Ölpreis hoch: Kann Russland jetzt sein Haushaltsloch stopfen?

FAQ

Auswirkungen des Iran-Kriegs:Hoher Ölpreis: Ein Geschenk für Russland?

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Im russischen Haushalt klafft ein Rekorddefizit. Können erwartete Milliarden-Mehreinnahmen durch den hohen Ölpreis dieses Loch stopfen? Fragen und Antworten.

Erdölförderung nahe des Dorfes Blagodatnaya im Bezirk Nischnekamsk in der russischen Republik Tatarstan, aufgenommen am 16.01.2023

Wirtschaftlich dürfte Russland vom Iran-Krieg profitieren. Die Öl- und Gaspreise sind drastisch gestiegen. Russische Lieferungen werden international wieder gefragter.

05.03.2026 | 38:17 min

Je länger der Krieg im Nahen Osten dauert, desto weiter steigt der Ölpreis und mit ihm die Stimmung in Russland. Die Rohstoffmacht finanziert mit den erwarteten Mehreinnahmen auch ihren Krieg gegen die Ukraine.

Wie nützt Russland der aktuell hohe Ölpreis?

Russlands Präsident Wladimir Putin betonte zwar bei einer Sitzung zu den Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf den Ölpreis, dass er nur von einem vorübergehenden Anstieg ausgehe. Er verfügte aber auch, die russischen Exporteure sollten die aktuell hohe Nachfrage ausnutzen, um sich auf verlässlichen Märkten festzusetzen.

Russland selbst beliefere weiter treue Partner in Osteuropa - Ungarn und die Slowakei - und in Asien, sagte Putin. Zu Lieferungen an andere europäische Länder sei er aber nur bereit, wenn die politische Konjunktur außen vor bleibe und eine verlässliche und stabile Zusammenarbeit gesichert werde.

Hamburg: Möwen fliegen vor einem Containerschiff im Hamburger Hafen her.

Schiffsrouten werden geändert, der Ölpreis steigt merkbar an. Welche weiteren Auswirkungen hat der Krieg in Nahost auf Europa? Und welche auf Russland, das nun am teuren Öl verdient?

03.03.2026 | 2:11 min

Wie stark ist Russland vom Ölpreis abhängig?

Traditionell tragen die Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf ganz wesentlich zur Finanzierung des russischen Haushalts bei. Im vorigen Jahr waren das etwa 23 Prozent; die Zahl sinkt aber seit Jahren - zuletzt vor allem wegen des Exportrückgangs im Zuge der Sanktionen.

Russland geht in seinem Haushalt für dieses Jahr davon aus, dass ein Barrel im Durchschnitt 59 US-Dollar (rund 51 Euro) kostet. Weil aber zu Jahresbeginn die Preise unter diesen Wert fielen, vergrößerte sich das ohnehin eingeplante Haushaltsloch noch einmal.

Nun aber steigen die Preise und damit die Hoffnung auf Entspannung im Etat. Wegen der Lage im Nahen Osten erwägen die USA auch Sanktionslockerungen. Damit könnte Russland wieder deutlich mehr Energie absetzen - zu deutlich höheren Preisen. Klar ist aber auch, dass das Land generell mit großen Rabatten verkauft - etwa an seine Hauptkunden China und Indien, weil viele andere Staaten wegen der Sanktionen weggefallen sind.

SGS-HJU

Wenn es im Nahen Osten keine Entspannung gebe, "dann wird man sich erst einmal auf höhere Preise einstellen müssen", sagt Prof. Kemfert vom DIW zu den Beeinträchtigungen von Öllieferungen.

09.03.2026 | 4:28 min

Mit welchen Mehreinnahmen kann Russland rechnen?

"Öl über $100 - und die Stimme Russlands in der Weltwirtschaft und Geopolitik wird noch lauter", jubelt der Kremlbeamte Kirill Dmitrijew in den sozialen Netzwerken. "Russland ist ein systemrelevanter Energielieferant, ohne den weder globale Stabilität noch ein nachhaltiges Modell für weltweites Wachstum möglich sind", schwärmt er. Dmitrijew träumt schon von einem möglichen Preis von 200 US-Dollar je Öl-Fass.

