Machterhalt der Führung:Regimewechsel in Iran? - Experte sieht "Überlebenskampf"
Trotz heftiger Angriffe behält das Regime in Teheran die Macht. Ist das Ziel gescheitert, einen Führungswechsel herbeizuführen? Fragen an einen Iran-Experten.
Das Interview mit Iran-Experte Cornelius Adebahr in voller Länge.
19.03.2026 | 19:28 min"Regime Change", der Wechsel der Führung in Iran - das gilt als eines der Kriegsziele der USA. Zentrale Akteure im Machtapparat Irans wurden bereits getötet - darunter das Geistliche Oberhaupt des Landes, Ali Chamenei, sowie der Sicherheitschef des Landes, Ali Laridschani. Steht das Land mit dem Verlust zentraler Akteure und nach dem massiven Beschuss im Land nun näher an einem Machtwechsel?
Iran könnte noch entschlossener reagieren
Insbesondere Sicherheitschef Laridschani sei für das Regime in Teheran "so schnell nicht zu ersetzen", erklärt Iran-Experte Cornelius Adebahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) bei ZDFheute live. Als "Strippenzieher" habe er besonders in den ersten Tagen des Krieges eine wichtige Rolle gespielt.
Es fehlt jemand, der die Gesamtstrategie überblickt, der auch nach außen Kontakte hätte, der beispielsweise auch Verhandlungen (…) hätte leiten können.
Cornelius Adebahr, Iran-Experte der DGAP
Das führe allerdings dazu, dass Iran nun entschlossener reagiere, so der Experte: "Das heißt im Umkehrschluss, das iranische Regime wird weiter versuchen, sich zu wehren - mit den Mitteln, die es hat."
Ohne zentrale Führung würde auch vieles etwa von den Kommandeuren vor Ort entschieden. Diese suchten sich Ziele aus, "um möglichst großen Schaden zuzufügen."
Israel greift den Iran weiter unerbittlich an. Jetzt wurde bekannt, dass weitere führende Köpfe des Regimes getötet wurden. Einer von ihnen: Sicherheitsrats-Chef Ali Laridschani.
17.03.2026 | 2:25 minExperte: Chamenei-Nachfolge "Signal an die USA"
Die rasche Ernennung Modschtaba Chameneis als Nachfolger seines getöteten Vaters Ayatollah Ali Chamenei sei "ein Signal an die USA, dass Iran hier nicht klein beigeben will." Medienberichten zufolge wurde er bei dem Luftangriff auf Teheran verletzt. Dazu aber gebe es widersprüchliche Informationen, so Adebahr.
Wir müssen davon ausgehen, dass er im Moment nicht handlungsfähig ist - oder jedenfalls nicht auftretensfähig.
Cornelius Adebahr, Iran-Experte der DGAP
... ist selbstständiger Politikberater und Analyst - unter anderem für die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Er forscht außerdem an der Hertie School in Berlin und am Istituto Affari Internazionali in Rom. (Quelle: DGAP)
Was den Iran nun noch zusammenhält
Zusammengehalten werde der angeschlagene Iran derzeit von zwei wesentlichen Faktoren: Einerseits sei es die "ideologische Verhärtung", die das Land in den vergangenen Jahren durchlaufen habe - insbesondere in der Abgrenzung zu den Nachbarstaaten in der Region sowie zu Israel und den USA. Daraus erwachse der Wunsch der "Selbstbehauptung" Irans.
Die US-Regierung rechtfertigt ihr Eingreifen in Iran seit Kriegsbeginn mit dem Ziel eines Regime-Changes. Wie es um die Erfolgschancen steht, ordnet ZDFheute live ein.
19.03.2026 | 25:49 minZweitens befinde sich das Regime, alle Menschen in hohen Funktionen, aktuell im Überlebenskampf, so Adebahr: "Aus deren Sicht ist es auch keine Option, jetzt einfach zu kapitulieren."
Sie wissen: In dem Moment, wo tatsächlich die Menschen im Iran die Geschicke bestimmen würden, (...) dann wären sie weg vom Fenster - oder eben wahrscheinlich auch tot.
Cornelius Adebahr, Iran-Experte der DGAP
Das ist der Grund, warum das Regime so eng zusammenhalte oder jeglichen Protest mit Gewalt beantworte. Die iranischen Revolutionsgarden seien dabei eine "Stütze" für das Regime in Teheran, so der Experte. Diese "Parallelarmee" leiste zum einen "Wesentliches in der Verteidigung des Landes", hätte aber auch eine zentrale Funktion in der "Repression nach innen", so Adebahr.
"Die iranische Spitze ist stark geschwächt", berichtet ZDF-Korrespondentin Isabelle Tümena.
18.03.2026 | 1:19 minExperte: Regime hat weiterhin die Kontrolle
Wie steht es also um das US-Kriegsziel des Regimewechsels in Iran? Aus dem Land dringe bislang wegen der Lage vor Ort und der anhaltenden Internetsperre nur wenig nach außen. Es gelte jedoch:
Das Wenige, das man hört, deutet genau darauf hin, dass das Regime weiterhin Kontrolle im Land behält - über die Sicherheitskräfte, die Milizen, die Polizei und die Geheimdienste.
Cornelius Adebahr, Iran-Experte der DGAP
Bisher gingen Israel und die USA "gezielt gegen diesen inneren Repressionsapparat vor". Es gebe auch wenig Tendenzen dazu, dass beispielsweise Offiziere die Seiten wechselten. So lange in Iran "nicht irgendwelche Risse im System erkennbar sind", sei es für die Menschen im Land nicht denkbar, "zusätzlich zum Bombenhagel dann auch noch auf die Straße zu gehen und (...) zu protestieren oder einen Umsturz herbeizuführen", wenn sie dem Regime und dem Sicherheitsapparat ausgeliefert seien, so der Iran-Experte.
Die Tötung Laridschanis in Iran könnte zu "dezentralen Strukturen" im Regime führen, sagt Iran-Experte Fathollah-Nejad.
19.03.2026 | 4:19 minWie steht es um Irans militärische Stärke?
Exakte Zahlen zur verbleibenden militärischen Stärke des Regimes in Teheran liegen nicht vor, so Adebahr. Laut Schätzungen jedoch hätte Iran "sein Arsenal noch nicht verschossen". Es gebe die Theorie, dass Iran versuche, einige sehr präzise Waffen für den Fall vorzuhalten, wenn die Amerikaner ihre Luftabwehrraketen verschossen hätten. Das sei aber ein riskantes Kalkül.
Zur Kenntnis über die noch verbliebene Größe des Militärapparats erläuterte Adebahr: "Die Marine ist größtenteils zerstört, die Luftwaffe ist größtenteils zerstört." Aber, betont Iran-Experte Adebahr:
Der Repressionsapparat im Inneren (…) ist weiterhin erhalten.
Cornelius Adebahr, Iran-Experte der DGAP
Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Jessica Zahedi. Autor der Zusammenfassung ist ZDFheute-Redakteur Silas Thelen.
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