"Abzocke"? Das plant die Regierung gegen zu hohe Spritpreise

Wegen Iran-Krieg:"Abzocke"? Das plant Berlin gegen zu hohe Spritpreise

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Die Spritpreise sind wegen des Iran-Kriegs gestiegen - zu stark? Deutsche Politiker werfen Mineralölkonzernen "Abzocke" vor, Berlin will nun gegensteuern - das sind die Maßnahmen.

ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer

Die Bundesregierung will unter anderem das Kartellrecht verschärfen, um die stark gestiegenen Spritpreise im Zaum zu halten. Eine Einschätzung von Andrea Maurer.

15.03.2026 | 1:00 min

Als Reaktion auf die deutlich gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Kriegs hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Geplant ist eine Verschärfung des Kartellrechts, um die Spritpreise im Zaum zu halten. Politiker hatten Mineralölkonzernen "Abzocke" vorgeworfen. Zudem sollen Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen - und zwar um 12 Uhr.

Für entsprechende Gesetzesänderungen wurde, so die Bundesregierung, die Ressortabstimmung eingeleitet. Warum der Iran-Krieg schuld ist an den Preiserhöhungen und was Berlin dagegen tun will - eine Übersicht:

Iran-Krieg macht Tanken teurer

Der Schiffsverkehr auf der Straße von Hormus, einer Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, ist durch eine Blockade Irans nahezu zum Erliegen gekommen.

Die Karte zeigt die Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen Oman, den VAE und Iran. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und verflüssigten Gases (LNG) muss durch die Straße von Hormus.

Das treibt die Ölpreise in die Höhe. In Deutschland seien die Spritpreise besonders stark gestiegen, hatte der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, gesagt. Das gehe aus Daten der EU-Kommission zu den Kraftstoffpreisen in den 27 Mitgliedsstaaten hervor.

Dass die Preisanstiege in Deutschland deutlich stärker ausfallen als im europäischen Durchschnitt, ist ein Hinweis darauf, dass wir strukturelle Probleme im Mineralölmarkt anpacken müssen.

Tommaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission

Andreas Klinner im Gespräch mit ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann

Wenn die Ölpreise steigen, steigen die Spritpreise wie eine Rakete nach oben - wenn sie wieder fallen, sinken die Preise nur langsam.

04.03.2026 | 2:24 min

Einmal-Täglich-Regel

Nach österreichischem Vorbild sollen Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, die Preise erhöhen dürfen, wie die Regierung bereits angekündigt hatte. Preissenkungen sollen jederzeit möglich sein. Verstöße könnten mit Bußgeldern bis zu 100.000 Euro geahndet werden, wie es aus Regierungskreisen hieß.

Christian Siervers im Schaltgespräch mit Tomaso Duso

In Deutschland sind die Spritpreise stark gestiegen. Das liege daran, dass fünf große Unternehmen "die Wertschöpfungskette dominieren", sagt der Chef der Monopolkommission, Duso.

11.03.2026 | 5:40 min

Die neue Regel solle für mehr Transparenz und weniger kurzfristige Preissprünge an der Zapfsäule sorgen. Allerdings ist umstritten, ob die neue Regel wirklich preisdämpfend wirkt.

Kartellrecht soll verschärft werden

Konkret geht es um die Missbrauchsaufsicht im Kraftstoffsektor. Dem Bundeskartellamt soll ermöglicht werden, einfacher gegen marktbeherrschende Unternehmen aus dem Kraftstoffbereich vorzugehen, wenn Hinweise auf unangemessen hohe Preise vorliegen.

Wie es aus Regierungskreisen hieß, soll sich bei stark steigenden Preisen künftig die Beweislast umkehren: Unternehmen müssten darlegen, dass ihre Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt seien. Dadurch solle es für Kartellbehörden deutlich leichter werden, gegen überhöhte Preise vorzugehen. Vorbild sind Regelungen im Strom- und Gasmarkt.

Kein Ende in sicht-taeglich neue Hoechsstaende beim Tanken

Mancherorts könnte der Liter Sprit bald drei Euro kosten – ein möglicher Rekord. Gleichzeitig geraten Mineralölkonzerne ins Visier der Politik.

10.03.2026 | 1:40 min

Außerdem sollen sogenannte Sektoruntersuchungen des Bundeskartellamts beschleunigt werden. Das Ziel: Wettbewerbsstörungen sollen künftig schneller festgestellt und Abhilfemaßnahmen schneller umgesetzt werden können.

Handlungsfähigkeit des Kartellamts soll gestärkt werden

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte bereits angekündigt, die Regierung prüfe eine Verschärfung der Missbrauchsaufsicht des Kartellamts beim Kraftstoffsektor, die zu verschärften Kontrollen bei Kosten und Preisen führen solle.

undesministerin fuer Wirtschaft und Energie Katherina Reiche (CDU) spricht am Rednerpult

Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) reagiert auf steigende Spritpreise und will Ölreserven freigeben. Außerdem sollen Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich anheben dürfen.

11.03.2026 | 2:34 min

SPD-Fraktionsvize Armand Zorn sagte, das Kartellrecht müsse nachgeschärft werden - "damit die Mineralölkonzerne nicht infolge der Krise auf dem Rücken der Verbraucher ihre Gewinne steigern können".

Taskforce tagt - Politiker fordern weitergehende Schritte

Politiker von Union und SPD fordern weitergehende Maßnahmen. So sprach sich Zorn für die Einführung einer "Spritpreisbremse" aus: "Die Preise für Benzin und Diesel dürfen nicht stärker steigen als der Rohölpreis."

Symbolbild: Eine Frau tankt an einer Tankstelle.

Angesichts der weiter steigenden Spritkosten fordert Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze eine Senkung der Energiesteuer. Etwa in Form einer Steuerbremse beim Tanken.

15.03.2026 | 0:20 min

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) forderte in der "Bild"-Zeitung, die Energiesteuer zu verringern, bis sich der Markt wieder normalisiert habe. Am Montag tagt in Berlin eine von der Koalition eingesetzte Taskforce zu den steigenden Preisen.

Erwartet werden neben dem Präsidenten des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, auch Vertreter von Mineralölkonzernen. Die Federführung für die Arbeitsgruppe liegt bei Zorn sowie Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU).

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichten viele aktuelle Sendungen im ZDF, unter anderem die heute-Sendung am 14.03.2026 ab 19:00 Uhr sowie die heute Xpress am 15.03.2026 ab 9:00 Uhr.

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