Diesel & Benzin werden auch in Deutschlands Nachbarländern teurer

Spritkosten steigen europaweit:Diesel- & Benzinpreis: Deutschlands Nachbarländer holen auf

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Der Iran-Krieg hat Benzin und Diesel hierzulande schnell verteuert. In Deutschlands Nachbarländern war der Preisanstieg bisher noch gering. Aber das ändert sich jetzt.

Symbolbild: Auf einer Preistafel einer Tankstelle werden die Spritpreise von Diesel, Super Benzin und Super Plus angezeigt.

Im Bundestag gibt es am Donnerstag die erste Lesung zum Maßnahmenpaket der Bundesregierung über die neue Regelung der Spritpreise. Phoenix spricht dazu mit Armand Zorn (SPD) und Sandra Detzer (B90/Grünen).

19.03.2026 | 16:37 min

Deutschlands Nachbarländer holen beim Spritpreisanstieg auf. Nachdem sich Superbenzin und Diesel in den ersten eineinhalb Wochen des Iran-Krieges hierzulande deutlich schneller verteuert hatten als in den EU-Nachbarländern, schrumpfen die Unterschiede nun wieder. Das geht aus Daten der EU-Kommission hervor.

In Österreich, dessen bisherige Spritpreisregulierung sich Deutschland zum Vorbild genommen hat, ist der Unterschied im Anstieg damit fast verschwunden. Zur Schweiz als Nicht-EU-Land liegen keine genau vergleichbaren Daten vor.

Dänemark holt Deutschland beim Preisanstieg ein

Die von der EU-Kommission veröffentlichten Spritpreise werden wöchentlich jeweils mit Stand vom Montag erhoben. Sie zeigen für Deutschland inzwischen nur noch bei Superbenzin den höchsten Preisanstieg im Vergleich zum 23. Februar, dem letzten Montag vor Kriegsbeginn.

Spritpreise: Regierung erhöht den Druck

In Berlin beraten Politik und Mineralölkonzerne über hohe Spritpreise – ohne Ergebnis. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigt nun strengere Regeln an, um den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen.

17.03.2026 | 2:39 min

Am 9. März hatten die Daten für die meisten EU-Nachbarn um 11,8 bis 14,1 Cent langsamere Preisanstiege gezeigt. Nun sind es nur noch 2 bis 7,3 Cent. Beim Anstieg des Diesel-Preises wurde Deutschland inzwischen sogar von Dänemark eingeholt: Daten vom 23. Februar bis zum 16. März zeigen dort ein um 1,5 Cent höheres Plus als hierzulande.

In Österreich ist der Anstieg nur noch um 0,5 Cent niedriger als in Deutschland, in den anderen EU-Nachbarländern um 2,2 bis 9,8 Cent. Vor einer Woche war die Spanne noch sehr viel größer und reichte von 4,8 bis 21 Cent.

Für die Monopolkommission, die die Bundesregierung zu Wettbewerb und Regulierungen berät, ist diese Entwicklung ein Indiz für geringe Wettbewerbsintensität in Deutschland:

Es fällt auf, dass der Ölpreisanstieg hierzulande besonders schnell an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde.

Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission

Eine Anzeigetafel mit Preisen für Kraftstoff steht an einer Tankstelle zur blauen Stunde. Berlin am 11.03.2026.

Warum ist Tanken in Deutschland so viel teurer als im EU-Schnitt? Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, sieht die Gründe vor allem in der Macht weniger großer Konzerne.

12.03.2026 | 5:40 min

Tanktourismus weniger attraktiv

Grundsätzlich unterscheiden sich die Spritpreise von Land zu Land. In Polen, Tschechien, Luxemburg, Belgien oder Österreich sind die Kraftstoffe auch nach der jüngsten Entwicklung sehr viel günstiger als in Deutschland gewesen. Dahinter stecken vor allem unterschiedliche Steuern und Abgaben.

Teilweise gibt es aber auch unterschiedliche Regulierungen zur Bepreisung, beispielsweise mit Höchstpreisen in Luxemburg oder Belgien. Das sorgt seit langem für Tanktourismus an vielen Grenzen. Dieser lohnt sich nun etwas weniger.

Kritik an geplanter Benzinpreis-Regulierung

Die aktuelle Entwicklung stützt zudem Kritik an den Plänen der Bundesregierung zur Spritpreisregulierung. Geplant ist, dass nur noch einmal am Tag die Spritpreise erhöht werden dürfen.

Das sorgt für mehr Transparenz. Außerdem kehrt das die Beweislast der Ölkonzerne um: Sie müssen erklären, wie ihre Preise zustande kommen.

Armand Zorn, stellvertretender Bundestags-Fraktionsvorsitzender SPD

Kritik an diesem Vorhaben gibt es von der Opposition: "Das Paket ist nicht falsch, aber es wird auch nicht dazu führen, dass die Tankpreise im großen Ausmaß sinken", befürchtet Sandra Detzer, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.

Dass der Anstieg im Ausland inzwischen fast genauso hoch ausfällt wie in Deutschland, passt zu dieser Einschätzung. Österreich, das Vorbild der geplanten deutschen Regelung, hat seine Spritpreisbremse inzwischen verschärft.

Quelle: ZDF, dpa
Über dieses Thema berichtete phoenix, der gemeinsame Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF, in der Sendung "phoenix vor Ort" am 19. März 2026 ab 8:45 Uhr.

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