller Länge und lesen Sie es hier in Auszügen. Im Interview mit ZDFheute live spricht Haupt über ...
…steigende Kosten aufgrund der Blockade:
"Der wirtschaftliche Schaden ist natürlich enorm, nicht nur bei uns, sondern bei allen Schifffahrtslinien", sagt Hapag-Lloyd-Sprecher Nils Haupt. Allein gestiegene Treibstoffpreise verursachten nach seinen Angaben wöchentliche Zusatzkosten in dreistelliger Millionenhöhe.
Hinzu kämen stark gestiegene Versicherungsprämien: "Was wir vor dem Krieg für ein Jahr bezahlt haben, zahlen wir jetzt für eine Woche für Schiffe in den Kriegsgebieten", so Haupt. Auch Lagerkosten für zehntausende Container, die nicht weitertransportiert werden könnten, schlagen ihm zufolge zu Buche.
Der Verband Deutscher Reeder hatte Ende März neueste Entwicklungen zur deutschen Seeschifffahrt vorgestellt. Die Bedeutung von Seehandelsrouten zeigt sich in der aktuellen geopolitischen Lage klarer denn je.
23.03.2026 | 1:52 minInsgesamt lägen die Mehrkosten bei Hapag-Lloyd aufgrund der von Iran kontrollierten Straße von Hormus bei rund 60 Milliarden Dollar pro Woche. "Das sind schon ordentliche Kosten, die wir natürlich nicht allein tragen können, sondern die müssen wir auch teilweise an unsere Kunden weitergeben", so Haupt.
…die Belastung für die festsitzenden Seeleute:
Sechs Schiffe der Reederei Hapag-Lloyd stecken derzeit im Persischen Golf fest, weil sie die Schifffahrtsstraße in das Arabische Meer nicht passieren können. Für die rund 150 Crewmitglieder sei die Situation vor allem psychisch belastend. Hapag-Lloyd stehe täglich in Kontakt mit der Besatzung, so Haupt. Die Versorgung sei gesichert: Lebensmittel und Trinkwasser können über kleinere Schiffe aus den umliegenden Häfen nachgeliefert werden.
Die Straße von Hormus bleibt zunächst unter Irans Kontrolle, soll aber wieder passierbar werden. Europäische Länder wollen die Meerenge jetzt militärisch sichern.
08.04.2026 | 3:32 minWie gefährlich die Lage dennoch ist, zeigte ein Vorfall im März: Ein Schiff wurde von Bombensplittern getroffen. Es war zwar nicht direkt Ziel einer Bombenattacke, so Haupt. Allerdings:
Bombenteile haben in den Maschinenraum eingeschlagen.
Nils Haupt, Leiter Konzernkommunikation, Hapag-Lloyd
Die Crew habe das Feuer schnell löschen können. "Aber man kann sich unschwer vorstellen, dass das traumatische Erlebnisse sind für eine Schiffscrew, die letztlich ein friedliches Handelsschiff betreibt und nichts mit Krieg zu tun hat", sagt Haupt.
Die Kollegen und Kolleginnen, die wollen nach Hause, die wollen da raus.
Nils Haupt, Leiter Konzernkommunikation, Hapag-Lloyd
…Bedingungen für eine Weiterfahrt:
Die Lage in der Straße von Hormus bleibt nach Darstellung von Haupt unberechenbar. Meldungen über Verhandlungsfortschritte wechseln sich mit neuen Rückschlägen ab. "Es ist jeden Tag wieder was Neues", beschreibt Haupt die Situation. Entsprechend komme der Krisenstab täglich zusammen, um Entscheidungen neu zu bewerten.
Die Lage im Iran-Krieg bleibt angespannt. Nach israelischen Angriffen auf den Libanon hat Iran die Straße von Hormus wohl wieder gesperrt. ZDFheute live über die aktuelle Lage.
08.04.2026 | 11:07 minWann eine Durchfahrt wieder möglich sei, liege aus seiner Sicht nicht in der Hand der Reedereien. Maßgeblich sei die Sicherheitslage für Crew, Schiff und Ladung. Er verweist auf mögliche Minen in der Meerenge und warnt, nicht auf Frieden zu vertrauen, "wenn es dort womöglich doch noch Angriffe geben könnte".
Wir legen allergrößten Wert darauf, dass wir nur unter den allergrößten Sicherheitsmaßnahmen durch die Straße von Hormus fahren.
Nils Haupt, Leiter Konzernkommunikation, Hapag-Lloyd
Im Raum steht, dass das iranische Regime für eine sichere Durchfahrt eine Gebühr von etwa zwei Millionen Dollar pro Schiff verlangen könnte. Sollte dies die Voraussetzung dafür sein, dass die Schiffe freigelassen werden, sagt Haupt, "dann wird das wahrscheinlich der Preis sein, den man eben zahlen muss."
„Die Straße von Hormus ist der entscheidende Faktor“, sagt Nahost-Experte Daniel Gerlach. Iran werde versuchen, aus der wirtschaftlichen Situation „maximales Kapital zu schlagen“.
08.04.2026 | 5:46 minEine solche Regelung wäre aus seiner Sicht "eine massive Beeinträchtigung für den freien Welthandel", da die zusätzlichen Kosten entlang der Lieferketten weitergegeben werden müssten.
Man hoffe daher, dass dieses Thema in den Verhandlungen zwischen USA und Iran aufgegriffen werde. Eine schnelle Entspannung erwartet Haupt nicht, vielmehr müsse man "von Tag zu Tag" planen.