Staatsbesuch bei Xi Jinping:So abhängig ist Putin von China
von Sebastian Ehm
Russland und China verkaufen ihre Beziehung als eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Doch Wladimir Putin kann nicht mehr wirklich ohne Peking.
Russlands Präsident Putin ist zu Gast bei Chinas Staatschef Xi. Die beiden Länder wollen ihre strategische Partnerschaft weiter ausbauen. Die Analyse bei ZDFheute live.
19.05.2026 | 32:31 minWladimir Putin reist mit einem gewaltigen Tross ins Reich der Mitte. Fünf stellvertretende Ministerpräsidenten, acht Minister, hochrangige Berater und Vorsitzende von Staatskonzernen wie Rosneft und Gazprom. Es soll ein Zeichen sein an die Gastgeber, wie wichtig der Kreml diesen Besuch nimmt.
Dazu passend nahm Wladimir Putin eine vierminütige Grußbotschaft auf Video auf. Ungewöhnlich für einen Herrscher, der eigentlich die große Bühne und das Rednerpult bevorzugt. Videobotschaften sind für Putin Anbiederei und werden vor allem von seinem Erzfeind Wolodymyr Selenskyj genutzt.
Bilder von Russlands Präsident Wladimir Putin und Chinas Präsident Xi Jinping beim aktuellen Besuch gibt es noch keine - dafür aber Fanartikel in Peking.
Quelle: epaEin wichtiger Besuch für Putin
Die vergangenen Tage und Wochen waren nicht leicht für Wladimir Putin. Sinkende Beliebtheitswerte, eine Siegesparade ohne Militärtechnik und immer heftigere ukrainische Drohnenangriffe, auch auf die russische Hauptstadt. Der russische Präsident muss mit diesem Besuch zeigen, dass er liefern kann. Wichtig für Russland sind vor allem die Energiegeschäfte mit Peking.
45 Prozent des russischen Öls wird bereits nach China geliefert. Peking dürfte nach der Schließung der Straße von Hormus daran gelegen sein, die Liefermenge eher auszubauen. Doch Moskau geht es vor allem ums Gas. Die lange geplante Pipeline "Power of Siberia 2" wurde bislang nicht gebaut, vor allem weil die Chinesen zögern. Es wird das Hauptziel Moskaus sein, den Pipelinebau voranzutreiben.
Russland sei gegenüber China wirtschaftlich zurückgefallen, erklären China-Korrespondentin Schmidt und Russland-Reporter Ehm.
19.05.2026 | 13:15 minPipeline "Power of Siberia 2" vom Tisch?
Der Ökonom Igor Lipsits sagt zu ZDFheute, dass Putin derzeit vor allem Geld brauche. "Seine Hauptidee ist wohl, die Chinesen davon zu überzeugen, die Pipeline 'Power of Siberia 2' zu bauen, und vielleicht sogar einen Vorschuss für zukünftige Lieferungen zu erhalten." Damit könnte Putin sein Haushaltsdefizit ausgleichen und frisches Geld für den Krieg in der Ukraine bereitstellen.
Doch man hört hinter vorgehaltener Hand, dass die Chinesen schon abgewunken haben. Sie bräuchten nicht noch mehr russisches Gas. Es kann also sein, dass Putins Plan zumindest dort ins Leere läuft. Das wäre für den Kreml-Herrscher eine weitere Niederlage.
Zwei Tage lang treffen sich Putin und Xi in Peking. Beide betonen die "stabilisierende Rolle" ihres Austauschs. Was hinter den Signalen steckt und welche Ziele sie verfolgen.
19.05.2026 | 2:28 minViele Dokumente sollen unterzeichnet werden
Trotzdem wird man sich am Mittwoch der gegenseitigen Wertschätzung und dauerhaften Freundschaft versichern. Über 40 Dokumente will man unterzeichnen. 21 davon werden sogar durch Xi Jinping und Putin persönlich unterzeichnet. Auch die strategische Partnerschaft soll verlängert werden.
Für Russland ist neben der Energie vor allem Technologie wichtig. Moskau benötigt hauptsächlich sogenannte Mikrotechnologie für den Drohnenbau. Die Ukraine scheint in den vergangenen Monaten in diesem Bereich enteilt und führt die Russen auf dem Schlachtfeld regelrecht vor.
Da Russland Bauteile für Drohnen wegen der Sanktionen nicht mehr aus dem Westen bekommt, wendet es sich Peking zu. Dort hat man eine Unterstützung des russischen Drohnenprogramms bisher immer zurückgewiesen. Doch dass sogenannte Dual-Use-Güter aus China - also Güter, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke genutzt werden können - über Drittstaaten in Russland landen, ist ein offenes Geheimnis.
Russland und China agierten wenig zusammen, erklärt Russland-Experte Yusupov bei ZDFheute live.
19.05.2026 | 16:41 minPutin braucht China
Russland wird also immer abhängiger von China - und Peking weiß das auszunutzen. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe ist es längst nicht mehr, auch wenn Putin das gerne hätte. Dafür hat der Ukraine-Krieg gesorgt. Durch das jahrelange Kämpfen und die Sanktionen ist die russische Wirtschaft extrem geschwächt.
Die Lage Russlands ist inzwischen so schwierig, dass China Russland sehr leicht kontrollieren kann. China verhält sich Russland gegenüber nicht besonders freundlich und ist nicht wirklich bereit, vorteilhafte Lösungen für beide Seiten zu suchen.
Igor Lipsits, Ökonom
Der Krieg, so Alexey Yusupov von der Friedrich-Ebert-Stiftung, werde von den Chinesen mit einem Kopfschütteln bedacht. "Xi soll zu Trump gesagt haben, Wladimir Putin wird diesen Krieg noch sehr bereuen."
Und so reist ein geschwächter Wladimir Putin zu Xi Jinping. Es wird schöne Bilder geben und Gesten der Freundschaft. Doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass China sehr gut ohne Russland zurechtkommt, aber Russland nicht unbedingt ohne China.
Sebastian Ehm berichtet als Reporter über Russland, den Kaukasus und Zentralasien.
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