Von der Leyen: EU muss Macht entschiedener einsetzen

Konferenz der EU-Botschafter in Brüssel:Von der Leyen: EU muss Macht entschiedener einsetzen

|

Europa könne nicht länger ein Hüter der alten Weltordnung sein, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Diese sei Vergangenheit und werde nicht zurückkommen.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, läutet den offiziellen Beginn der wöchentlichen Kollegiumssitzung der EU-Kommission in Brüssel

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht über die Folgen des Iran-Krieges. Europa werde die regelbasierte Ordnung verteidigen, könne sich aber nicht mehr allein auf sie verlassen.

09.03.2026 | 0:44 min

Die Europäische Union kann sich nach Auffassung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nicht mehr allein auf internationale Regeln verlassen und muss ihre Macht entschiedener einsetzen. Sie betonte am Montag auf einer Konferenz der EU-Botschafter in Brüssel:

Wir werden das regelbasierte System, das wir gemeinsam mit unseren Verbündeten aufgebaut haben, immer verteidigen und aufrechterhalten.

Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin

Man könne sich jedoch nicht mehr darauf verlassen, dass dies der einzige Weg sei, die eigenen Interessen zu wahren. Es sei ein Trugschluss anzunehmen, dass dieses Regelwerk allein vor den komplexen Bedrohungen der heutigen Zeit schütze.

anna-feist

Bei dem EU-Sondergipfel habe Ursula von der Leyen neue Investitionen in die Sicherheit der Arktis bestätigt. "Was also bleibt, ist ein klares Bekenntnis zur NATO" - ZDF Korrespondentin Anna Feist aus Brüssel.

23.01.2026 | 2:44 min

EU "widerstandsfähiger" machen

Von der Leyen sprach sich dafür aus, eine stärker interessengeleitete Außenpolitik zu verfolgen. Sie erklärte:

Wir müssen bereit sein, unsere Macht selbstbewusster einzusetzen - zum Beispiel zur Bekämpfung von Aggression und Einflussnahme aus dem Ausland mit all unseren Instrumenten - ob wirtschaftlich oder diplomatisch, technologisch oder militärisch.

Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin

Auch könne es darum gehen, mehr Pragmatismus bei Geschäften an den Tag zu legen.

Ziel solle es sein, die EU "widerstandsfähiger, souveräner und leistungsfähiger zu machen - von der Verteidigung bis zur Energie, von kritischen Rohstoffen bis zu strategischen Technologien". Das bedeute etwa, dass man sich in Energiefragen oder bei Gütern wie Halbleitern und Impfstoffen nicht auf einen einzigen Lieferanten verlasse.

Ein Preisanzeiger einer Tankstelle in Bayern.

Angesichts des Iran-Kriegs warnt Wirtschaftsweise Veronika Grimm vor einem neuen Energieschock. Steigende Öl- und Gaspreise könnten Inflation und energieintensive Branchen belasten.

03.03.2026 | 0:25 min

Bisheriges System: Hilfe oder Hindernis?

Die Kommissionschefin stellte zudem die Frage in den Raum, ob die Strukturen der EU noch zeitgemäß seien. Es müsse dringend darüber nachgedacht werden, ob Doktrin, Institutionen und Entscheidungsprozesse mit der Geschwindigkeit des Wandels Schritt gehalten hätten. Diese seien in einer Nachkriegswelt der Stabilität und des Multilateralismus entworfen worden.

Es gelte zu klären, "ob das System, das wir gebaut haben - mit all seinen gut gemeinten Versuchen zu Konsens und Kompromiss - eher eine Hilfe oder ein Hindernis für unsere Glaubwürdigkeit als geopolitischer Akteur ist".

Rechtmäßigkeit des Iran-Kriegs: Debatte verfehle Thema

Zur Debatte über die Rechtmäßigkeit des von den USA und Israel begonnenen Iran-Kriegs sagte von der Leyen, es gebe verschiedene Ansichten darüber, ob der Krieg ein gewählter oder ein notwendiger sei. Sie glaube aber, dass diese Debatte teilweise am Thema vorbeigehe. "Denn Europa muss der Realität Rechnung tragen und die Welt so sehen, wie sie heute ist", sagte sie.

sgs-sievers

Nach dem Völkerrecht hätten Israel und die USA Iran nicht angreifen dürfen, sagt Rechtswissenschaftler Prof. Dominik Steiger. Es sei ein Verstoß gegen das Gewaltverbot.

01.03.2026 | 4:57 min

Quelle: Reuters, dpa

Mehr zum Iran-Krieg

  1. Außenminister Johann Wadephul (CDU) spricht auf einer Pressekonferenz.

  2. Bundeskanzler Friedrich Merz

  3. Eine Karte von Europa und dem mittleren Osten, in blau sind die Länder der EU markiert, gelb der Iran.

    Krieg in Nahost:Was der Iran-Krieg für Europa bedeutet

    Video19:01

  4. Keir Starmer, Friedrich Merz, Emmanuel Macron am 13.02.2026 bei der Münchner Sicherheitskonferenz.