Reaktion auf hohe Spritpreise:Deutschland gibt Ölreserven frei - Tankregelung geplant
Die Bundesregierung plant, einen Teil der Ölreserven des Landes freizugeben. Außerdem ist geplant, dass Spritpreis-Erhöhungen an Tankstellen bald nur einmal täglich möglich sind.
Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) reagiert auf steigende Spritpreise und will Ölreserven freigeben. Außerdem sollen Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich anheben dürfen.
11.03.2026 | 2:34 minDeutschland gibt einen Teil der nationalen Ölreserven frei. Hintergrund sind die wegen des Iran-Kriegs deutlich gestiegenen Öl- und Spritpreise. Die G7-Staaten hatten deshalb über eine Freigabe von Reserven beraten. Mit dem Schritt erhofft man sich eine Beruhigung der Märkte und dass der durch den Krieg ausgelöste rasante Ölpreisanstieg abgefedert wird.
Die IEA hatte am Dienstag wegen der angespannten Lage an den Ölmärkten eine Sondersitzung abgehalten. Es gehe darum, die aktuelle Versorgungssicherheit und die Marktbedingungen zu beurteilen, was Einfluss auf eine folgende Entscheidung über die mögliche Freigabe von nationalen Ölreserven habe, hieß es von der IEA. Agenturchef Fatih Birol habe das Treffen mit den Regierungen der IEA-Mitgliedstaaten einberufen.
Gegen die hohen Spritpreise plant die Regierung neue Maßnahmen. Sie will nur noch eine Preiserhöhung pro Tag erlauben und teilweise Ölreserven freigeben. ZDFheute live analysiert.
11.03.2026 | 21:37 minIEA gibt Rekordmenge an Öl frei
Am Mittwoch dann haben die 32 Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) einstimmig die Freigabe von 400 Millionen Barrel Öl aus ihren strategischen Reserven beschlossen. Das ist die größte Menge in der Geschichte der Organisation. Sie übertrifft die Freigabe von knapp 183 Millionen Barrel nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 deutlich.
400 Millionen Barrel entsprächen in etwa der Menge, die vor dem Krieg innerhalb von 20 Tagen durch die Straße von Hormus transportiert wurde. Weiter hieß es, dass 19,5 Millionen davon aus den deutschen Reserven kommen sollen. Das wäre rund ein Fünftel der Vorräte hierzulande.
In Deutschland sind die Spritpreise stark gestiegen. Das liege daran, dass fünf große Unternehmen "die Wertschöpfungskette dominieren", sagt der Chef der Monopolkommission, Duso.
11.03.2026 | 5:40 minTankregelung soll Spritpreise senken
Die Bundesregierung greift angesichts der stark gestiegenen Spritpreise ein und will Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten. Tankstellen in Deutschland sollen künftig nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen.
Dieses aus Österreich bekannte Modell wolle die Bundesregierung im Hinblick auf die wegen des Iran-Kriegs enorm gestiegenen Preise so rasch wie möglich einführen, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Berlin. "Dagegen sind Preissenkungen jederzeit zulässig", erläuterte sie.
Unter den gestiegenen Preisen für Benzin und Diesel leiden auch die Tankstellenbetreiber, berichtet Herbert W. Rabl vom Tankstellen-Interessenverband. Er erklärt: "Unser Verband ist genauso sauer wie die Autofahrerinnen und Autofahrer." Der Grund: Die Provision der Tankstellen steigt nicht mit den Spritpreisen, sondern liegt weiterhin bei "ein bis zwei Cent pro Liter", so Rabl.
Die Auswirkung hoher Spritpreise: Umsatzeinbrüche von bis zu 30 Prozent bei den Tankstellen, so der Lobbyist. Er kritisiert: "Diese Gewinnmitnahme kommt in den Taschen der Ölkonzerne an und nicht in unseren Taschen." Er spreche deshalb von "Abzocke" und "Raubtierkapitalismus".
Herbert W. Rabl, Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbands, begrüßt den Vorstoß von Wirtschaftsministerin Reiche (CDU), dass Tankstellen nur noch einmal am Tag ihre Preise erhöhen dürfen. Dieser sei "ein guter und ein richtiger Weg, der auch schnell umsetzbar wäre", so Rabl.
Dass dies die Preise weiter nach oben treibe, sei nicht richtig, so der Vertreter: "Es entsteht zugunsten des Verbrauchers und des Autofahrers ein Preiskampf nach unten." Der Schritt bringe mehr "Ruhe" in den Markt, so Rabl: "Der Kunde fährt an die Tankstelle und ist sich sicher, ich bekomme den Preis, den ich auf der App angezeigt bekommen habe - oder ich muss sogar weniger bezahlen."
Seit dem Iran-Krieg sind die Preise an Deutschlands Zapfsäulen deutlich gestiegen. Tankstellenbetreiber hätten darauf keinen Einfluss. Sie sprechen von "Raubtierkapitalismus".
08.03.2026 | 1:32 minÖlpreise seit Iran-Krieg enorm angestiegen
Die Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist praktisch zum Erliegen gekommen. Zuletzt haben Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung befeuert.
In Deutschland sind seit Ausbruch des Iran-Kriegs die Spritpreise deutlich gestiegen. In der Politik läuft eine Debatte über mögliche Gegenmaßnahmen und Entlastungen der Verbraucher. Deutschland bekommt sein Rohöl überwiegend nicht aus dem Nahen Osten. Deutschland hält strategische Ölreserven für mindestens 90 Tage, um Versorgungsstörungen auszugleichen.
Im europäischen Vergleich hat Deutschland die mit Abstand höchsten Spritpreise, sagt Dietmar Woidke, Ministerpräsident in Brandenburg. Der Staat müsse jetzt handeln.
10.03.2026 | 4:50 minTankstellenverband begrüßt neue Preis-Regelung
Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) begrüßte die vorgeschlagene Regelung für deutsche Zapfsäulen. "Das ist ein erster Schritt in eine sehr, sehr richtige Richtung", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Tankstellen seien für die Preiserhöhungen nicht verantwortlich, sondern die Mineralölgesellschaften, so der TIV-Sprecher weiter. Der Verband vertritt die Interessen von rund 1.000 kleineren Tankstellenpächtern.
Die schieben uns die Preise durchs Internet direkt auf die Zapfsäule.
Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands TIV
Die Tankstellenpächter wunderten sich selbst, wie sich die Preise gerade entwickelten. "Nirgendwo in Europa sind die Spritpreise in der vergangenen Woche so stark gestiegen wie in Deutschland", so der Verband.
Mehr zum Thema Spritpreise
Folgen des Iran-Krieges:Hohe Spritpreise lassen Interesse an E-Autos steigen
mit Video0:30Iran-Krieg treibt Ölpreis in die Höhe:Rohöl über 100 Dollar: Was heißt das für Verbraucher?
von Sven-Hendrik Hahnmit Video1:34Benzin und Diesel kosten über zwei Euro:Spritpreise: Kartellamt dämpft Hoffnung auf Kontrolle
mit Video1:50Nun gemessener Verbrauch "extrem" :Studie: Plug-in-Hybride weit über Normverbrauch
mit Video0:29