Was den weiteren Kriegsverlauf bestimmt:Wird der Iran-Konflikt zum vierten Golfkrieg?
von Nils Metzger
Für ihren Krieg haben die USA und Israel nur wenige Wochen Zeit. Das weiß auch Iran - und versucht, andere Staaten der Region hineinzuziehen. Wie groß kann der Konflikt werden?
Nach Angriffen der USA und Israels auf Iran eskaliert nun der Konflikt zwischen der Hisbollah im Libanon und Israel wieder. Auch die Lage in der Golfregion verschärft sich weiter.
02.03.2026 | 2:37 minDie Iran-Kampagne der USA könnte "vier Wochen" dauern. Das sagte US-Präsident Donald Trump in einem Gespräch mit der britischen Zeitung "Daily Mail" am Sonntag. Bei Beobachtern sorgte diese Aussage auch für Stirnrunzeln.
US-Munitionsvorräte sind begrenzt
Die israelischen Streitkräfte gaben an, in den ersten 30 Stunden des Krieges über 2.000 Bomben über Iran abgeworfen zu haben - rund die Hälfte der Menge, die sie während des gesamten Krieges gegen Iran im Juni 2025 einsetzten. So intensive Bombenkampagnen mit mehr als 1.000 Angriffsflügen pro Tag dürften auch für die USA nicht für mehr als wenige Wochen durchzuhalten sein.
Für diese Art der Kriegsführung aus der Luft oder über große Distanzen werden bestimmte Arten von Waffen benötigt: Marschflugkörper, Lenkraketen, Flugabwehr. Die Unterstützung für Israel und die Ukraine sowie die Militäraktionen gegen Huthi-Milizen und andere Akteure in den zurückliegenden Jahren haben diese spezialisierten Munitionsvorräte schwinden lassen.
Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe auf den Iran fort, während der Konflikt mit der Terrormiliz Hisbollah erneut eskaliert. ZDF-Korrespondent Thomas Reichart berichtet.
02.03.2026 | 2:06 minGenaue Zahlen sind geheim, aber Beobachter hatten darauf hingewiesen, dass die USA über Wochen vor Kriegsbeginn Munitionsvorräte aus anderen Weltregionen, insbesondere dem Pazifik, abgezogen haben sollen. US-Generalstabschef Dan Caine hatte laut "Wall Street Journal" in internen Sitzungen bereits vor Kriegsbeginn Ende Februar gewarnt, dass ein ausufernder Konflikt "signifikante Kosten für US-Streitkräfte und Munitionsvorräte" bedeuten könnte.
US-Hersteller können Waffenproduktion nicht einfach hochfahren
Zwar reagieren Hersteller mit dem Hochfahren der Produktion, aber solche Schritte dauern. Raytheon, Hersteller der wichtigen Tomahawk-Marschflugkörper, produziert aktuell lediglich 60 Stück pro Jahr - mit dem Ziel, das auf 1.000 pro Jahr auszubauen, berichtete Reuters Anfang Februar.
Als Reaktion auf die Angriffe übt Iran auch an arabischen Verbündeten der USA Vergeltung. Insgesamt acht Länder in der Golfregion sind von Gegenangriffen betroffen.
02.03.2026 | 1:59 minMit jedem Tag Krieg in Iran verbrauchen die USA also deutlich mehr als eine Jahresproduktion dieser auch mit Blick auf die Bedrohung aus China strategisch wichtigen Waffensysteme.
Zwar verkündeten die US-Streitkräfte den erstmaligen Einsatz von günstigen Einweg-Drohnen nach dem Vorbild der iranischen Shaheds. Aber wie umfangreich diese verfügbar sind, ist unklar.
US-Kommando bestätigt Einsatz neuer Drohnen
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Tote Soldaten und Zivilisten haben auch politischen Preis
Sollte das iranische Regime nun nicht wie erhofft schnell kollabieren, sondern sich mit Propaganda und Repression im Land an der Macht halten, könnte das auch die politischen Kosten des Krieges für die USA in wenigen Wochen in die Höhe treiben.
Die Luftverteidigungssysteme von Patriot-Batterien bis zum "Iron Dome" schützen bislang noch recht effektiv US-Basen und die Zivilbevölkerung in Israel und in den arabischen Staaten der Region.
Iran reagiert auch mit Gegenangriffen auf arabische Verbündete der USA. Wie diese auf die iranischen Angriffe reagieren wollen, berichtet Golineh Atai.
02.03.2026 | 1:53 minUnd mit den Schlägen gegen die iranische Staatsführung waren die ersten beiden Tage der Bombenkampagne für die USA und Israel überaus erfolgreich. Die IDF erklärte bereits am ersten Tag Lufthoheit und kann über großen Teilen des Landes weitgehend frei agieren. Offensive Fähigkeiten Irans durch Drohnen und Raketen sind aber weiterhin vorhanden, und es ist unklar, ob sie flächendeckend zerstört werden können. Der Krieg ist also gerade ein Wettrennen, bei dem sich beide Seiten militärisch abnutzen. Das weiß auch die Führung in Teheran.
Sollten die Munitionsvorräte der Abfangsysteme schwinden, könnten die iranischen Raketen und Drohnen häufiger ihre Ziele erreichen und Schaden anrichten. Für einen Präsidenten Trump mit anstehenden Midterms-Wahlen könnte der Krieg so noch unpopulärer werden.
Die USA melden im Krieg gegen Iran erste Tote. US-Basen stehen unter schwerem Beschuss. Und: US-Kampfjets wurden versehentlich von der kuwaitischen Luftabwehr abgeschossen.
