Panamakanal als Gewinner: So profitiert er von der Hormus-Krise

Iran-Krieg und Weltwirtschaft:Der Panamakanal ist der Gewinner der Hormus-Krise

von Tobias Käufer

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Während die Weltwirtschaft gebannt auf die Entwicklung im Iran-USA-Konflikt schaut, fährt der Panamakanal als Alternativroute Rekordgewinne ein.

Luftaufnahme eines weißen Schiffs, das auf einem breiten Kanal an einer Stadt vorbeifährt.

Der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus treffen dei Weltwirtschaft. Für den Panamakanal bedeutet das allerdings mehr Durchfahrten und Rekordgewinne.

Quelle: dpa

Seit Wochen ist die Straße von Hormus für den kommerziellen Schiffsverkehr blockiert. Weder Iran noch die USA lassen derzeit Handelsschiffe passieren. Das führt dazu, dass sich die Reedereien Alternativrouten suchen müssen. Davon wiederum profitiert der Panamakanal.

Die künstliche Meeresstraße in Mittelamerika verbindet den Atlantik und den Pazifik. Zwar bedeutet das für viele Tanker und Containerschiffe einen deutlichen Umweg, aber immerhin kommt so die Ware ans Ziel. Die Kanalbetreiber in Panama profitieren von der Umlenkung der Warenströme.

Die Einnahmen des Panamakanals sind seit Beginn des Krieges mit dem Iran Ende Februar 2026 um 10 bis 15 Prozent gestiegen.

Víctor Vial, Finanzdirektor der Panamakanalbehörde (ACP)

Der Panamakanal ist insgesamt 82 Kilometer lang und verbindet den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean. Baubeginn war Ende des 19. Jahrhunderts. Seitdem wird die künstliche Wasserstraße, die eine langwierige Umfahrung Südamerikas überflüssig macht, regelmäßig ausgebaut, erweitert und für stets neue und größere Containerschiffe angepasst. Versuche von anderen mittelamerikanischen Ländern wie zuletzt Nicaragua, einen eigenen Kanal zu bauen und dem Panamakanal Konkurrenz zu machen, scheiterten an den hohen Kosten und den schwierigen geografischen Voraussetzungen.


Blick auf die Anlagen von Dow Chemical im Chemiepark Böhlen.

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Zahl der Durchfahrten ist gestiegen

Konkret bedeutet das: Die Zahl der täglichen Durchfahrten ist von durchschnittlich 34 vor dem Nahost-Konflikt auf 38 gestiegen. An manchen Tagen gibt es sogar 41 Durchfahrten. Jede dieser Durchfahrten ist für die Panamakanalbehörde (ACP) ein gutes Geschäft. Tanker zahlen bis zu vier Millionen Dollar, die Durchschnittspreise liegen allerdings unter einer Million Dollar.

Durch die Hormus-Blockade machen sich derzeit immer mehr Öltransporte aus den USA in Richtung Asien auf den Weg. Hauptabnehmer des Öls und LNG-Gases sind China, Japan und Südkorea. Die Zahl dieser Tankerdurchfahrten hat sich laut Panamakanalbehörde (ACP) durch die Hormus-Blockade auf nun fast 14 Fahrten pro Tag verdoppelt.

Die Verantwortlichen in Panama glauben daran, dass sich der strategische Vorteil angesichts der Unsicherheit im Nahen Osten auch in Zukunft auszahlen wird und investieren in die Infrastruktur des Kanals, berichtet Elisabeth Maigler Kluesserath, Projektleiterin Zentralamerika der Friedrich-Naumann-Stiftung in Mexiko-Stadt, auf Anfrage von ZDFheute.

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"Der geplante Interoceanic Energy Corridor ist eine 76 Kilometer lange Pipeline entlang des Kanals, die bis zu 2,5 Millionen Barrel Energieprodukte pro Tag zwischen Atlantik und Pazifik transportieren und gleichzeitig Schleusenkapazität für LNG-Tanker freisetzen soll", sagt sie.

Panama will diesen Vorteil langfristig ausbauen.

Elisabeth Maigler Kluesserath, Projektleiterin Zentralamerika, Friedrich-Naumann-Stiftung

US-Präsident Trump erhebt Ansprüche auf den Panamakanal

Für den Staatshaushalt Panamas sind die Kanaleinnahmen unverzichtbar. Die Kanalbehörde berichtet, dass der Nettogewinn im Geschäftsjahr 2024-2025 rund 4,1 Milliarden Dollar betrug. Wegen seiner strategischen Bedeutung erhob US-Präsident Donald Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit Ansprüche, den Panamakanal "für die USA zurückzuholen", weil die Wasserstraße inzwischen von China kontrolliert würde.

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Panamas Regierung wies den Vorwurf zurück. Inzwischen hat sich das Verhältnis verbessert, US-Truppen absolvieren in Panama Manöver zum Schutz des Kanals. Zudem fällte die Justiz im Land einige Urteile zu Hafenkonzessionen zu Ungunsten Chinas. Peking drohte zwischenzeitlich mit dem Abzug von Investitionen.

Für Panama eröffnen sich Möglichkeiten

Für Panama bedeuten die Mehreinnahmen eine Chance. Das Land nehme in Zentralamerika eine einzigartige Position ein, sagt Elisabeth Maigler Kluesserath. Steigende Ölpreise würden einerseits die Verbraucher belasten, aber gleichzeitig die Kanaleinnahmen nach oben treiben. Nun müsse sich das Land entscheiden, was mit den Zusatzeinnahmen geschehe.

"An diesem Scheideweg stellt sich die entscheidende Frage, ob die Regierung die zusätzlichen Einnahmen in marktwirtschaftliche Reformen lenkt - Diversifizierung des Energiemixes, Ausbau des Kanals als globaler Energiekorridor, fiskalische Disziplin - oder ob kurzfristige Interventionen den Weg nach vorn versperren", sagt Kluesserath von der Friedrich-Naumann-Stiftung.

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Über die Schließung der Straße von Hormus berichtete das heute journal am 10.05.2026 um 21:45 Uhr.

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