Machtverhältnisse zwischen Xi und Putin:China spielt global "eine ganz andere Rolle" als Russland
Xi und Putin haben in Peking ihre strategische Beziehung demonstriert. Doch das Verhältnis ist längst von einem Ungleichgewicht geprägt, erklärt China-Expertin Eva Seiwert.
Peking wolle Russland zeigen, dass es am längeren Hebel sitzt, sagt China-Expertin Seiwert. Wenn es um konkrete Zusammenarbeit gehe, sei dieses Treffen wenig erfolgreich gewesen.
20.05.2026 | 16:34 minRusslands Präsident Wladimir Putin hat Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping in Peking besucht. Die beiden verlängerten einen seit jahrzehnten bestehenden Vertrag über gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit. Auch militärisch wollen beide Länder künftig eng zusammenarbeiten.
Während Russland unter Putin - insbesondere vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs - allerdings geschwächt wirkt, baut China seine internationale Bedeutung weiter aus. Eva Seiwert vom Mercator Institute for China Studies (MERICS) forscht zu Chinas Außenpolitik und der chinesisch-russischen Beziehung. Ihr zufolge führen die beiden Staaten längst keine Beziehung auf Augenhöhe mehr.
Sehen Sie das Interview mit Eva Seiwert oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Seiwert ...
... über das Ungleichgewicht in der russisch-chinesischen Partnerschaft
"Chinas Wirtschaft ist bei Weitem größer als die Russlands", so Seiwert. Zudem sei Russland deutlich abhängiger von Peking als umgekehrt. Auch politisch spiele China global "eine ganz andere Rolle". Während Russland international an Einfluss verloren habe, sei China zu einer der zentralen Mächte aufgestiegen. Für das Verhältnis zwischen Moskau und Peking bedeute das: China gebe zunehmend den Ton an.
Zwei Tage lang beraten Xi und Putin in Peking. Kurz vor seiner Ankunft pries Putin in einem Video das "grenzenlose Potenzial" der Partnerschaft zwischen den beiden Ländern.
19.05.2026 | 2:53 minChina könne sich, so Seiwert, "sehr gut als das Land darstellen, in dessen Hauptstadt derzeit alle zusammenkommen, um Kooperationen abzuschließen und über Weltpolitik zu sprechen". Dass neben Putin zuletzt auch US-Präsident Donald Trump und viele europäische Staats- und Regierungschefs nach Peking gereist sind, stärke dieses Bild.
Xi Jinping selbst reise vergleichsweise wenig. Darin sieht Seiwert einen strategischen Vorteil für die Inszenierung Chinas als globales Zentrum.
... ist Senior Analystin am Mercator Institute for China Studies (MERICS). Sie forscht zu Chinas Außen- und Sicherheitspolitik und konzentriert sich dabei auf die Beziehungen zwischen China und Russland, China und Zentralasien sowie Pekings Rolle in internationalen Organisationen.
Quelle: MERICS
... über die militärische Zusammenarbeit der Länder
Der Besuch Putins in Peking habe vor allem symbolische Wirkung entfaltet. Zwar hätten beide Staaten angekündigt, ihre militärische Zusammenarbeit auszubauen, doch Details seien unklar, so Seiwert. Bereits jetzt fänden regelmäßig gemeinsame Militärübungen statt, teils auch unter Einbindung Irans. Verschiedenen internationalen Medien zufolge gebe es jedoch eine Neuerung:
Neu sind Berichte darüber, dass russische Soldaten möglicherweise in China ausgebildet wurden - insbesondere im Bereich Bodenkriegsführung.
Eva Seiwert, Expertin für chinesische Außenpolitik, MERICS
Das sei vor allem im Zusammenhang mit den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine relevant, so die Expertin. "Sollte das stimmen, wäre das bemerkenswert", fügt Seiwert an. Denn bisher sei es umgekehrt gewesen: Das chinesische Militär sei von Russland ausgebildet worden. "Russland hatte also lange Zeit noch Fähigkeiten, die China übernehmen wollte."
Bei seinem größten Ziel habe Putin nicht gepunktet, sagt ZDF-Reporter Ehm. China verzögere den Bau einer Pipeline, weil “es Zoff über den Preis des Gases gibt”, so ZDF-Korrespondentin Schmidt.
20.05.2026 | 14:04 min... über den Ukraine-Krieg und Taiwan
Mit Blick auf den Ukraine-Krieg verfolgt China laut Seiwert eine strategisch ausbalancierte Position. Offiziell setze sich Peking für eine schnelle diplomatische Lösung ein.
Gleichzeitig profitiert China teilweise wirtschaftlich von dem Krieg.
Eva Seiwert, Expertin für chinesische Außenpolitik, MERICS
China wolle weder einen klaren Sieg noch eine Niederlage Russlands. "Wenn Russland verlieren würde, fürchtet China Instabilität oder sogar einen Regimewechsel in Russland", so Seiwert. "Das wäre problematisch, weil China eine sehr lange Grenze mit Russland teilt." Ein klarer russischer Sieg wiederum könne Seiwert zufolge die Beziehungen Chinas zum Westen belasten.
Deshalb könnte es aus chinesischer Sicht sogar vorteilhafter sein, wenn der Krieg in einer Art Patt weiterläuft.
Eva Seiwert, Expertin für chinesische Außenpolitik, MERICS
Umgekehrt betrachtet Russland Taiwan laut gemeinsamer Erklärung als Bestandteil Chinas. Dazu sagt Seiwert: "Das ist für China sehr wichtig, auch wenn es keine neue Position Russlands ist." China versuche generell, andere Staaten dazu zu bewegen, Taiwan ausdrücklich als Teil Chinas anzuerkennen. Dass Russland seine Unterstützung weiterhin klar formuliere, sei daher wichtig für Peking.
Der russische Präsident Putin ist auf Staatsbesuch in China. Es geht dabei um weitere russische Öl-Lieferungen. Das dürfte Putins Kriegskasse gegen die Ukraine unterstützen.
20.05.2026 | 3:03 min... über das Verhältnis beider Staaten zu Iran
"China und Russland sind beide wichtige Partner Irans", sagt Seiwert. Militärisch sei Russland vermutlich sogar bedeutender. Dennoch seien die Interessen beider Staaten unterschiedlich. Russland verkaufe Energie, China kaufe ein.
Sollte beispielsweise die Straße von Hormus blockiert werden, könnte Russland kurzfristig von steigenden Energiepreisen profitieren, während China massiv darunter leiden würde.
Eva Seiwert, Expertin für chinesische Außenpolitik, MERICS
Denn ein Großteil der chinesischen Ölimporte laufe durch die Straße von Hormus. Grundsätzlich stünden China und Russland bei Iran jedoch politisch nicht im Widerspruch zueinander, so Seiwert.
China empfange ausländische Gäste pompös. Xi Jinping wisse, dass ihm die zentrale Rolle in der Weltpolitik zuwachse, so China-Forscher Prof. Dr. Sebastian Heilmann.
20.05.2026 | 4:40 min... über das Ergebnis des Staatsgipfels
China und Russland versuchen nach Einschätzung von Eva Seiwert, "ein alternatives Modell zur bisherigen internationalen Ordnung zu etablieren." Das sei nicht automatisch eine Bedrohung für Europa, zumal das Treffen wenig konkrete Ergebnisse geliefert habe.
Die russischen Erwartungen, etwa hinsichtlich wirtschaftlicher Durchbrüche, seien im Vorfeld sehr hoch gewesen, doch letztendlich ausgeblieben. "Insofern muss man sagen: Für Russland war das Ergebnis eher enttäuschend", analysiert Seiwert.
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