Nahost-Experte über Mullah-Regime:Iran: Was Modschtaba Chameneis Machtübernahme bedeuten würde
Nahost-Experte Guido Steinberg sieht in Modschtaba Chameneis möglichem Aufstieg zum obersten Führer Irans ein Signal der Kontinuität. Ersetzen könne er Ali Chamenei aber nicht.
Die Islamische Republik werde den Verlust eines so starken Führers wie Ali Chamenei nicht so einfach wegstecken können, so Nahost-Experte Guido Steinberg.
04.03.2026 | 3:31 minAlles auf Anfang oder doch eher alles beim Alten in Iran? Offenbar setzt Teheran vor allem auf eines: Kontinuität. Mehrere iranische Exilmedien berichten, dass Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Ali Chamenei, neues Staatsoberhaupt werden soll. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht.
Guido Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, erklärt im heute journal, wer Modschtaba Chamenei ist und was seine mögliche Wahl zum obersten Führer für Iran und die Menschen im Land bedeuten könnte.
Lesen Sie das Interview hier in Auszügen oder sehen Sie es oben in voller Länge.
Chameneis Tod zwingt das Regime in Teheran zum Umbruch. Doch wer rückt an die Spitze und welche Strategie verfolgen die Mullahs, um ihre Macht zu behalten?
04.03.2026 | 2:13 minWofür steht Modschtaba Chamenei?
"Er hat ein ganz ähnliches Profil wie sein Vater das einmal in der Vergangenheit hatte", erklärt Nahost-Experte Steinberg. Ali Chamenei habe in den 1980er Jahren als sehr Armee-affin gegolten. Bei Modschtaba Chamenei sei das jetzt etwas anders:
Er steht vor allem den Revolutionsgarden nahe.
Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik
Modschtaba Chamenei sei bereits seit Jahren für "die Koordination von Sicherheitsbehörden, von Armee und Garden zuständig", so Steinberg. "Das heißt, er hat sehr viel Erfahrung in diesem Bereich." Vor allem habe er auch sehr gute Beziehungen.
Deswegen werde seine Ernennung - sollte sie tatsächlich erfolgen - "auch als Beleg dafür gesehen, dass die Revolutionsgarden in dem neuen Iran nach Ali Chamenei eine sehr viel wichtigere Rolle einnehmen werden als bisher schon", betont Steinberg.
Während weltweit Krisendiplomatie läuft, bombardiert Israel mit US-Unterstützung weiter Teheran. Iran hat währenddessen amerikanische Botschaften in Riad und den Emiraten angegriffen.
03.03.2026 | 2:01 minWäre Modschtaba Chameneis Wahl eine Kampfansage für die breite Opposition in Iran?
"Ja, fast alles, was wir da in den letzten Tagen gesehen haben nach dem Tod seines Vaters Ali, waren Kampfansagen an die USA, an Israel, aber auch an die Opposition im Land", sagt der Nahost-Experte. Eine "ganze Menge Hardliner" hätten jetzt die Macht übernommen, so zum Beispiel Ahmad Wahidi - der neue Chef der Revolutionsgarden.
"Das ist ein Mann, der vor allem als internationaler Terrorist bekannt geworden ist, als absoluter Hardliner", erklärt der Steinberg.
All das weist darauf hin, dass sich die Fronten, wenn das denn überhaupt noch geht, im Iran noch einmal verhärten.
Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik
Ein Machtwechsel ist laut Steinberg immer auch eine "Zeit der Ungewissheit, der Unsicherheit".
"Er gilt als der Mann, der hinter der Niederschlagung vieler Proteste, auch jetzt zuletzt im Januar, stand", sagt Armin Eschraghi, Islamwissenschaftler, über Modschtaba Chamenei.
04.03.2026 | 4:56 minGibt es Zeichen für ein Wanken des iranischen Regimes?
"Überhaupt noch nicht", sagt der Nahost-Experte. Trotzdem dürfe man eine mögliche Machtübernahme durch Modschtaba Chamenei, die auch noch nicht öffentlich bekanntgegeben worden sei, nicht überbewerten.
Die Islamische Republik wird den Verlust eines so starken Führers wie Ali Chamenei nicht so einfach wegstecken können.
Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik
Ali Chamenei habe "die gesamten Sicherheitsbehörden, er hat die Armee, er hat die Revolutionsgarden, auch den Klerus kontrolliert", bilanziert Steinberg. "Und auch wenn sein Sohn da über einige Erfahrungen verfügt, kann er nicht ersetzt werden."
Einen weiteren relevanten Punkt sieht Steinberg in einer möglichen Konkurrenz einiger "der jetzt amtierenden Nachfolger, die dort Machtpositionen übernehmen". Es sei durchaus möglich, dass "Nachfolgekonflikte, Konflikte über politische Positionen, aber auch über Geld" noch eine Rolle spielen könnten.
"Das werden wir erst in den nächsten Tagen und Wochen sehen", sagt Steinberg.
Und sehr viel wird davon abhängen, wer denn jetzt noch alles von den Israelis und den Amerikanern getötet oder auch verletzt wird.
Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik
Das Interview führte ZDF-Moderatorin Anne Gellinek. Zusammengefasst hat es Laura Marie Mertes.
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