Iran-Krieg: Wie der Krieg in Nahost deutsche Landwirte belastet

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vor 17 Minuten

Bauern unter Druck:Wie der Krieg in Nahost deutsche Landwirte belastet

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Viele Landwirte in Deutschland kämpfen mit den Folgen des Iran-Kriegs. Nicht nur die hohen Spritpreise bereiten ihnen Probleme, sondern auch gestiegene Kosten bei Düngemitteln.

Helene Reiner in "heute journal - der Podcast"

Drei Wochen dauert der Krieg im Nahen Osten nun an – und die Folgen könnten wir bald auch im Supermarkt spüren. Warum macht der Krieg Lebensmittel teurer?

19.03.2026 | 30:42 min

Dass der Einkauf im Supermarkt teurer geworden ist, merken die Kunden in Deutschland schon seit Jahren. Angesichts des anhaltenden Iran-Kriegs wächst die Sorge, dass die Lebensmittelpreise weiter steigen.

Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm (WFP) warnen bereits, dass durch den Krieg und die damit verbundene Blockade der Straße von Hormus Millionen Menschen von Hunger bedroht sind. Grund dafür sind neben den hohen Sprit- und Energiekosten auch die Düngemittel, die zahlreiche Golfstaaten produzieren.

Das merkt auch Landwirtin Lisa Dinger aus Baden-Württemberg. Die Preise für den mineralischen Dünger hätten sich in den letzten paar Wochen enorm erhöht, berichtet sie im ZDF heute journal Podcast. Die gestiegenen Spritpreise belasten Landwirte zusätzlich, so Dinger.

Iran-Krieg: Auch wer keinen Dünger aus Kriegsregion bezieht, zahlt mehr

Mineralische Dünger basieren unter anderem auf Stickstoff, erklärt Agrarökonomin Bettina Rudloff im heute journal Podcast. Und einige Golfstaaten exportieren selbst diese Stickstoffdünger, sind jetzt jedoch durch die Blockade der Straße von Hormus ausgebremst.

Gleichzeitig werde die Produktion des Düngers auch durch die gestiegenen Energiekosten teurer. Deswegen merken den Preisanstieg auch die Länder, die gar nicht aus der Golfregion beziehen, sagt Rudloff.

Dr. Moritz Brake im Vordergrund mittig im Bild und im Hintergrund ein Satellitenbild von der Straße von Hormus.

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Wie stark die Landwirtschaft unter den hohen Kosten leide, sei von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich, erklärt die Expertin. Jedoch spiele Stickstoffdünger in Deutschland nur eine anteilige Rolle, weshalb die Kosten hier nicht so stark gestiegen seien wie anderswo. Dennoch: Landwirte, die aktuell Dünger kaufen müssen, zahlen 20 bis 30 Prozent mehr.

Allerdings: Nach der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 seien die Preise für Dünger, aber auch für Getreide deutlich stärker in die Höhe geschossen, so Rudloff: "Auf diesem hohen Preisniveau sind wir derzeit nicht".

Die Karte zeigt die Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen Oman, den VAE und Iran. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und verflüssigten Gases (LNG) muss durch die Straße von Hormus.

Was macht der Iran-Krieg mit den Lebensmittelpreisen?

Ob die gestiegenen Produktionskosten auch die Kunden zu spüren bekommen werden, lasse sich derzeit nur schwer abschätzen, sagt Rudloff. Das sei in erster Linie davon abhängig, wie lange der Krieg und auch die Blockade der Straße von Hormus andauert, "davon hängt nämlich ab, wie stark überhaupt weiter die Düngemittelpreise und auch die Energiekosten vor allem steigen".

Von den gestiegenen Produktionskosten in der Landwirtschaft lasse sich derzeit auch nur schwer ableiten, ob bestimmte Lebensmittel teurer werden könnten, da der Lebensmittelhandel seine eigene Preiskalkulation mache. Handelsexperten gehen grundsätzlich davon aus, dass einige Lebensmittelpreise in Folge des Iran-Kriegs steigen.

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Weltweit Millionen Menschen von Hunger bedroht

Klar ist, dass die Situation in Deutschland wesentlich sicherer ist als in vielen anderen Teilen der Welt. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnt, dass 45 Millionen Menschen zusätzlich von akutem Hunger bedroht seien, sollte der Krieg bis Juni andauern. Für Länder mit wenig Einkommen "ist jeder Prozentpunkt, der teurer wird, ein großes Risiko", erklärt Rudloff.

Bleiben etwa Lieferungen von Düngemitteln aus, sei das ein Risiko für die Ernte. Das betreffe nicht nur den afrikanischen Kontinent, sondern auch Asien, etwa Länder wie Indien und China.

Das Interview führte Christoph Wiesel-Lancé, zusammengefasst hat es Marie Ahlers.

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Über dieses Thema berichtete der heute journal Podcast am 19.03.2026 um 21:18 Uhr.

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