Verkehrsdatenanalyse:Hohe Spritpreise - doch Autofahrer fahren sogar mehr
Steigende Spritpreise halten deutsche Autobesitzer anscheinend nicht davon ab, weiter viel zu fahren. Das zeigt eine Analyse des Verkehrsdatenspezialisten TomTom.
Die gestiegenen Spritpreise dämpfen die Nachfrage nach Benzinautos, nicht aber das Fahrverhalten der Deutschen.
11.03.2026 | 0:30 minObwohl Autofahrer in ganz Deutschland über die hohen Spritpreise klagen, fahren sie offenbar nicht messbar weniger. Eine Analyse des Verkehrsdatenspezialisten TomTom für die Deutsche Presse-Agentur ergab keinen relevanten Rückgang der Fahrleistung. Im Gegenteil: Es wurde sogar noch etwas mehr gefahren - allerdings aus anderen Gründen.
Unsere Daten liefern keinen Hinweis darauf, dass die Fahrleistung in der Hochpreisphase spürbar zurückgegangen ist.
Verkehrsdatenspezialisten TomTom
"Stattdessen lag sie in den betrachteten Zeiträumen tendenziell höher", sagt ein TomTom-Sprecher.
Warum trotz hoher Spritpreise sogar mehr gefahren wird
"Das könnte mit der typischen saisonalen Belebung der Mobilität im Frühjahr zusammenhängen. Falls die höheren Spritpreise überhaupt einen kleinen dämpfenden Effekt hatten, ist er in den Daten jedenfalls nicht erkennbar."
Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) reagiert auf steigende Spritpreise und will Ölreserven freigeben.
11.03.2026 | 2:34 minTomTom: Preisanstieg bei Sprit reicht nicht aus, um Fahrverhalten zu dämpfen
Offenbar reiche der Anstieg der Preise nicht aus, um eine echte Veränderung im Verhalten auszulösen. Das deckt sich mit einer ähnlichen Untersuchung aus der Zeit kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges, als die Spritpreise ebenfalls massiv gestiegen waren. Damals hatte sich auch in den auf der Autobahn gefahrenen Geschwindigkeiten kein relevantes spritsparendes Verhalten erkennen lassen.
Basis der Betrachtung sind die von mehreren Millionen Fahrzeugen zurückgelegten Strecken, deren Daten TomTom anonym erfasst. Am 5., 9. und 10. März - also zu Zeiten, als die Spritpreise bereits massiv angezogen hatten - zeigte sich dabei ein um einige Prozent höheres Fahraufkommen als am 26. Februar vor Kriegsbeginn sowie dem 2. und 3. März, an denen die Preise noch bei weitem niedriger waren. Das gilt sowohl für den Vergleich der drei Tage zusammen, als auch für den Vergleich der jeweils zusammenpassenden Wochentage.
Dietmar Woidke, Ministerpräsident in Brandenburg, sagt: Im europäischen Vergleich hat Deutschland die mit Abstand höchsten Spritpreise.
10.03.2026 | 4:50 minDeutsche Bahn: Mehr Kunden wegen hoher Spritpreise
Die Deutsche Bahn verzeichnet derzeit allerdings vor allem im Fernverkehr eine gestiegene Nachfrage und führt das auf die gestiegenen Spritpreise zurück. "Auch wenn die Nachfrage tagesweise stark schwankt, stellen wir fest, dass die Buchungen in den letzten Tagen deutlich über den bisherigen Prognosen liegen", teilte der bundeseigene Konzern mit. "An einzelnen Tagen sogar bis zu 10 Prozent über Vorjahr."
Im Regionalverkehr der Deutschen Bahn hingegen sei die Entwicklung schwieriger zu messen - auch, weil dort der Wettbewerb mit anderen Verkehrsunternehmen auf der Schiene deutlich größer sei als im Fernverkehr. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) teilte mit, für eine bundesweite Einschätzung der Nachfrage im Regionalverkehr infolge von Spritpreisen sei es noch zu früh.
Trotz Preiserhöhung des Deutschlandtickets seien die Fahrgäste nicht weggebrochen, sagt der Präsident des VDV. Verluste macht die Deutsche Bahn trotzdem.
27.01.2026 | 1:47 minKeine höhere Nachfrage beim Carsharing
Der Berliner Carsharing-Anbieter Miles verzeichnet bislang hingegen keine höhere Nachfrage, die sich direkt auf die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise zurückführen lasse. "Grundsätzlich ist ein solcher Effekt aber denkbar", teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. "Gerade in Zeiten, in denen der Unterhalt eines eigenen Pkw durch steigende Versicherungs-, Werkstatt- und Energiekosten zunehmend schwer kalkulierbar wird, sehen wir Carsharing als eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative für viele Menschen in der Stadt."
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