Irans neuer oberster Anführer:Wer ist Modschtaba Chamenei?
Jahrelang agierte Modschtaba Chamenei im Schatten seines Vaters, nach dessen Tötung ist er nun zu seinem Nachfolger gewählt worden. Wer ist der neue oberste Anführer Irans?
Der neue oberste Anführer Irans: Modschtaba Chamenei
Quelle: dpaDer sogenannte Expertenrat, das wichtigste religiöse Gremium in Iran, hat ihn ernannt: Modschtaba Chamenei ist zum neuen religiösen und staatlichen Oberhaupt gewählt worden. Der 56-jährige Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei übernimmt die Position inmitten eines Krieges. Wer ist der Mann, der künftig das letzte Wort in allen politischen und militärischen Belangen des Landes haben soll?
Israel greift weiter Teheran an und Iran antwortet mit Attacken auf Israel und die Golfregion. Am Sonntag hat das Regime in Teheran die Wahl eines neuen geistlichen Oberhauptes bekannt gegeben.
08.03.2026 | 2:49 minEr scheut die Öffentlichkeit - aber gilt als einflussreich
Modschtaba Chamenei gilt seit langem als einflussreich, trat in den vergangenen Jahren jedoch kaum öffentlich in Erscheinung. Nur wenige Bilder von ihm sind bekannt. Viele Insider in Iran spekulieren seit längerem, dass er im Schatten seines Vaters großen Einfluss ausgeübt hat. So soll er im Hintergrund unter anderem Angelegenheiten im Büro des Religionsführers gesteuert haben. Wo er politisch genau steht, ist jedoch weitgehend unklar.
Den unerbittlichen Kurs seines Vaters dürfte Modschtaba Chamenei aber zunächst fortsetzen. Er gilt als vertrauter Akteur staatlicher Unterdrückung, heißt es etwa in einer Analyse der Denkfabrik Atlantic Council. So soll er während der Grünen Bewegung 2009, die nach Vorwürfen der Wahlfälschung bei der Präsidentschaftswahl entstand, eine Schlüsselrolle bei der Niederschlagung der Proteste gespielt haben.
"Er gilt als der Mann, der hinter der Niederschlagung vieler Proteste, auch jetzt zuletzt im Januar, stand", sagt Armin Eschraghi, Islamwissenschaftler, über Modschtaba Chamenei.
04.03.2026 | 4:56 minKindheit zwischen Revolution und Krieg
Modschtaba Chamenei wurde 1969 als zweiter Sohn des Ende Februar getöteten Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei in der nordöstlichen Pilgerstadt Maschhad geboren. In seiner Kindheit erlebte er turbulente Jahre und den Sturz der Monarchie, der 1979 in der Islamischen Revolution mündete.
Mit 18 Jahren trat er in den letzten Jahren des Iran-Irak-Kriegs den Revolutionsgarden bei. Das Land war zu diesem Zeitpunkt vom Krieg gezeichnet, weite Teile zerstört. Sein Vater, damals noch Präsident, hatte sich bereits im iranischen Machtzentrum positioniert.
Ausbildung in Irans spirituellem Zentrum
Modschtaba Chamenei entschied sich schließlich für den Weg der schiitischen Theologie und studierte bei konservativen Gelehrten in Ghom, dem spirituellen Zentrum des Iran. Rund 90.000 Geistliche leben in der Stadt, die rund 150 Kilometer südlich von Teheran liegt. Dort begann er auch später zu lehren. Ein iranischer Professor im Ruhestand bezeichnete ihn als "zeitgemäßer" als sein Vater. Doch auch er dürfte Israel als Erzfeind betrachten.
Der Expertenrat in Iran einigt sich auf Chameneis Nachfolge. Über die Lage in Iran und an der israelisch‑libanesischen Grenze berichten Isabelle Tümena und Thomas Reichart.
08.03.2026 | 2:41 minEr trägt den religiösen Titel eines Hodschatoleslam. Ursprünglich verlangte die iranische Verfassung zur Ernennung zum obersten Führer einen höheren Rang, den des Großajatollahs. Die Wahl seines Vaters durch den Expertenrat löste 1989 eine Kontroverse aus, da ihm die höchste schiitische Gelehrtenautorität fehlte. Mit einer Verfassungsänderung wurden die Anforderungen an das Amt gesenkt.
Trump hat Ablehnung bereits deutlich gemacht
Trump machte bereits vor wenigen Tagen in einem Telefongespräch mit dem Nachrichtenportal Axios klar, dass er den Sohn des getöteten Chamenei als neues staatliches Oberhaupt nicht gutheißen würde: "Chameneis Sohn ist für mich inakzeptabel. Wir wollen jemanden, der Harmonie und Frieden in den Iran bringt". Modschtaba Chamenei sei ein "Leichtgewicht", sagte er laut Axios.
Seit einer Woche greifen die USA und Israel Iran an. Nun droht US-Präsident Trump Iran mit einer Ausweitung der Angriffe. ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen ordnet ein.
07.03.2026 | 2:12 minNoch bevor die Wahl des 56-Jährigen öffentlich bekannt wurde, drohte Trump Iran am Sonntag zudem, sollte Washington nicht in die Nachfolge des getöteten iranischen Staatsführers einbezogen werden. Es brauche die Zustimmung der USA, sagte Trump dem Sender ABC News nach dessen Angaben. "Wenn er unsere Zustimmung nicht erhält, wird er nicht lang im Amt bleiben", prophezeite der US-Präsident.
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