Spritpreis-Gefälle in Deutschland:Warum der Westen preiswerter tankt als der Osten
von Arlette Geburtig
Der Westen zahlt oft weniger an der Zapfsäule als der Osten. Der aktuelle Bericht des Bundeskartellamts zeigt, warum - und wie Autofahrer trotzdem sparen können.
Je nach Region muss beim Tanken in Deutschland unterschiedlich tief in die Tasche gegriffen werden, zeigt eine Auswertung des Kartellamts.
08.01.2026 | 0:38 minDie durchschnittlichen Spritpreise unterscheiden sich in Deutschland deutlich nach Regionen. Das zeigt ein aktueller Bericht des Bundeskartellamts. Besonders auffällig ist das Ost-West-Gefälle. In vielen westdeutschen Postleitzahlgebieten liegen die Preise unter dem Bundesdurchschnitt, während ostdeutsche Regionen häufiger darüber liegen.
Für 2025 lagen die Preise für Superbenzin in Regionen wie Berlin bei etwa 1,70 bis 1,71 Euro pro Liter, während in Südostbayern und an der Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt im Schnitt meist 8 Cent mehr verlangt wurden. Tendenziell kostete Sprit im Osten Deutschlands mehr als im Westen.
Geringer Wettbewerb treibt Spritpreise
Als Hauptursache nennt ADAC-Experte Andreas Hölzel die Wettbewerbsstruktur. In vielen ostdeutschen Regionen gibt es weniger Tankstellen pro Fläche. Eine geringere Bevölkerungsdichte und weniger Anbieter bedeuten weniger Konkurrenz - mit entsprechend höheren Preisen.
2025 ist das dritte Jahr in Folge mit sinkenden Spritpreisen. Laut ADAC ist der Kraftstoff Super E10 etwa fünf Cent billiger als letztes Jahr, trotzdem bleibt Tanken relativ teuer.
16.12.2025 | 0:25 minDer Marktbericht des Bundeskartellamts zeigt außerdem: Selbst innerhalb einzelner Regionen oder Städte gab es im vierten Quartal 2025 teils erhebliche Preisunterschiede. In teuren Gegenden fanden sich immer wieder vergleichsweise günstige Tankstellen, während in eigentlich billigen Regionen einzelne Anbieter deutlich teurer waren. Die Preise orientierten sich stark an lokalen Wettbewerbsverhältnissen - oft sogar von Straße zu Straße.
Saarland und Rheinland-Pfalz oft besonders günstig
Einen festen Spitzenreiter gibt es zwar nicht, doch manche Länder tauchen regelmäßig unter den günstigsten auf. Hölzel sagt: "Bei unseren Stichproben war relativ häufig Rheinland-Pfalz das günstigste Bundesland - und das Saarland."
Während der ADAC Preise auf Ebene der Bundesländer betrachtet, geht das Bundeskartellamt noch kleinteiliger vor und wertet sie nach Postleitzahlen aus. Grundlage sind die Meldungen der Markttransparenzstelle. Der Vorteil dieses Ansatzes: Er macht sichtbar, dass sich Tanken selbst innerhalb kurzer Distanzen deutlich unterscheiden kann.
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04.12.2025 | 2:32 minWie man beim Tanken sparen kann
Unabhängig vom Wohnort lässt sich beim Tanken spürbar Geld sparen - entscheidend ist die Wahl von Timing und Ort. Besonders der Zeitpunkt ist entscheidend:
Wer abends tankt, zahlt im bundesweiten Durchschnitt deutlich weniger als morgens - rund 13 Cent pro Liter.
Andreas Hölzel, ADAC
Ebenso lohnt sich der konsequente Preisvergleich vor dem Tanken. Mit Apps lassen sich die aktuellen Preise in Sekunden prüfen, um gezielt die günstigste Station ansteuern zu können.
Und es gibt noch einen analogen Tipp für Autofahrer: Nicht direkt an der Autobahn tanken. Wer abfährt und die nächste Tankstelle ansteuert, kann 40 bis 45 Cent pro Liter sparen. Schon ein kurzer Abstecher kann sich also deutlich lohnen.
Insgesamt gilt: Gewohnheit ist beim Tanken teuer. Wer regelmäßig vergleicht, flexibel bleibt und Preise beobachtet, kann die regionalen Unterschiede zu seinem Vorteil nutzen.
Arlette Geburtig ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
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