Vorwurf an Mineralölkonzerne:Tankstellen: Deutschland als Testmarkt für hohe Spritpreise?
Autofahrer spüren die Folgen des teuren Öls an der Zapfsäule. Der Tankstellen-Interessenverband kritisiert Mineralölkonzerne. Der Vorwurf trifft auch Wirtschaftsministerin Reiche.
Der Tankstellen-Interessenverband vermutet Profit-Interessen hinter den hohen Spritpreisen in Deutschland. (Aufnahme aus München, vom 9.3.2026)
Quelle: dpaDer Tankstellen-Interessenverband (TIV) erwartet, dass der zwischenzeitlich über 100 Dollar gestiegene Ölpreis umgehend an die Autofahrer weitergeben werde. "Ich fürchte, die Ölkonzerne reichen die hohen Ölpreise sofort weiter und erhöhen die Spritpreise noch stärker", sagte TIV-Sprecher Herbert Rabl der "Rheinischen Post".
Die Vermutung drängt sich auf, dass die Mineralölkonzerne den deutschen Markt nutzen, um zu sehen, was geht: Auch 2,50 Euro und sogar mehr pro Liter sind am Ende denkbar.
Herbert Rabl, TIV-Sprecher
Rabl weiter: "Die Tankstellenpächter werden an den sprudelnden Gewinnen nicht beteiligt, sie bekommen den Ärger der Verbraucher ab - und ein oder zwei Cent Provision je verkauftem Liter Sprit", fügte Rabl hinzu. "Zugleich verderben die hohen Preise die Stimmung und damit das Shop-Geschäft, das zirka 60 Prozent der Einnahmen ausmacht."
Der Krieg im Nahen Osten treibt den Ölpreis in die Höhe. An der Zapfsäule und im Supermarkt spüren die Verbraucher die Folgen. ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann berichtet.
09.03.2026 | 2:30 minTIV: Konzerne wissen, dass sie nichts zu befürchten haben
Nirgendwo in Europa seien die Spritpreise in der vergangenen Woche so stark gestiegen wie in Deutschland, sagte Rabl weiter. "Meine Vermutung: Die Konzerne wissen, dass sie von Bundesministerin Reiche nichts zu befürchten haben."
Verband fordert Regulierung nach österreichischem Vorbild
Die Tankstellen regen eine Regulierung wie in Österreich an: "Die Regierung kann wie in Österreich eine Regel erlassen, dass die Konzerne nur noch einmal am Tag den Preis erhöhen dürfen und danach nur noch absenken dürfen", sagt der TIV-Sprecher. "In Österreich liegt der Spritpreis aktuell nur bei 1,70 Euro."
Eine ADAC-Sprecherin stellt auf ZDFheute-Nachfrage jedoch klar, dass der Spritpreis in Österreich zwar niedriger sei, von einem weniger starken Preisanstieg als in Deutschland aber nicht die Rede sein könne. "Österreich kommt einfach von einem niedrigeren Niveau", sagt sie. Noch im Februar hatte der Liter Diesel dort durchschnittlich rund 1,52 Euro gekostet, in Deutschland lag der Preis bei 1,72 Euro.
Wegen gestiegener Spritpreise als Folge des Iran-Kriegs fahren viele deutsche Autofahrer zum Tanken nach Polen. Der Zoll reagiert und verstärkt die Kontrollen an den Grenzübergängen.
09.03.2026 | 2:40 minBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte in der vergangenen Woche eine Kartellamtsprüfung der Preissprünge an den deutschen Tankstellen infolge des Iran-Kriegs angekündigt. Es werde geprüft, ob die Situation ausgenutzt werde, sagte Reiche in einem Podcast des Portals Table.Briefings.
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