Sprit soll wieder günstiger werden:So legt sich die Politik mit den Ölkonzernen an
von Johannes Lieber
Die Bundesregierung will im Kampf gegen die hohen Spritpreise ernst machen und jetzt die Konzerne in die Pflicht nehmen. Ob die Maßnahmen wirklich funktionieren, bleibt umstritten.
Die Fraktionen von Union und SPD sehen mit Blick auf die hohen Spritpreise vor allem die Mineralölkonzerne in der Pflicht. Künftig sollen diese Preissteigerungen begründen müssen.
16.03.2026 | 2:48 minSepp Müller ist "enttäuscht". Enttäuscht von dem, was die Mineralölkonzerne "vorgetragen haben". Der stellvertretende Fraktionschef der Union leitet eine "Task-Force" der Koalition, die die Spritpreise wieder senken soll. Fazit heute: Die Konzerne sollen stärker in die Pflicht genommen werden.
Seit dem Angriff von Israel und den USA auf Iran und der damit verbundenen Blockade einer wichtigen Schiffsroute sind die Spritpreise in Deutschland deutlich gestiegen. Stärker als in anderen Ländern. "Nicht akzeptabel", nennt Müller das und kündigt ein härteres Vorgehen an.
„Dass jetzt die Preise auf großer Front sinken werden, das ist nicht zu erwarten“, so ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann zu den geplanten Maßnahmen gegen hohe Spritpreise.
16.03.2026 | 4:26 minHohe Strafen für Tankstellenbetreiber drohen
Drei Sofort-Maßnahmen will Schwarz-Rot auf den Weg bringen. Das Bundeskartellamt soll in Zukunft schneller gegen große Kraftstoffunternehmen vorgehen können, wenn es Hinweise auf Wucherpreise gibt. Zudem müssen die Konzerne laut dem Plan der Regierung in Zukunft darlegen, wie ihre Preissteigerungen zustande kommen - Beweislastumkehr, nennt das die Koalition.
Das scharfe Schwert liegt da, es darf aber kein zahnloser Tiger sein.
Sepp Müller (CDU), stellvertretender Unions-Fraktionsvorsitzender
Außerdem sollen Tankstellenbetreiber in Zukunft nur noch einmal am Tag um 12 Uhr ihre Preise anheben dürfen oder es droht ein Bußgeld von bis zu 100.000 Euro. Senken dürfen sie ihre Preise dagegen unbegrenzt.
Experte sieht Maßnahmen kritisch
Ob die Maßnahmen wirklich zu einer spürbaren Senkung der Spritpreise führen, ist nicht ausgemacht, sagt Wirtschaftsexperte Hans Friederiszick. Durch das Verbot, mehrmals täglich die Preise zu erhöhen, könnten zwar die Preisschwankungen begrenzt werden, höhere Preise würden aber "nur minimal oder gar nicht" verhindert.
Die Bundesregierung will unter anderem das Kartellrecht verschärfen, um die stark gestiegenen Spritpreise im Zaum zu halten. Eine Einschätzung von Andrea Maurer.
15.03.2026 | 1:00 minLaut Friederiszick könnte durch diese Regelung der Spritpreis sogar steigen, da sich Tankstellenbetreiber so einfacher auf bestimmte Preise "koordinieren" könnten, so der Experte für Kartelle und Wettbewerb. Er schlägt vor, besonders einkommensschwache Haushalte mit Tankgutscheinen zu unterstützen, statt eine Preissenkung für alle erwirken zu wollen.
Mineralölkonzerne weisen Kritik von sich
Den Vorwurf, dass sich die Mineralölkonzerne an der aktuellen Krise bereichern, weist Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Verbands Fuels und Energie, "ausdrücklich" zurück. Die Gewinne der Konzerne seien in den letzten Wochen nicht gestiegen. Dass die Preise in anderen Ländern weniger stark steigen, erklärt er damit, dass Konzerne dort wohl auf Umsatz verzichten.
Die Umkehr der Beweislast hält Küchen für existenzbedrohend. Für die Unternehmen hätte es "erhebliche Risiken" zur Folge, wenn Preiserhöhungen nachträglich zurückgenommen würden. Einige Konzerne könnten dann aus dem Markt aussteigen, so Küchen.
Warum ist Tanken in Deutschland so viel teurer als im EU-Schnitt? Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, sieht die Gründe vor allem in der Macht weniger großer Konzerne.
12.03.2026 | 5:40 minKommt ein Ölpreisdeckel?
Die Koalition behält sich trotzdem vor, auch weitere Maßnahmen zu ergreifen, wenn es nötig ist, so der SPD-Fraktionsvize Armand Zorn. Einige Vorschläge liegen auf dem Tisch. Aus der Linksfraktion kommt heute die Idee, die Ölpreise zu deckeln. Höhere Beschaffungspreise solle der Staat ausgleichen. Finanzieren will die Partei das mit einer Übergewinnsteuer, die die Ölkonzerne zahlen müssten.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnte dies allerdings schon ab. Staatliche Eingriffe würden "am Ende zu höheren Preisen" führen, so Reiche.
Voigt fordert CO2-Abgabe auszusetzen
Der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) fordert dagegen die CO2-Abgabe auszusetzen "solange die Preise so hoch seien". Das Geld der Abgabe fließt nicht in den Bundeshaushalt, sondern in den Klima- und Transformationsfonds. Diese Mittel fließen in Klimaschutz- und Strukturwandelprojekte.
Es wird international viel für eine Entspannung an den Ölmärkten getan - bislang zeigen die Bemühungen allerdings wenig Erfolg. Die Preise klettern weiter in die Höhe.
12.03.2026 | 2:14 minVoigt schlägt vor, "zukünftige Investitionen vielleicht weniger zu tätigen", damit die Menschen jetzt mehr Geld im Portmonnaie haben, sagte er im Podcast "Politico Berlin Playbook".
Grüne bringen Neun-Euro-Ticket ins Spiel
Wenn es nach den Grünen ginge, wäre die aktuelle Spritpreiskrise der perfekte Zeitpunkt, das Neun-Euro-Ticket zurückzubringen. Finanzieren will die Partei das, ähnlich wie die Linken, mit einer Übergewinnsteuer für die Ölkonzerne.
Das sei "allemal besser, besser als viele der Dinge, die ansonsten gerade in der politischen Landschaft diskutiert werden", sagte der Parteivorsitzende Felix Banaszak.
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