Spritpreise in Deutschland: Warum Benzin und Diesel so teuer sind

FAQ

Auswirkungen des Iran-Kriegs:Warum Benzin und Diesel so teuer sind

von Richard Luttke und Franziska Wichmann

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Die Preise für Diesel und Benzin sind so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Woran liegt das? Und sind die Vorwürfe gegen Ölkonzerne berechtigt?

Benzinpreise an einer Tankstelle in Muenchen

Die Angriffe im Iran wirken sich auf die Benzinpreise in Deutschland aus. Durch die Kontrolle der Straße von Hormus steigen die Kosten für Öl. Ölkonzerne schlagen bereits jetzt höhere Preise auf.

05.03.2026 | 1:32 min

Mehr als zwei Euro pro Liter Diesel und Benzin - der Iran-Krieg sorgt für Unmut an deutschen Zapfsäulen. Die Versorgung ist zwar gesichert, doch bei einem längeren Konflikt könnte es noch teurer werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum sind Diesel und Benzin gerade so teuer?

Auslöser für die hohen Preise sind der Iran-Krieg und die faktische Sperrung der Straße von Hormus vor der Küste des Landes. Durch den wichtigen Schifffahrtsweg wird normalerweise gut ein Fünftel des weltweiten Rohöls transportiert. In der Folge stieg der Preis für die Rohölsorte Brent um etwa zwölf Prozent.

Die Karte zeigt die Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen Oman, den VAE und Iran. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und verflüssigten Gases (LNG) muss durch die Straße von Hormus.

Im Unterschied zur Energiepreis-Krise 2022 infolge des Ukraine-Kriegs resultiere daraus für Deutschland jedoch kein Versorgungsproblem, sagt ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

Wir haben nur das Preisproblem.

Carsten Brzeski, ING-Chefvolkswirt

 Eine Anzeige an einer Tankstelle zeigt Preise über zwei Euro pro Liter für Diesel, Super E10 und Super an.

Die Kriegsfolgen zeigen sich auch an den Tankstellen: Die Benzinpreise klettern über zwei Euro. Manche Autofahrer weichen ins Ausland aus, denn dort sind die Spritpreise noch günstiger.

05.03.2026 | 1:50 min

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?

Der Preis für Diesel und Benzin setzt sich in Deutschland aus mehreren Bestandteilen zusammen. Ein großer Teil entfällt auf staatliche Abgaben. So schlägt die Energiesteuer pauschal bei Diesel mit 47,0 Cent und bei Benzin mit 65,4 Cent pro Liter zu Buche.

Dazu kommt die staatliche CO2-Abgabe, die in diesem Jahr weiter gestiegen ist. Pro Liter Benzin kommen bis zu 18,6 Cent und pro Liter Diesel bis zu 20,5 Cent hinzu. Wie auf die meisten Produkte zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher zudem auch auf Kraftstoffe 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Starker Anstieg bei Kraftstoffpreisen

ZDFheute Infografik

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Der Rest des Preises entfällt auf die Kosten und Gewinne der Mineralölindustrie. Dazu gehört auch das zurzeit teure Rohöl.

In einigen EU-Ländern, wie zum Beispiel Luxemburg, ist Tanken deutlich günstiger, weil sich der Spritpreis dort anders zusammensetzt. Gründe sind hier eine geringere Mehrwertsteuer von 17 Prozent, staatlich regulierte Maximalpreise und eine niedrigere Energiesteuer.

Steigen die Spritpreise weiter?

Wie teuer Diesel und Benzin in den kommenden Wochen werden, hängt maßgeblich vom Rohölpreis ab. Der könnte weiter steigen, wenn der Konflikt in der Golfregion noch deutlich länger dauert.

Dass die Preise bei einer Beruhigung des Konflikts ebenso schnell wieder fallen, ist jedoch unwahrscheinlich. In solchen Situationen ist laut ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann häufig ein "Rakete-und-Feder"-Mechanismus zu beobachten: Die Spritpreise steigen zwar schnell zusammen mit den Ölpreisen an - wie eine Rakete. Doch wenn die Ölpreise sinken, ziehen die Mineralölkonzerne erst sehr viel später nach - die Spritpreise fallen also langsam wie eine Feder.

Wirtschaftsgespräch zwischen dem Moderator Heinz Wolf und dem Wirtschaftsexperten Frank Bethmann

Diesel und Benzin werden im Zuge des Nahost-Krieges gerade teurer. ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann erklärt, wie die Preise entstehen und wie die weiteren Aussichten sind.

04.03.2026 | 1:51 min

Wie bildet sich der Ölpreis?

Der Ölpreis orientiert sich weltweit stark am Handel mit sogenannten Terminkontrakten (Futures) an Rohstoffbörsen. Dabei vereinbaren Käufer und Verkäufer heute einen Preis für eine bestimmte Menge Öl, die zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft geliefert werden soll.

Geopolitische Risiken wie der Iran-Krieg sorgen für höhere Preise, da Unsicherheit über das zukünftige Angebot herrscht.

Andreas Klinner im Gespräch mit ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann

Wenn die Ölpreise steigen, steigen die Spritpreise wie eine Rakete nach oben - wenn sie wieder fallen, sinken die Preise nur langsam. Das sei echt ärgerlich für die Kunden, aber nicht verboten, so ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann.

04.03.2026 | 2:24 min

Sind die Preissteigerungen unverhältnismäßig hoch?

Ja, sagt der ADAC. Die Mineralölwirtschaft gebe den gestiegenen Rohöl-Preis an die Verbraucher weiter, noch bevor die Kosten angefallen seien, kritisiert er. Denn die Tanklager seien noch mit Kraftstoffen gefüllt, die zu niedrigeren Preisen erworben wurden.

Gabriel Felbermayr

Eine Spritpreisbremse sollte gut überlegt sein. Aber wenn es in kurzer Zeit zu sehr hohen Preisen kommen sollte, müsse es zu einer Intervention kommen, sagt Top-Ökonom FeIbermayr.

04.03.2026 | 19:50 min

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat eine kartellrechtliche Prüfung der Preissprünge an deutschen Tankstellen infolge des Iran-Kriegs angekündigt. Darüber sei sie mit dem Bundeskartellamt im intensiven Austausch.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, der die Mineralölindustrie vertritt, begründete die aktuell hohen Spritpreise für Verbraucher mit deutlich höheren Kosten für Tankstellen beim Einkauf. Diese seien um gut ein Drittel gestiegen.

Kommt ein neuer Tankrabatt?

Von Juni bis August 2022 hatte der Staat die Steuern auf Diesel und Benzin deutlich gesenkt, um die Autofahrer angesichts der hohen Preise zu entlasten. Damals hatte es auch deutliche Kritik gegeben, dass die Erleichterung die Verbraucher nur teilweise erreicht habe.

Bundeswirtschaftsministerin Reiche sagte am Mittwoch, dass eine erneute Spritpreisbremse aktuell nicht auf der Agenda stehe.

Über dieses Thema berichteten unter anderem das heute journal am 04.03.2026 ab 21:45 Uhr und heute in Deutschland am 05.03.2026 ab 14:00 Uhr.
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