Mehr Schlaglöcher nach On-Off-Winter:Mit KI und Asphaltkocher gegen kaputte Straßen
von Peter Böhmer
Frost und Tauwetter im Wechsel - der Winter hat Deutschlands Straßen zugesetzt. Einige Kommunen setzen auf KI zur Schadenserkennung und heißen Asphalt, um Schlaglöcher zu stopfen.
Nach dem Winterwetter haben sich die Schlaglöcher auf den Straßen vermehrt. Viele Löcher werden nur provisorisch geflickt, weil das nötige Budget fehlt. Doch es gibt moderne Lösungsansätze.
28.02.2026 | 4:00 minEs gab einen Knall, das Auto sackte kurz ab, Sonja Fels war erschrocken. Sie bog auf einen Parkplatz ab und sah die Bescherung: der rechte Vorderreifen platt, die Felge beschädigt.
Sonja Fels war in Düsseldorf in ein tiefes Schlagloch gefahren. Sie machte von dem Loch ein paar Fotos. "Während ich da stand, rumpelten weitere Autos hinein. Einem Wagen passierte das Gleiche, der hatte dann auch einen platten Reifen." Sie postete ihre Fotos auf Facebook - prompt meldeten sich sechs Betroffene: Sie alle hatten an dieser Stelle ihr Auto kaputtgefahren.
Warum Frost und Tauwetter Straßenschäden verursachen
Der lange Winter mit häufigem Wechsel zwischen Minus- und Plusgraden hat das Schlagloch-Problem auf deutschen Straßen verschärft. Das Problem: Tagsüber bei Plusgraden kann Niederschlag durch kleine Risse in den Straßenbelag eindringen. Nachts bei Minusgraden gefriert dieses Wasser, das Eis dehnt sich aus.
"Tagsüber geht der Frost wieder raus, es bleiben Löcher zurück", sagt Olaf Neef von den Mönchengladbacher Straßenbetrieben.
Die Löcher werden dann von Autos überfahren und brechen ein. Das ist der Hauptgrund für die Schäden.
Olaf Neef, Straßenbetriebe Mönchengladbach
Mönchengladbach: Heißer Asphalt stopft Straßenlöcher
In Mönchengladbach sind sie mit mehreren Trupps beschäftigt, die Löcher zu stopfen. Sie setzen dabei auch auf eine neuartige Methode: Ein "Gussasphaltkocher" erhitzt das Material auf 230 Grad Celsius, dann wird es wie flüssiger Klebstoff in die Löcher gegossen.
Straßenbaumeister Tim Wagner fährt mit seinen Kollegen durch die Straßen und flickt:
Dadurch, dass der Asphalt flüssig aufgetragen wird, verdichtet er sich praktisch selber.
Tim Wagner, Straßenbaumeister
"Das heißt, der ist am Ende hohlraumarm und verformungsresistent, das macht ihn langlebiger." Und dann müssen sie eben nicht mehr so oft nachreparieren, wie es beim herkömmlichen "Kaltasphaltverfahren" der Fall ist.
Straßenschäden mit Hilfe von KI erkennen
In anderen Städten wird schon Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt, um Straßenschäden zu erkennen, in Herne etwa. In drei Fahrzeugen der Müllabfuhr klebt im Führerhaus eine Kamera an der Scheibe - diese scannt sozusagen während der Mülltour die Straße. Die Fahrzeuge haben auch ein GPS an Bord. Die Bilder werden dann über eine spezielle KI-Software analysiert.
Die Software bewertet den Straßenzustand und teilt Schäden nach Dringlichkeit ein. Durch die Daten des GPS entsteht am Computer ein kartografischer Überblick über das gesamte Straßennetz.
Der Roboterhund Spot sucht an der Unterseite der Hamburger Köhlbrandbrücke mithilfe von Kameras und Sensoren nach Schadstellen. Mit 30-fachem-Zoom erstellt er hochauflösende Fotos der vielbefahrenen Brücke.
06.10.2025 | 2:04 min"Wir haben so eine sehr regelmäßige Bewertung unseres gesamten Netzes, und alle drei bis vier Wochen neue Bilder unserer Straßenoberflächen", sagt Winona Grimsehl-Schmitz von der Abteilung Straßenbau der Stadt Herne. Die Kameraanalyse ist günstiger und effektiver als wenn das Personal der Stadt durch die Straßen läuft.
Sanierungsrückstand bei Straßen wird immer größer
Neue Ideen bei der Sanierung sind wichtig und nötig, denn die Probleme wachsen für die klammen Kommunen. Laut des jährlichen Kommunalpanels der Kreditanstalt für Wiederaufbau lag der Sanierungsrückstand im Straßenbau im letzten Jahr bei 53 Milliarden Euro, 2023 hatte er noch bei 38 Milliarden gelegen.
Wenn Kommunen sparen müssen, spüren Bürger die Folgen: weniger Angebote, marode Straßen und erhöhte Kosten. Wie wirkt sich das auf das Vertrauen in Staat und Demokratie aus?
01.12.2025 | 2:29 minDie Haushaltsdefizite der Kommunen werden immer größer. "Gleichzeitig steigen insbesondere die Ausgaben für soziale Leistungen und Personal dynamisch weiter", heißt es beim Städte- und Gemeindebund. Das Sondervermögen der Bundesregierung könne da die Probleme nur abmildern, "es löst aber nicht das strukturelle Problem dauerhaft unterfinanzierter kommunaler Haushalte".
Haften Kommunen für Schäden durch Schlaglöcher?
Das mag vielleicht erklären, warum Menschen wie Sonja Fels unverhofft in tiefe Schlaglöcher brettern. Sie ist sauer auf die Stadt und will klagen: "Weil es mich maßlos ärgert. Das ist einfach eine Sache, die vermeidbar gewesen wäre, wenn da so ein Riesenloch existiert. Das hätte man reparieren können."
Die Stadt Düsseldorf ist für die Straße verantwortlich und hat damit die "Verkehrssicherungspflicht", muss die Straße also in einem verkehrssicheren Zustand halten. Sie müsste aber auch Kenntnis haben von dem Loch, und da ist der Nachweis einer Pflichtverletzung nicht so einfach zu führen. Beim ADAC heißt es dazu:
Wenn das Schlagloch sehr kurzfristig entstanden ist und die Gemeinde nach Kenntniserlangung umgehend gehandelt und die Straße repariert hat, kann eine Haftung ausscheiden.
ADAC
Sonja Fels hatte nach dem Vorfall die Polizei angerufen, und die hatte die Stadt Düsseldorf kontaktiert. Das Loch wurde noch am selben Tag, samstagabends, repariert.
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