Lebensmittel, Kleidung, ÖPNV und Co.:Durch Iran-Krieg: Fünf Dinge, die für uns teurer werden
von Klaus Weber
Noch ist die Straße von Hormus nicht wieder frei zugänglich. Doch es gibt immer wieder Friedens-Gerüchte. Warum unser Alltag aber selbst nach Kriegsende teurer wird.
Im Supermarkt und an der Zapfsäule steigen die Preise. Was ist da los? MrWissen2go Mirko Drotschmann erklärt, wie die hohen Preise in Deutschland mit dem Iran-Krieg zusammenhängen.
16.04.2026 | 9:52 minDie Folgen des Kriegs in Iran werden uns noch lange beschäftigen, weil Alltagsprodukte in Deutschland knapp oder teuer werden. Die folgenden fünf sind besonders stark betroffen.
Motoröl
Alle reden von Kerosin oder Benzin, dabei wird auch Basisöl knapp. Daraus werden durch Beimischung verschiedener Zusätze Motoröle hergestellt. Jeder Autohersteller braucht sie bei der Erstbefüllung von Motoren, aber auch Verbraucher benötigen sie immer wieder.
Die Schließung der Straße von Hormus führt auf dem Welt-Markt für chemische Produkte zu einer Art "Wildwest-Mentalität", so der Unternehmer Arnold Mergell. Was hilft dagegen?
10.05.2026 | 2:34 minLaut Gabriella Twining, Expertin für Basisöle bei Argus Media, beliefern einige große Ölraffinerien die Automobilhersteller derzeit schon nicht mehr mit Motorölen oder Schmierstoffen. Im schlimmsten Fall wird deshalb also nicht nur der private Ölwechsel teurer, die gesamte Autoindustrie könnte ihre Produktion zurückfahren.
Auch der komplette Logistiksektor inklusive ÖPNV ist auf Basisöle angewiesen. Twining glaubt, dass Lagertanks in Europa "bereits Ende Mai oder Anfang Juni" leerlaufen könnten. Sollte es dann keinen Nachschub mehr geben, könnten Bus und Bahn öfter ausfallen und schlussendlich auch teurer werden.
Die Preise an deutschen Tankstellen bleiben hoch - und die Ölkonzerne verdienen kräftig mit. Denn in Deutschland haben wenige Großkonzerne eine große Marktmacht, etwa im Bereich der Raffinerien.
14.04.2026 | 8:38 minLebensmittel
Ein großer Teil des weltweiten Düngemittelhandels wird über den Persischen Golf abgewickelt. Die Preise vor allem für Stickstoffdünger sind stark gestiegen. Obwohl Deutschland seine Düngemittel nicht direkt aus der Krisenregion bezieht, spüren unsere Landwirte die Folgen der globalen Marktmechanismen.
Bauernpräsident Joachim Rukwied warnte vor einer Kettenreaktion: Aufgrund der hohen Düngemittelpreise könnten in der Landwirtschaft die Erntemengen zurückgehen. Und damit Preise für Lebensmittel steigen.
Düngemittel werden deutlich teurer: Der Iran-Krieg verteuert Erdgas und stört Lieferketten. Ein Landwirt zeigt, was das für Betriebe bedeutet – und warum Lebensmittelpreise steigen könnten.
23.03.2026 | 3:54 minHandelsprofessor Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg erwartet die Teuerung vor allem bei Obst und Gemüse, gekühlten Produkte oder Frischfisch.
Sollte es zu weiteren geopolitischen Eskalationen oder Störungen zentraler Handelsrouten kommen, sind vor allem importabhängige und energieintensive Produkte betroffen.
Prof. Carsten Kortum, Duale Hochschule Baden-Württemberg
Mit leeren Regalen müsse man aber nicht rechnen. Eher mit einer weiteren Teuerungswelle, so Kortum.
Der SPD-Wirtschaftsflügel will die Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel abschaffen - damit die Teuerung bei Energie und Lebensmitteln entschärft wird.
04.04.2026 | 1:42 minAluminium für Verpackungen
Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) kamen im vergangenen Jahr etwa 18 Prozent aller EU-Importe von Primäraluminium aus der Golfregion. Auch wenn Experten der BGR aktuell noch keinen Mangel sehen, gehört Aluminium zu einer Reihe von Rohstoffen, deren Preis in jüngster Vergangenheit enorm angestiegen ist.
Aluminium ist Teil der EU-Liste kritischer und strategischer Rohstoffe. Es ist für die Automobil- und Luftfahrtindustrie, aber auch zahlreiche weitere Branchen von zentraler Bedeutung. Teurere Autos, Fahrräder oder E-Bikes, aber auch höhere Preise für Getränkedosen, Fensterrahmen oder Verpackungen könnten Folgen für die Verbraucher sein.
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Ölpreis kräftig angestiegen. Was bedeutet das für die Inflation? WISO - Wirtschaft erklärt mit ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
13.03.2026 | 8:51 minHelium für Elektronikgeräte und Kühlung
Rund 40 Prozent des in der EU genutzten Heliums stammen aus Katar. Ersatzquellen sind kaum verfügbar. Die Preise für Helium steigen seit Wochen weltweit stark an, ein Ende ist nicht in Sicht.
In der Halbleiter- und Glasfaserproduktion könne es deshalb rasch zu Engpässen kommen. Am Ende dieser Entwicklung stünden höhere Preise für Elektronikgeräte. Indirekt wäre auch der Gesundheitsbereich betroffen, denn in Krankenhäusern wird Helium für die Kühlung von MRT-Geräten benötigt, so Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.
Smartphones, Windräder, Roboter – überall stecken Seltene Erden. Wie kann die deutsche Wirtschaft auf neue Quellen und Materialien setzen?
20.10.2025 | 3:59 minNaphta für Kunststoffe und Kleidung
Naphta, auch als Rohbenzin bekannt, bestimmt einen Großteil unseres Alltags. Es steckt in Kunststoffen, Farben, Medikamenten, Lösungsmitteln, Verpackungen oder auch in Kleidung aus Kunstfasern. "Obgleich Deutschland über seine Raffinerien Naphta auch selbst herstellt, importiert es in signifikantem Umfang Naphta aus dem Ausland", erklären Fachleute der BGR. "Preissteigerungen all jener oben genannten Produkte beziehungsweise Produktderivate wären absehbar", glauben sie.
Ökonom Oliver Holtemöller sieht erst einmal keinen Versorgungsengpass, jedoch ebenfalls eine Teuerung.
Alles, was transportiert werden muss, wird teurer werden. Der Ölpreisschock wird seinen Weg durch die Lieferverflechtungen bis zum Endkunden finden.
Prof. Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle
Grundsätzlich gilt bei allen Produkten: Sind die Lieferketten erst mal gestört, lassen sie sich nicht auf Knopfdruck wieder in Gang setzen. Lieferengpässe halten noch eine Weile an.
Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen
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