Iran-Krieg treibt Ölpreis in die Höhe:Rohöl über 100 Dollar: Was heißt das für Verbraucher?
von Sven-Hendrik Hahn
Der Krieg im Nahen Osten treibt den Ölpreis auf über 100 Dollar. Diesel, Heizkosten, Lebensmittel: Verbraucher und Unternehmen spüren den Schock. Wie geht das weiter?
Die geopolitische Lage spiegelt sich in Deutschland auch an den Zapfsäulen wider. Die ölverarbeitenden Industriebetriebe suchen Möglichkeiten, um mit der Krise umzugehen.
07.03.2026 | 1:34 minDie Energiemärkte stehen ganz im Zeichen des Krieges - sie befinden sich im Krisenmodus. Das gab es zum letzten Mal im Februar 2022: Der Preis für ein Barrel der wichtigen Nordsee-Sorte Brent kletterte auf über 100 Dollar pro Barrel (159 Liter). Zeitweise pendelte er um 110 US-Dollar und liegt damit rund 50 Prozent höher als noch Ende Februar. Nationale Öl-Reserven geraten in den Blick.
Zapfsäule als Fieber-Thermometer
Für Verbraucher zeigt sich bereits: Höhere Rohölpreise verteuern Kraftstoffe, Heizenergie und Produkte, die mit Öl hergestellt oder transportiert werden. Besonders stark reagierte Diesel - der wichtigste Kraftstoff für den Güterverkehr.
Seit Beginn des Iran-Kriegs sind auch Diesel- und Benzinpreise stark hochgegangen. Blockierte Transportwege und brennende Öldepots wirken sich auf die Energiepreise aus, Beispiel Frankreich.
09.03.2026 | 1:27 min"Kurzfristig löst der Preissprung große Verunsicherung aus", sagt Samina Sultan, Handelsexpertin beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW). "Die Nachfrage nach Diesel und Benzin steigt merklich, was dann die Preise an der Zapfsäule erhöht." Der höhere Ölpreis wirke wie eine zusätzliche Steuer, erklärt Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts.
Das kann die Inflation erhöhen und das Wachstum dämpfen.
Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts
Öl ist nicht nur Energieträger, sondern auch Rohstoff für viele industrielle Produktionsprozesse. Fuests größere Sorge gilt allerdings dem Gas. Das verknappe sich derzeit stärker als Öl und sei entscheidend für Industrie, private Heizungen und Stromproduktion: "Es drohen deshalb auch stark steigende Strompreise."
Diesel und Benzin werden im Zuge des Nahost-Krieges gerade teurer. ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann erklärt, wie die Preise entstehen und wie die weiteren Aussichten sind.
04.03.2026 | 1:51 minHoher Ölpreis: Wachstumseinbußen drohen
Für die deutsche Wirtschaft kommt der Preisschub zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Ifo-Institut rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr. Sollte der Krisenmodus länger anhalten, könnten die Modelle hinfällig werden - und das Wachstum noch geringer ausfallen.
Laut einer aktuellen Erhebung des Statistischen Bundesamts hat Deutschland seine Ölimporte in den vergangenen Jahren reduziert. 2025 wurden rund 75,7 Millionen Tonnen Rohöl eingeführt - gut zehn Prozent weniger als fünf Jahre zuvor. Direkte Abhängigkeiten vom Nahen Osten seien außerdem gering: Nur 6,1 Prozent der Rohölimporte seien aus der Region. Dennoch wirken Preisschocks global.
Simulationen des IW zeigen: Steigt der Ölpreis dauerhaft auf 100 Dollar pro Barrel, könnte die Wirtschaftsleistung in Deutschland in zwei Jahren um rund 40 Milliarden Euro niedriger ausfallen. Verbraucherpreise würden deutlich steigen.
Preisanstieg bei Diesel: Herausforderung für die Wirtschaft
"Ölpreisschocks wirken über verschiedene Kanäle", erklärt die Handelsexpertin Samina Sultan. "Sie beeinflussen direkt und indirekt die Kaufkraft von Haushalten und Unternehmen, die dann ihre Konsum- und Investitionsausgaben einschränken." Für die Wirtschaft sei der Preisanstieg beim wichtigsten Kraftstoff Diesel eine massive Herausforderung: Transportkosten schlagen sich entlang der Lieferketten in vielen Produkten nieder.
Wegen gestiegener Spritpreise als Folge des Iran-Kriegs fahren viele deutsche Autofahrer zum Tanken nach Polen. Der Zoll reagiert und verstärkt die Kontrollen an den Grenzübergängen.
09.03.2026 | 2:40 minDie Nahost-Krise dürfte die Teuerung weiter anheizen: "Schon im Februar lag die Inflation in der Eurozone über den Erwartungen", so Sultan:
Bei einem Ölpreis von 150 Dollar je Barrel könnten die Verbraucherpreise 2026 um 1,6 Prozent und 2027 um 1,9 Prozent höher liegen als erwartet.
Samina Sultan, IW-Handelsexpertin
Die geringere Wirtschaftsleistung könnte sich dann im Vergleich zum Rohölpreis von 100 Dollar pro Barrel sogar verdoppeln - auf 80 Milliarden Euro in zwei Jahren, so Ökonomin Samina Sultan.
Viele Bereiche sind mehrfach betroffen: Bei Lebensmitteln würden nicht nur Transport und Verarbeitung teurer, auch Düngemittel könnten knapp und teurer werden.
Angriffe trafen am Wochenende Ölanlagen in Irans Hauptstadt Teheran. Am Himmel waren Flammen und Rauchwolken zu sehen.
07.03.2026 | 0:33 minG7 beraten Freigabe strategischer Ölreserven
Um einen weiteren Preisschock zu verhindern, beraten die G7-Staaten über eine Freigabe strategischer Ölreserven. Deutschland hält Vorräte, mit denen ein vollständiger Ausfall der Importe etwa drei Monate ausgeglichen werden könnte.
Die zentrale Frage bleibt: Steigt der Ölpreis weiter - oder war der aktuelle Sprung bereits der Höhepunkt? "Das hängt entscheidend davon ab, wie sich der Konflikt in den nächsten Wochen entwickelt und ob Förderanlagen oder Pipelines dauerhaft beschädigt werden", sagt Handelsexpertin Samina Sultan.
Die Ölintensität der deutschen Wirtschaft sei heute deutlich geringer als in den 1970er-Jahren. Trotzdem träfe ein dauerhaft hoher Ölpreis und die globale Unsicherheit die deutsche Wirtschaft direkt ins Mark.
Sven-Hendrik Hahn ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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