Massive Schäden an Gasanlagen in Katar:Angriff auf South Pars: Droht jetzt weltweite Gasknappheit?
von Oliver Klein
Im Irankrieg haben Angriffe auf Gasanlagen schwere Schäden verursacht. Warum ist das Gasfeld South Pars so wichtig? Welche Auswirkungen können die Schäden haben?
Iran reagiert mit Gegenschlägen auf Angriffe auf seine Gasanlagen. Der Ölpreis steigt deutlich, während die USA mit weiteren Angriffen drohen.
19.03.2026 | 2:18 minNach Israels Angriff auf das Gasfeld South Pars am Mittwoch kam umgehend die Rache Teherans: Iran attackierte mehrere Flüssiggasanlagen in Katar, im Industriegebiet Ras Laffan. Dort wird das Nord-Gasfeld ausgebeutet - der Teil von South Pars, der auf dem Gebiet von Katar liegt. Die Anlagen seien schwer beschädigt worden, wie der Betreiber Qatar Energy auf der Plattform X mitteilte. Das Innenministerium erklärte später, die Brände seien unter Kontrolle gebracht worden.
Die Konsequenzen wurden sofort deutlich: Öl- und Gaspreise schnellten in die Höhe, Börsenwerte gaben nach. Warum ist das Gasfeld South Pars so wichtig für die globale Wirtschaft? Welche Auswirkungen können die Schäden haben - droht sogar eine weltweite Rezession? ZDFheute mit einem Überblick.
Vor dem EU-Gipfel bekräftigt Kanzler Merz im Bundestag seine Kritik am Krieg der USA und Israels gegen Iran – und schließt eine deutsche Militärbeteiligung erneut klar aus.
18.03.2026 | 2:31 minWas ist South Pars?
South Pars ist das größte bekannnte Gas-Reservoir der Erde. Das gewaltige Unterwasserfeld liegt im Persischen Golf, etwa zwei Drittel davon liegen auf dem Gebiet von Katar, ein Drittel auf dem Gebiet Irans. Das gesamte Reservoir enthält so viel Gas, dass der gesamte weltweite Bedarf 13 Jahre lang damit gedeckt werden könnte.
Warum ist das Gasfeld so bedeutend?
Sowohl für Iran als auch für Katar ist die Gasproduktion überlebenswichtig. Über den Teil in Katar, das Nordfeld, kommen Analysten zufolge rund 20 Prozent der weltweiten Flüssiggas-Exporte. Außerdem exportierte Katar nach Angaben der Deutschen Rohstoffagentur zuletzt rund 40 Prozent des weltweit gehandelten Heliums.
Für Iran ist South Pars ähnlich bedeutsam - es liefert rund 80 Prozent der iranischen Gasversorgung. Wegen der Sanktionen und technischer Beschränkungen nutzt das Land das Gas fast ausschließlich für den heimischen Verbrauch.
Die EU-Staats- und Regierungschefs beraten über Maßnahmen zur Senkung der explodierenden Energiepreise. Wie einig sich die Staaten beim Thema Iran-Krieg sind, schätzt ZDF-Korrespondent Stamm ein.
19.03.2026 | 1:12 minWelche Konsequenzen haben die Angriffe?
Genau diese Anlagen zur LNG- und Heliumproduktion in Ras Laffan wurden durch die iranische Drohnenattacke nun schwer beschädigt, die Produktion komplett eingestellt. In der Folge schnellte der Gaspreis zwischenzeitlich um 35 Prozent in die Höhe. Auch Öl verteuerte sich massiv: Ein Barrel der Nordseesorte Brent legte am Donnerstag um über zehn Prozent auf mehr als 119 Dollar zu.
Welche Auswirkungen hat das auf den Weltmarkt?
Der Weltmarkt ist durch den Krieg ohnehin bereits angespannt, die Versorgung mit Öl und Gas gestört, weil die Schifffahrt in der Straße von Hormus unter iranischem Beschuss praktisch eingestellt wurde. Die Golfstaaten können ihr Öl nicht abtransportieren und mussten ihre Produktion bereits deutlich reduzieren.
Bundesinnenminister Dobrindt kann sich einen deutschen Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus vorstellen - etwa beim Minenräumungseinsatz. Allerdings erst nach Ende des Krieges, sagte er.
19.03.2026 | 0:24 minAuch die Landwirtschaft ist betroffen: Erdgas ist der wichtigste Rohstoff für die Produktion von Stickstoffdünger. Lieferengpässe bei Helium treffen wiederum die Halbleiterindustrie: Das Gas ist für die Produktion von Computerchips unverzichtbar. Anders als andere Gase kann Helium nicht synthetisch hergestellt werden.
Experten befürchten nun eine dauerhafte, weltweite Energieknappheit, wenn die Schäden in Ras Laffan nicht schnell behoben werden können. Man sei an einem Wendepunkt des Krieges angelangt, erklärte Jörg Rocholl, Präsident der Internationalen Wirtschaftshochschule ESMT Berlin, im ZDF-Morgenmagazin.
"Wahrscheinlichkeit einer Rezession steigt deutlich", so Prof. Jörg Rocholl, Präsident der Internationalen Wirtschaftshochschule ESMT Berlin. Energie sparen sei "der erste Schritt".
19.03.2026 | 4:35 minEs sei klar gewesen, dass es Zeit brauchen würde, die Infrastruktur nach dem Krieg wieder hochzufahren. "Nur wenn sie dann auch noch zerstört ist, dann sind die Folgen noch viel gravierender." Dadurch steige das Risiko einer weltweiten Rezession.
Deshalb ist es eine wirklich zutiefst besorgniserregende Situation.
Prof. Jörg Rocholl, Präsident der Internationalen Wirtschaftshochschule ESMT Berlin
Auch Saul Kavonic, Energieanalyst bei der Finanzberatung MST Financial, warnte in der "Financial Times": "Selbst wenn der Krieg endet, könnten die Auswirkungen auf das Angebot Monate oder sogar Jahre anhalten, während Reparaturen durchgeführt werden."
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