Trump sieht Abkommen kurz bevor:Experte: US-Deal mit Iran "kann noch relativ schief gehen"
Donald Trump hält ein Abkommen mit Iran für "weitestgehend" ausgehandelt. Ein Experte dämpft Hoffnungen auf ein Kriegsende: Die USA seien unter Druck - und Iran unberechenbar.
Der iranischen Führung sei es von Beginn an allein darum gegangen, an der Macht zu bleiben, analysiert Iran-Experte Hans-Jakob Schindler bei ZDFheute live.
24.05.2026 | 15:26 minEin Rahmenabkommen zwischen Iran und USA steht US-Medienberichten kurz bevor. Donald Trump hält den Deal für "weitestgehend" ausgehandelt - Teheran ist zurückhaltender und spricht von "äußerster Vorsicht" gegenüber Washington. Bei ZDFheute live bremst auch Iran-Experte Hans-Jakob Schindler Erwartungen an ein schnelles Abkommen und ein rasches Ende im Iran-Krieg:
Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.
Hans-Jakob Schindler, Iran-Experte
Ein Abkommen sei noch nicht unterzeichnet, "und wir wissen nicht, was da drinsteht".
Zwischen den USA und Iran deutet sich ein Abkommen zu einem Kriegsende an. Was das für Trumps Kriegsziele bedeutet, analysiert ZDFheute live.
24.05.2026 | 28:27 minExperte: Regime in Iran geschwächt, aber nicht am Ende
Fest steht, so Schindler, das Regime in Iran habe ein generelles Ziel erreicht: Es existiert noch. Zwar habe es für das Land erhebliche wirtschaftliche Schäden gegeben, doch ein wieder anlaufender Ölhandel könne das künftige Bestehen der politischen Führung sichern. Grundsätzlich gelte: "Der Macht- und Unterdrückungsapparat ist noch voll funktionsfähig."
Das Regime hat sein eigenes Kriegsziel, zu überleben, erreicht.
Hans-Jakob Schindler, Iran-Experte
Dass die Führung im Land nun gestärkt sei, sei allerdings "zu viel formuliert", so der Experte. "Das Regime ist natürlich geschrumpft (…). Es sind sehr viele Führer der Revolutionsgarden, aber auch des klerikalen Apparates getötet worden." Dass das neu gewählte religiöse Oberhaupt des Landes nicht in der Lage sei, "eine Sprachnachricht zu senden, schon gar kein Video", müsse das Regime laut dem Experten "irgendwann mal erklären müssen".
Zwar habe China weiterhin iranisches Öl bezogen und Russland dem Regime Unterstützung geleistet, dennoch sei Iran international aktuell isoliert: "In der Region hat das Regime alle seine Nachbarn mit Raketen beschossen mit der Ausnahme von Afghanistan."
In den Verhandlungen mit Iran gehe es Trump vor allem um das Ende des iranischen Atomprogramms meint ZDF-Reporter Stefan Schlösser. Davon hänge auch der Erfolg der USA ab.
24.05.2026 | 10:03 minAtomprogramm: Schlechter Deal für Trump?
Für die USA gehe es im Hinblick auf das Atomprogramm Irans bei dem aktuellen Abkommen nun darum, nicht in eine schlechtere Lage zu geraten als vor dem Angriff. "Wenn die USA nicht erreichen, dass das hoch angereicherte Uranium außer Landes gebracht wird und, dass der Iran über sehr lange Zeit (…) die Anreicherung aussetzt, haben sie einen schlechteren Deal als Präsident Obama." Es werde dann "schwierig" für Donald Trump, einen solchen Deal "innenpolitisch zu verkaufen".
Obama hatte 2015 ein Atomabkommen mit Iran geschlossen, in dem sich das Land verpflichtete, sein Nuklearprogramm einzuschränken, um den Bau einer Atombombe zu verhindern.
Laut US-Präsident Trump stehen die Verhandlungen über ein Abkommen mit Iran über ein Ende des Krieges kurz vor dem Abschluss. Das verkündete er auf seiner Plattform "Truth Social".
24.05.2026 | 0:25 minStraße von Hormus: USA drohen Rückschritte
Auch bei der Straße von Hormus könnte sich die Lage aus US-Sicht im Vergleich zur Zeit vor dem Angriff verschlechtern: Würde Iran die Durchfahrt der wirtschaftlich wichtigen Meerenge verstärkt reglementieren, sodass Schiffe sich anmelden müssen und Iran entscheide, welche Schiffe die Meerenge passieren dürften, sei das "ein sehr ernster Schritt rückwärts", so Schindler.
... ist Nahost-Experte und "Senior Director" beim "Counter Extremism Project". Er arbeitete unter anderem in der Forschung und für den UN-Sicherheitsrat im Bereich Terrorismusüberwachung. Schindler schrieb seine Doktorarbeit über internationalen Terrorismus an der schottischen Universität in St. Andrews.
Der älteste Sohn des US-Präsidenten, Donald Trump Jr. heiratet womöglich ohne seinen Vater. In einer Pressekonferenz erklärt Trump, wie er dazu steht.
22.05.2026 | 0:35 minExperte: Trump braucht "irgendeine Erfolgsstory"
Dass eine nachhaltige Einigung zwischen Iran und USA nun wirklich unmittelbar bevorsteht, bezweifelt der Iran-Experte: "Donald Trump neigt dazu, immer wieder irgendwelche Ankündigungen zu machen", so sagt Schindler. "Er braucht irgendeine Erfolgsstory."
Iran und USA verhandelten schon bereits seit mehreren Wochen über das Abkommen. Und selbst wenn eine Annäherung der Positionen gelinge, seien die iranischen Verhandler unberechenbar: "Die Iraner neigen dazu, immer noch in letzter Sekunde der Verhandlungen nochmal neue Forderungen zu stellen, um das maximale rauszuholen."
Das kann noch relativ schief gehen.
Hans-Jakob Schindler, Iran-Experte
Eine erneute Eskalation in Form militärischer Angriffe der USA auf Iran hält Schindler derzeit aber für unwahrscheinlich: Dass sich Donald Trump nochmal für eine große militärische Operation gegen Iran entscheidet, sei "innenpolitisch kaum noch zu verkaufen".
Das Interview führt ZDFheute live-Moderator Christian Hoch. Autor der Zusammenfassung ist ZDFheute-Redakteur Silas Thelen.
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