Stark gestiegene Spritpreise: Reicht das Paket der Koalition?

Stark gestiegene Spritpreise:Preissprung an der Zapfsäule: Reicht das Koalitionspaket?

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Der Iran-Krieg treibt die Spritpreise nach oben. Die Koalition reagiert mit einem Maßnahmen-Paket - und schließt weitere Schritte nicht aus. Wirtschaftsverbände hingegen warnen.

Katherina Reiche hält eine Rede während einer Debatte im deutschen Bundestag in Berlin

Der Bundestag berät ein Paket gegen steigende Spritpreise. Geplant sind strengere Kartellregeln, Tageslimits für Preissteigerungen und stärkere Kontrolle der Tankstellen.

19.03.2026 | 1:14 min

Seit knapp drei Wochen hält der Iran-Krieg an, die Spritpreise sind stark gestiegen - und steigen noch immer. Die Koalition reagiert mit einem Maßnahmen-Paket. Was aber passiert, wenn der Krieg noch länger andauert und es an der Tankstelle weitere Preisschocks gibt?

Dann könnte der Druck auf die schwarz-rote Koalition steigen, spürbare Entlastungen für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen auf den Weg zu bringen.

Gestiegene Spritpreise - Koalition reagiert mit Maßnahmenpaket

Seit dem Beginn des Iran-Kriegs ist Diesel nach Daten des ADAC um 42 Cent teurer geworden, Superbenzin der Sorte E10 um knapp 27 Cent. Zuletzt hat sich der Anstieg zwar verlangsamt. Dennoch plant die deutsche Regierung, Verbraucher zu entlasten. Dafür brachte sie am Donnerstag ein Maßnahmenpaket im Bundestag ein.

Demnach sollen Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag, mittags um 12 Uhr, die Preise erhöhen dürfen. Preissenkungen sollen immer möglich sein. Die Koalition verspricht sich von der Änderung nach österreichischem Vorbild mehr Verlässlichkeit durch weniger Preiserhöhungen. Umstritten aber ist, ob die neue Regel wirklich preisdämpfend wirkt.

Spritpreise: Regierung erhöht den Druck

In Berlin beraten Politik und Mineralölkonzerne über hohe Spritpreise - ohne Ergebnis. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigt nun strengere Regeln an, um den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen.

17.03.2026 | 2:39 min

Kommen zusätzliche Schritte?

Abgeordnete der Regierungsfraktionen deuteten mögliche weitere Maßnahmen an. "Wenn die Krise anhält, werden wir nachsteuern", sagte SPD-Fraktionsvize Armand Zorn, der versprach:

Wenn die Preise hoch bleiben, wenn sich der Druck auf andere Güter wie Lebensmittel und Energie weiter überträgt, dann werden wir handeln.

Armand Zorn, stellvertretender Bundestags-Fraktionsvorsitzender SPD

Zorn leitet gemeinsam mit Unions-Fraktionsvize Sepp Müller eine von den Koalitionsfraktionen eingesetzte Taskforce. CDU-Mann Müller warf Mineralölkonzernen Preistreiberei vor. In einer Sitzung der Taskforce am Montag hätten Vertreter von Konzernen nicht beantwortet, warum die Spritpreise in Deutschland im europäischen Vergleich am stärksten gestiegen seien.

Sitzung der Koalitions-Taskforce zu Spritpreisen

Die Fraktionen von Union und SPD sehen mit Blick auf die hohen Spritpreise vor allem die Mineralölkonzerne in der Pflicht. Künftig sollen diese Preissteigerungen begründen müssen.

16.03.2026 | 2:48 min

Die Mineralölbranche wehrte sich: Die Margen hätten sich seit Beginn des Kriegs nicht verändert, wie Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie, am Montag beteuerte.

Debatte um Übergewinnsteuer

Die vorgeschlagene Begrenzung auf eine Preiserhöhung pro Tag stammt aus dem Ressort von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Sie höre zwar alle Forderungen nach einer Benzinpreisbremse, einem Tankrabatt oder einer "Übergewinnsteuer". Man müsse aber überlegen, welche Kosten eine Maßnahme verursache und was der Nutzen sei.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) lässt eine Übergewinnsteuer, ähnlich wie es sie zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und die dadurch ausgelöste Energiekrise gab, derzeit ergebnisoffen prüfen. Damals wurde der Teil der Gewinne, die im Vergleich zu Vorjahren den Durchschnittsgewinn um 20 Prozent überstiegen, mit 33 Prozent belastet. Das brachte dem Staat Milliarden ein.

SGS-Neuhann-Hayali

"Dass jetzt die Preise auf großer Front sinken werden, das ist nicht zu erwarten", so ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann zu den geplanten Maßnahmen gegen hohe Spritpreise.

16.03.2026 | 4:26 min

Wirtschaft kritisiert Pläne um Kartellrecht

Das von der Bundesregierung vorgeschlagene Spritpaket sieht auch eine Verschärfung des Kartellrechts vor. Dabei geht es darum, die Beweislast umzukehren: Unternehmen sollen künftig darlegen müssen, dass Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt sind. Dadurch soll es für das Kartellamt leichter werden, gegen überhöhte Spritpreise vorzugehen.

Gegen diese Neuregelung gibt es Kritik aus der Wirtschaft: Der Vorschlag werfe verfassungsrechtliche Fragen auf. "Das Bundeskartellamt bekäme damit faktisch weitreichende Befugnisse zur Marktgestaltung", sagte Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie.

Die Bundesregierung ist dabei, in einem überstürzten Eilverfahren tiefgreifende und riskante Eingriffe in das Wettbewerbsrecht auf den Weg zu bringen.

Holger Lösch, Bundesverband der Deutschen Industrie

Stephan Wernicke, Justiziar der Industrie- und Handelskammer DIHK, kritisierte: "Die geplante Gesetzesänderung schafft eine in der freien Marktwirtschaft bislang unbekannte und auch nicht gewollte Möglichkeit: Ein Marktdesign durch Behörden."

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete heute - in Deutschland am 19. März 2026 um 14 Uhr.   

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