Wadephul zu Iran-Krieg: "Wir beteiligen uns in keiner Weise"

Krieg gegen Iran:Wadephul: "Wir beteiligen uns in keiner Weise"

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Außenminister Wadephul schließt eine militärische Beteiligung Deutschlands am Krieg gegen Iran aus. Die Regierung vertraue bei der nuklearen Abwehr auf die USA, betonte er im ZDF.

SGS Slomka Wadephul

Bundesaußenminister Johann Wadephul im heute journal zum Iran-Krieg

02.03.2026 | 7:53 min

Nach der Eskalation im Nahen Osten geht das Auswärtige Amt davon aus, dass eine fünfstellige Zahl deutscher Touristen in der Golfregion gestrandet ist. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) versprach am Montag im heute journal, die Menschen nicht im Stich zu lassen und ihnen auch auf dem Landweg zu helfen. Außerdem bekräftigte er seine Zurückhaltung gegenüber militärischer Unterstützung des Kriegs der USA und Israels gegen Iran.

Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagte der Außenminister zu ...

... Rückhol-Flügen und Reisewarnungen für den Nahen Osten

Wadephul machte im heute journal deutlich, dass er die Verantwortung auch bei den Touristen sieht, die nun in Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten festsitzen. "Es gab seit Januar Hinweise darauf, dass wir davon abraten", in die Region zu reisen. Auf Nachfrage ergänzte er:

Es gab auch eine förmliche Reisewarnung.

Johann Wadephul, Bundesaußenminister

Auf der Website des Auswärtigen Amtes ist seit Samstag eine solche Reisewarnung zu finden.

Israelische Ersthelfer treffen am Schadensort in Tel Aviv ein, nachdem iranische ballistische Raketen als Vergeltung für koordinierte US-amerikanisch-israelische Luftangriffe Teile der Stadt getroffen haben.

Nach Angriffen der USA und Israels auf Iran eskaliert nun der Konflikt zwischen der Hisbollah im Libanon und Israel wieder. Auch die Lage in der Golfregion verschärft sich weiter.

02.03.2026 | 2:37 min

Für ihn stehe nun aber im Vordergrund, den Menschen zu helfen, betonte Wadephul. "Das tun wir das ganze Wochenende schon und das setzen wir jetzt fort."

Konkret werde die Bundesregierung versuchen, für die Menschen, die eine Ausreise auf dem Landweg über Oman oder Saudi-Arabien versuchen wollen, die Grenzformalitäten zu vereinfachen. Für kranke und ältere Menschen sowie Schwangere solle es zudem zusätzliche Flüge geben.

Wegen den Angriffen auf Iran ist der Flugverkehr im Nahen Osten fast vollständig ausgefallen.

Die Golfregion ist für den Luftverkehr ein wichtiges Drehkreuz. Seit den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf Iran sitzen Hunderttausende Touristen fest.

02.03.2026 | 2:02 min

Wadephul gab sich zuversichtlich, dass dies gelingen wird. Möglicherweise werde der Flughafen in Dubai in den kommenden Tagen noch einmal öffnen, stellte er in Aussicht. "Dann würde das natürlich alles noch sehr viel schneller gehen." Er sei dazu auch mit anderen Regierungen in Europa im Austausch.

... einer möglichen militärischen Beteiligung Deutschlands

Für die Bundesregierung sei eine aktive Unterstützung des Kriegs gegen Iran "eindeutig zu verneinen", sagte Wadephul.

Wir beteiligen uns in keiner Weise an dieser Auseinandersetzung.

Johann Wadephul, Bundesaußenminister

Deutschland stelle dafür auch anders als Großbritannien keine militärischen Einrichtungen zur Verfügung, betonte der Minister. Deutschland hatte am Sonntag gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich erklärt, bei Bedarf "Defensivmaßnahmen" gegen Iran einzusetzen. Am Montag folgte eine Erklärung über eine engere militärische Zusammenarbeit mit Frankreich, etwa in Form von Übungen und Koordination.

Macron besucht nukleares U-Boot

Frankreich erhöht angesichts wachsender globaler Bedrohungen die Zahl seiner Atomsprengköpfe. Präsident Macron kündigte außerdem gemeinsame Atom-Militärübungen mit Deutschland an.

02.03.2026 | 2:30 min

Bei der nuklearen Abwehr vertraue Deutschland aber weiterhin auf die USA, stellte Wadephul im heute journal klar.

Wir vertrauen auf den amerikanischen nuklearen Schirm. Daran gibt es keinen ernsthaften Zweifel.

Johann Wadephul, Bundesaußenminister

Die europäische Abschreckung, über die nun beraten werde, könne eine mögliche Ergänzung dazu sein.

... den Interessen der USA und Diplomatie

Wadephul sagte, er stehe auch im Austausch mit Kollegen im Nahen Osten, etwa aus dem Oman. Dabei gehe es auch um Wege, "um diesen Konflikt möglichst schnell zu beenden". Zu der Frage, ob Diplomatie überhaupt noch im Interesse der USA und Israels sei, sagte Wadephul: "Das ist einer der Punkte, die wir jetzt näher miteinander besprechen."

Am 2. März 2026 steigt Rauch von einem gemeldeten iranischen Angriff in der Gegend auf, in der sich die US-Botschaft in Kuwait-Stadt befindet.

Die USA melden im Krieg gegen Iran erste Tote. US-Basen stehen unter schwerem Beschuss. Und: US-Kampfjets wurden versehentlich von der kuwaitischen Luftabwehr abgeschossen.

02.03.2026 | 2:38 min

US-Außenminister Marco Rubio habe ihm jedenfalls versichert, dass "am Ende keine richtige Bereitschaft des Iran da war, auf das Nuklearprogramm zu verzichten und auch auf das Raketenprogramm zu verzichten. Und das gefährdet auch uns." Er wolle aber die Hoffnung nicht aufgeben, dass eine Verhandlungslösung möglich sei.

Das Interview führte heute journal-Moderatorin Marietta Slomka. Zusammengefasst hat es Anja Engelke.

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Über dieses Thema berichtete das heute journal am 02.03.2026 ab 21:45 Uhr.

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