Iraner in Deutschland: Reaktionen auf Situation im Nahen Osten

Zwischen Hoffnung und Angst:Wie Iraner in Deutschland die Angriffe sehen

Lisa Jandi, ZDF-Landesstudio Berlin

von Lisa Jandi

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Der Tod von Religionsführer Chamenei hat viele Exil-Iraner erleichtert. Die einen begrüßen die Angriffe auf ihre Heimat, bei anderen überwiegt die Sorge.

Iraner feiern auf den Straßen

Viele Exil-Iraner feiern auf den Straßen den Tod des iranischen Führers Chamenei.

02.03.2026 | 1:56 min

Um halb acht am Samstagmorgen schreibt Mona Mirkamali in Berlin diese Zeilen "Israel greift Ziele im Iran an. (…) Sie sprechen von Strategie, ich höre nur Sirenen (…) Sie reden von Uranium. Ich denke an meine Mutter".

Nur kurz konnte sie ihre Mutter in Teheran seither sprechen, danach brach die Leitung ab. "Ich habe Angst. Ich weiß nicht, wann ich wieder mit meiner Familie reden kann. Ich weiß nicht, was ihnen passiert. Bei jedem Angriff kann etwas passieren", sagt die Doktorandin, die seit 16 Jahren in Deutschland lebt. Als Kind hat sie den Krieg zwischen Irak und Iran miterlebt.

Ich bin gegen Krieg. Egal mit welcher Rechtfertigung.

Mona Mirkamali

Iranerin: Tod von Chamenei bedeutet nicht Regime-Sturz

Sie ist gegen das Regime und gegen militärische Angriffe. Keine Träne weine sie dem getöteten Religionsführer Ali Chamenei nach, noch lieber aber hätte Mirkamali ihn vor Gericht gesehen und, "dass Chamenei tot ist, heißt nicht automatisch Regime-Sturz".

Der iranische Oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei verlässt das Gebäude nach der Stimmabgabe während der Präsidentschaftswahlen.

Knapp 37 Jahre lang stand Ajatollah Ali Chamenei an der Spitze Irans.

01.03.2026 | 1:48 min

Die Nachricht vom Tod des Ajatollah durch einen Luftschlag - als diese Nachricht sich bestätigt, gehen in Berlin spontan schon am Samstagabend Menschen auf die Straße. Autokorso, Freudentränen, Tänze. Am Sonntag dann eine Kundgebung am Brandenburger Tor. Es werden Süßigkeiten verteilt, Feierstimmung, immer wieder wird auch der Name von Reza Pahlavi gerufen, dem Sohn des letzten Schah. Er ist die aktuell prominenteste Führungsfigur der Opposition und für viele ein Hoffnungsträger.

"Chamenei ist tot. Ich kann es gar nicht glauben. Nach 47 Jahren Verbrechen, 47 Jahren Hinrichtungen und Morden", so Kosar Eftekhari, eine junge Frau, die nach den Protesten im Jahr 2022 nach Deutschland floh. Regimekräfte hatten ihr in die Augen geschossen, berichtet sie. Auf einem Auge ist sie seitdem blind.

Die Freiheit ist jetzt ganz nah. 47 Jahre lang haben wir vor ihnen gezittert, jetzt zittern sie.

Kosar Eftekhari

Mit den Angriffen der Hisbollah aus Libanon bedeutet für Israel und die USA eine zweite Front.

Israel und die USA fliegen weiter Luftangriffe auf Iran, die pro-iranische Terrormiliz Hisbollah greift aus Libanon israelische Ziele an. Thomas Reichart und Isabelle Tümena berichten.

02.03.2026 | 2:57 min

Befreiung von den Mullahs: "Wir schaffen es nicht alleine"

Auch Naime, die ebenfalls zum Brandenburger Tor gekommen ist, ist hoffnungsfroh: "Krieg ist nie schön, es hat traurige Folgen, aber wir brauchen Hilfe, wir schaffen es nicht alleine, die Menschen kämpfen mit leeren Händen."

Mehregan Maroufi betreibt einen persischen Buchladen in Berlin, es ist auch ein Anlaufpunkt für Exil-Iraner. "Niemand will einen Krieg, aber unsere Feinde sind im Iran", sagt sie. Ihre Cousins in ihrer Heimat würden sich wie Geiseln fühlen, ohne Leben, ohne Zukunft, sie hätten auf ein Eingreifen gewartet.

Aktivistin: Zivilbevölkerung ist Bomben schutzlos ausgeliefert

Menschenrechtsaktivistin Daniela Sepehri sorgt sich um die zivilen Opfer und warnt vor noch härteren Repressionen des Regimes im Schatten des Krieges. "Auf der einen Seite haben wir eine Zivilgesellschaft, die so verzweifelt ist, die solche Verbrechen erlebt hat, dass sie sich tatsächlich freuen über Angriffe. Wie sehr muss man eine Zivilgesellschaft gequält haben, dass sie sich über einen Krieg freut?"

Anhänger der Hisbollah skandieren Slogans während einer Demonstration vor dem Hauptsitz der UN-Wirtschafts- und Sozialkommission für Westasien

Als Reaktion auf die die US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf Iran hat die pro-iranische Terrormiliz Hisbollah aus dem Libanon israelische Stellungen angegriffen.

02.03.2026 | 2:05 min

Auf der anderen Seite gebe es die Angst vor den Bomben, erklärt Sepehri. Denn während des 12 Tage Krieges zwischen Iran und Israel habe sich gezeigt, dass es keine Schutzbunker und auch kein Warnsystem für die Bevölkerung gebe. "Das heißt, die Bevölkerung ist der Islamischen Republik und den Bomben schutzlos ausgeliefert."

Iraner in Berlin hoffen auf Ende der Islamischen Republik

Trauer und Freude, Angst und Hoffnung - alles nah beieinander, alles zeitgleich. "Dieser Angriff war offensichtlich völkerrechtswidrig (…) Und gleichzeitig kann es sein, dass es dazu führt, dass eins der brutalsten Regime dieser Welt stürzt."

Rauch steigt auf von der Stelle eines israelischen Luftangriffs auf die Büros von Al-Qard al-Hassan, einem mit der Hisbollah verbundenen Finanzinstitut.

Als Reaktion auf die Angriffe übt Iran auch an arabischen Verbündeten der USA Vergeltung. Insgesamt acht Länder in der Golfregion sind von Gegenangriffen betroffen.

02.03.2026 | 1:59 min

Diese beiden Faktoren stünden sich gegenüber, erklärt Gilda Sahebi, Autorin und Politikwissenschaftlerin. "Dass viele Menschen sich gerade freuen über Angriffe, auch das gibt es. Es gibt auch viele Menschen, die das schlimm finden. Es wurde eine Mädchenschule angegriffen. Das ist alles gleichzeitig wahr", sagt Sahebi.

Einig sind sich alle, die wir in Berlin getroffen haben, in der Hoffnung auf ein Ende der Islamischen Republik. Alle sprechen von dem Wunsch nach Freiheit und Demokratie. Auch Mona Mirkamali hofft darauf und versucht weiter zu ihrer Mutter durchzudringen. "Es klingelt. Und klingelt. Keine Antwort. Wieder dieses Gefühl von Ohnmacht. Wieder dieser Druck auf der Brust", schreibt sie in ihrem Gedicht.

Lisa Jandi berichtet aus dem ZDF-Studio in Berlin.

Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland am 02.03.2026 ab 14 Uhr.

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