02.03.2026 | 2:38 minSteigen die arabischen Golfstaaten in den Konflikt ein?
Deshalb ist die iranische Strategie, großflächig zivile Ziele in der ganzen Region anzugreifen, ein Spiel mit dem Feuer - und ein Risiko für die eigene Überlebensstrategie. Drohnen gegen Flughäfen, Hotels oder die Ölindustrie sind für die Golfstaaten eine rote Linie. Am bislang deutlichsten wurde Katar am Montag:
Iran muss einen Preis zahlen für den unverhohlenen Angriff auf unser Volk.
Katarisches Außenministerium bei CNN
Noch haben die Golfstaaten keine einheitliche Linie, wie sie auf diese Bedrohung reagieren. Ob sie mit Drohungen Iran von weiteren Angriffen abhalten wollen oder offen militärisch einsteigen. Schon wenn die Golfstaaten ihre Arsenale für die Versorgung der US-israelischen Koalition öffnen würden, würde das beiden Staaten mehr Zeit für ihre Militärkampagne verschaffen.
Zehntausende deutsche Urlauber sitzen in der Golfregion fest, für einen Teil von ihnen gibt es jetzt Hoffnung: Die Bundesregierung will Kranke, Kinder und Schwangere ausfliegen.
02.03.2026 | 1:54 minWenig Kriegsbegeisterung bei Irans Verbündeten
Eine nur in Teilen vergleichbare Eskalationsstufe bietet sich auch Iran mit seiner sogenannten "Achse des Widerstands", also den von Teheran seit Jahrzehnten unterstützten, häufig schiitisch geprägten extremistischen Milizengruppen.
Sie werden immer wieder als von Iran gelenkt beschrieben, doch nicht erst in der aktuellen Situation merkt man, dass Gruppen von der libanesischen Hisbollah bis zu den irakischen Volksmobilisierungskräften zunächst nationale Organisationen sind.
Viele ihrer Anhänger und Führer teilen zwar die Wut über das Vorgehen Israels und der USA, sind deshalb aber nicht automatisch bereit, ihre Milizen und ihre Länder in den Konflikt hineinzuziehen. Im Irak liegt das auch daran, dass viele der Milizen seit Ende des Bürgerkriegs gegen den Islamischen Staat zu erfolgreichen wirtschaftlichen und politischen Playern geworden sind - der bewaffnete Kampf gegen die USA rückte da mehr und mehr in den Hintergrund.
Irans Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels werde nach Einschätzung von Sicherheitsexperte Nico Lange in mehreren Schritten erfolgen. "Möglicherweise stehen die härtesten Gegenschläge noch bevor".
02.03.2026 | 5:52 minMilizen organisieren Proteste statt Militäroffensiven
Die Gruppe Asaib Ahl al-Haq etwa, deren politischer Flügel auch an der irakischen Regierung beteiligt ist, veröffentlichte am Samstag ein Statement, das sich weitgehend auf symbolische Rhetorik beschränkte.
Zwar beteiligten sich Anhänger der Milizgruppen auch an den gewaltsamen Protesten am Regierungsviertel in Bagdad am Sonntag. Eine großflächige militärische Mobilisierung der Zehntausenden Kämpfer im Land gegen US-Ziele gab es bislang nicht. Und das, obwohl Iran seit Jahrzehnten Milliardensummen in den Unterhalt dieser Milizen investierte.
"Statt von den Amerikanern bombardiert zu werden, liefern sie sich Straßenschlachten mit irakischen Sicherheitskräften", kommentierte die Irak-Expertin Elizabeth Tsurkov Videoaufnahmen der Proteste auf X.
Nach dem Tod des obersten Führers Ali Khamenei "wird es jetzt darauf ankommen, ob der Übergangsrat in der Lage sein wird, den neuen Revolutionsführer zu wählen“, sagt Hans-Udo Muzel, ehem. Botschafter im Iran.
02.03.2026 | 5:11 minSchon einzelne Raketen können den Konflikt ausweiten
All das kann sich aktuell innerhalb weniger Stunden ändern. Auch die libanesische Hisbollah hatte zunächst kaum auf die Bombardierung Irans reagiert. Nun flogen in der Nacht auf Montag einige Raketen über die Grenze in Richtung Israel.
Die Regierung in Jerusalem drohte daraufhin mit einem Einmarsch in den Süden des Nachbarlandes. Aus den schiitischen Vororten der Hauptstadt Beirut flohen in der Nacht Tausende Menschen vor israelischen Luftangriffen. Doch die Hisbollah agiert nach dem letzten Krieg mit Israel aus einer Situation der beispiellosen Schwäche. Ihre einflussreichen Führer sind tot, ihre Reserven begrenzt.
Anstatt die Hisbollah-Aktivitäten und israelischen Reaktionen auszusitzen, stellte sich die libanesische Regierung am Montag gegen die Schiitenmiliz; Premier Nawaf Salam verbot alle bewaffneten Aktivitäten der Gruppe und wies seine Sicherheitskräfte an, die Verantwortlichen zu festzunehmen.
Waren diese Hisbollah-Raketen nun ein formeller Kriegseintritt, oder eine weitgehend symbolische Handlung, um Solidarität mit Iran zu zeigen? Wie die Staaten der Region auf solche wechselseitigen Angriffe reagieren, entscheidet, ob der Konflikt zu einem nächsten Golfkrieg auswächst.
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