Da die Öl- und Gasinfrastruktur im Nahen Osten angegriffen wird und die Förderung begrenzt ist, wird die Energiekrise leider viel tiefer und länger sein, als viele erwarten.

Kirill Dmitrijew, Kreml-Berater

Experten schätzen, dass der Staat bei einem Durchschnittspreis für Urals-Öl von 70 Dollar je Barrel zusätzlich etwa 2 Billionen Rubel einnehmen könnte, schreibt die kremlnahe Zeitung "Iswestija". Zum Vergleich: 2025 flossen 8,5 Billionen Rubel (92,4 Milliarden Euro) aus dem Verkauf von Öl und Gas in den Haushalt.

Schaltgespräch zwischen dem Moderator Sievers und ZDF-Wirtschaftsexperte Bethmann

Der Krieg im Nahen Osten treibt den Ölpreis in die Höhe. An der Zapfsäule und im Supermarkt spüren die Verbraucher die Folgen. ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann berichtet.

09.03.2026 | 2:30 min

Was bedeutet das alles für Moskaus teuren Krieg gegen die Ukraine?

Wenn der Ölpreis für längere Zeit hoch bleibt, dann hat Russland einen größeren Spielraum auch für Rüstungsvorhaben und seinen seit gut vier Jahren andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine. Groß ist die Schadenfreude in Moskau auch, weil in der EU die auch für die westliche Rüstungsindustrie wichtigen Energiekosten massiv steigen. Russland fordert, dass die EU gar keine Waffen mehr an die Ukraine liefert - und der Krieg so endet.

Dabei wollte die EU mit ihren Sanktionen gegen russisches Öl und Gas der Energiegroßmacht den Geldhahn für den Krieg gegen die Ukraine zudrehen. Das war einmal auch US-Präsident Donald Trumps Ziel.

Werden nun alle finanziellen Probleme Russlands gelöst?

Nein. Die erwarteten Mehreinnahmen können das Haushaltsdefizit nicht komplett decken, wie "Iswestija" unter Berufung auf Energiemarkt- und Finanzexperten schreibt. Demnach müssten auch die Ölpreise, um tatsächlich einen positiven Effekt auf den Haushalt zu haben, mindestens drei bis sechs Monate so hoch bleiben wie jetzt.

Benzinpreise an einer Tankstelle in München.

Die geopolitische Lage spiegelt sich in Deutschland auch an den Zapfsäulen wider. Die ölverarbeitenden Industriebetriebe suchen Möglichkeiten, um mit der Krise umzugehen.

07.03.2026 | 1:34 min

Zuletzt veröffentlichte das russische Finanzministerium das konsolidierte Defizit für das abgelaufene Haushaltsjahr von beispiellosen 8,3 Billionen Rubel (rund 90 Milliarden Euro). Auch in diesem Jahr wird ein hohes Defizit erwartet. Schon im Januar gab es aber eine Haushaltslücke von 1,7 Billionen Rubel, 252 Milliarden Rubel mehr als im Vorjahresmonat.

Ein Problem für Russlands Haushalt ist auch der vergleichsweise starke Rubel. Festgelegt ist für Dollareinnahmen im Haushalt ein durchschnittlicher Umrechnungskurs von 92,2 Rubel je US-Dollar. Tatsächlich liegt der Kurs bei unter 80 Rubel je US-Dollar, was weniger Geld in die Staatskasse spült. Weil zugleich die Staatsausgaben steigen, bringen die Behörden nun immer mehr Sparvorschläge etwa bei Infrastrukturprojekten ein. In der Hauptstadt Moskau verfügte Bürgermeister Sergej Sobjanin sogar einen Personalabbau von 15 Prozent.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Putin: Russland offen für Lieferungen" am 09.03.2026 um 21 Uhr.

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