Iran-Krieg und gesperrte Pipeline:Hohe Preise für Bitumen: Straßenbau in Deutschland gebremst
von Sina Mainitz und Aurelius Haus
Die Bundesregierung will Straßen und Brücken sanieren. Auch durch den Iran-Krieg hat sich das dafür nötige Bitumen stark verteuert. Was das für unsere Infrastruktur bedeutet.
Der Iran-Krieg und eine geschlossene Pipeline führen zu einer Verteuerung bei Bitumen. Es wird aus speziellem Rohöl hergestellt und ist für den Straßenbau unerlässlich.
07.05.2026 | 0:46 minBitumen, ein Bindemittel für Asphalt, wird bei der Rohöl-Raffination gewonnen. Dazu brauche es allerdings spezielles Öl, erklärt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB): "Nur etwa zehn Prozent der Öle weltweit haben die Eigenschaften hierfür. Sie müssen besonders schwer sein." Durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus kommt es nun bei diesen Ölen zu Versorgungsengpässen.
Geschlossene Pipeline verschärft Problem
Besonders akut ist die Situation im Nordosten Deutschlands. Die PCK-Raffinerie in Schwedt ist dort für die Bitumen-Produktion vor allem auf das kasachische Rohöl angewiesen. Dieses wurde bisher durch die "Druschba"-Pipeline geliefert. Die Pipeline ist aber seit dem 1. Mai geschlossen.
Die "Druschba"-Pipeline ist eine Rohöl-Pipeline, durch die russisches und kasachisches Öl an europäische Raffinerien geliefert wird. Sie besteht aus zwei Strängen: Für Deutschland ist der Nordstrang wichtig, der bis zur PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt führt. Deutschland bezieht durch diese Pipeline kasachisches Öl. Die Pipeline steht aber unter russischer Kontrolle. Zum 1. Mai hat die russische Regierung die Weiterleitung des Öls durch die Pipeline eingestellt. Als Grund wurden technische Schwierigkeiten genannt.
Bitumen hat sich daher enorm verteuert. In Süddeutschland zum Beispiel sind die Preise laut Argus Media seit Februar 2026 von 330 Euro pro Tonne auf 640 Euro Ende April gestiegen.
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Ölpreis kräftig angestiegen. Was bedeutet das für die Inflation? WISO - Wirtschaft erklärt mit ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
13.03.2026 | 8:51 minBauindustrie fordert Nachverhandlung bei öffentlichen Aufträgen
HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller appelliert an die Bundesregierung, für den Notfall Vorsorge zu treffen. Denn die Gewinnmarge in der Bauwirtschaft liege nur bei drei bis fünf Prozent.
In laufenden Projekten, die bereits vor dem Ausbruch des Krieges beauftragt wurden, haben die Unternehmen zu Festpreisen ihre Projekte kalkuliert.
Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie
Nun gerieten Projekte in Schieflage, wenn Baufirmen mit dem Auftraggeber nicht nachverhandeln können, erläutert Müller.
Seit dem Angriff der USA auf Iran haben die Versorgungsengpässe und damit der Kostenanstieg einen großen Einfluss auf den Asphaltpreis, der je nach Bitumenanteil von 15 bis 30 Prozent reicht. Es brauche daher Preisgleitklauseln in öffentlichen Aufträgen rückwirkend zum 1. März 2026, sagt Müller. Mit solchen Klauseln, die es per Erlass schon anlässlich des Ukraine-Krieges gab, können Schwankungen bei Materialpreisen in laufenden Aufträgen berücksichtigt und der Preis angeglichen werden.
Die Folgen des Iran-Kriegs bremsen die deutsche Wirtschaft: Zwar wuchs das BIP im ersten Quartal um 0,3 Prozent - die Folgen des Krieges aber bremsen die Konjunktur.
30.04.2026 | 0:28 minifo Institut sieht "vorübergehenden Engpass"
Das ifo Institut an der Universität München zeichnet ein differenzierteres Bild. Laut Ludwig Dorffmeister, Experte für Bau- und Immobilienforschung, liegt aktuell eher ein "vorübergehender Engpass" vor. Umfragen zum Geschäftsklimaindex zeigen: Im April 2026 meldeten lediglich 10,4 Prozent der Firmen im Straßenbau Baubehinderungen durch Materialmangel. Zum Vergleich: Nach Beginn des Ukraine-Krieges im April 2022 lag dieser Wert mit 47,3 Prozent fast fünfmal so hoch.
Am 18. März jährte sich der Beschluss der Bundesregierung zum Sondervermögen: enorme Kredite für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz. Wie fällt die Bilanz aus und wer profitiert bislang?
17.03.2026 | 1:57 minNach Einschätzung Dorffmeisters gefährdet der Bitumenmangel den "Bauturbo" der Bundesregierung kaum, da dieser primär auf den Wohnungsbau abziele, Bitumen jedoch ein Schlüsselstoff für den Straßenbau sei.
Bitumen wird hauptsächlich im Straßenbau benötigt, um Asphalt zu binden. Doch auch im Hochbau ist es ein wichtiges Material. Bitumen kommt rund um Dichtungen und Isolation zum Einsatz; bei Schweißbahnen auf Dächern, als Klebstoff und Fugenmasse im Bereich von Brücken und Dämmen.
Instandhaltung von Verkehrswegen wichtig für Wirtschaft
Ähnlich wie das ifo Institut bewertet auch die Expertin für Verkehrswegebau, Plamena Plachkova-Dzhurova, die Lage als "kurzfristigen Engpass". Sie warnt jedoch vor der fehlenden Flexibilität der Branche. Aktuell gäbe es noch keine wirkliche Alternative zum Erdöl-Nebenprodukt Bitumen.
Der Einsturz der Carolabrücke in Dresden wurde zum Sinnbild für den Zustand der gesamten Infrastruktur. Wie schnell lässt sich Versäumtes aufholen?
02.10.2024 | 28:25 minDa das Investitionsvolumen der öffentlichen Hand kaum steigen dürfte, hält sie Verzögerungen und Projektverschiebungen für "sehr realistisch". Besonders problematisch sei dies für den Erhalt der Verkehrswege:
Unsere Infrastruktur stellt ein volkswirtschaftliches Vermögen von mehreren hunderten Milliarden Euro dar.
Prof. Plamena Plachkova-Dzhurova, Expertin für Verkehrswegebau, Frankfurt University of Applied Sciences
Der Zustand der Verkehrswege sei die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft, betont Plachkova-Dzhurova. Bei Asphaltpreisen, die durch das verteuerte Bitumen bereits um circa 20 Prozent gestiegen sind, drohe sich das bestehende Finanzierungsdefizit nun massiv zu verschärfen.
Sina Mainitz ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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