Reeder ziehen Bilanz:Iran-Krieg: Sorge um Seeleute, Schiffe und Lieferketten
von Britta Hilpert
Rund 50 Schiffe mit deutschem Bezug sitzen fest, kein Schiff einer deutschen Reederei steuert sie noch an: die Straße von Hormus. Das hat mehr Folgen, als man ahnt.
Der Verband Deutscher Reeder hat neueste Entwicklungen zur deutschen Seeschifffahrt vorgestellt. Die Bedeutung von Seehandelsrouten zeigt sich in der aktuellen geopolitischen Lage klarer denn je.
23.03.2026 | 1:52 minEs gab Angriffe auf rund 20 der 2.000 Schiffe aus verschiedensten Ländern, es gab Tote und Verletzte, so der Verband Deutscher Reeder (VDR) bei seiner Jahresbilanz. Die Risiken für Besatzungen und Schiffe seien kaum noch kalkulierbar.
Der Krieg gegen Iran, ausgeführt von USA und Israel, sei ein "trauriger Höhepunkt", der die Schifffahrt in besonderer Weise trifft, sagt Gaby Bornheim, Vorsitzende des VDR. Ukraine-Krieg, Huthi-Piraten am Roten Meer, Trumps Zollpolitik und nun das: "Es ist nicht nur stürmisch, es ist kriegerisch!"
US-Präsident Donald Trump verlängert seine Frist für die Wiedereröffnung der Straße von Hormus durch den Iran. Die USA würden fünf Tage lang auf Angriffe auf iranische Kraftwerke verzichten.
23.03.2026 | 1:21 minIran-Krieg: Versicherungen und Treibstoffpreise für Schiffe explodieren
Erste Folge: Versicherungsprämien explodieren. Eine Million Euro versichern ein Container-Schiff im Golf für gerade mal sieben Tage, so der Geschäftsführer des VDR Martin Kröger.
Zweite Folge: Die Treibstoffpreise haben sich zeitweilig verdoppelt - und wenn ein Schiff dann nicht fahren kann, schmerzt das um so mehr.
Für Deutschland ist die Entwicklung besonders heikel. Rund 60 Prozent des Außenhandels werden über den Seeweg abgewickelt.
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Ölpreis kräftig angestiegen. Was bedeutet das für die Inflation? WISO - Wirtschaft erklärt mit ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
13.03.2026 | 8:51 minGolf-Region in den Top 3 für petrochemische Vorprodukte
Und das ist die dritte Folge: Der Handel leidet. Nicht nur, weil die Schiffe Krisengebiete weiträumig umfahren - und der Transport damit länger dauert und teurer wird. Sondern auch, weil Deutschland mit dem Golf bisher gute Geschäfte machte: deutsche Maschinen, zum Beispiel auch für die Ölförderung, und Fahrzeuge hin, chemische Produkte zurück.
Die Golf-Region gehört mittlerweile zu den globalen Top-Drei-Lieferanten von petrochemischen Vorprodukten, etwa für die Dünger- und Kunststoffindustrie.
Steigende Öl-, Gas- und Spritpreise, Börsen unter Druck. Vor allem die Blockade der Straße von Hormus seitens des Iran hat Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft.
11.03.2026 | 6:44 minSeehandel leidet - Chemieindustrie sucht nach Alternativen
Deutsche Reeder nehmen keine Buchungen mehr für den Golf an - und so müssen die Kunden der Reeder Alternativen finden, denn der Golf liefert mehr als Öl, erklärt Norbert Baum von der Helm AG, einem weltweit agierenden Chemie-Handelsunternehmen.
Er zählt auf, welche Produkte nun knapper werden: "Der Arabische Golf ist eben auch eine Region, wo viel Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol produziert wird und diese Dinge finden sich dann im Automobilbau, im Bau von Immobilien, in Plastikbechern, Verpackungen, Aceton, also im Nagellack."
Manche dieser Vorprodukte würden bis zu 50 Prozent teurer - das werde sich "zeitversetzt bemerkbar machen", sagt Baum. Auch wenn dieser Preiseffekt in der Weiterverarbeitung "verwässert" würde, sei es trotzdem die schwerste Krise, die er in den 25 Jahren seines Berufs erlebt habe.
Militärische Absicherung: Reeder fordern internationalen Schutz
Schlimmer als teurer Handel ist nur: gar kein Handel, meinen die Reeder und fordern internationale Zusammenarbeit beim Schutz der Schifffahrtsrouten. Beim Branchenriesen Hapag Lloyd heißt es, man brauche militärische Absicherung, wenn wieder Schiffe durch die Straße von Hormus fahren sollen. Gespräche dazu würden wohl laufen.
Weltweit werden Handelswege riskanter: Klimawandel, politische Konflikte und Angriffe auf See erschweren den Transport. Wie Deutschlands größtes Transportunternehmen Hapag-Lloyd damit umgeht.
20.01.2026 | 3:11 minAllein könnten die Reedereien ihre Schiffe nicht schützen, betont auch die VDR-Chefin Bornheim. Sie fordert ein internationales Mandat, um Handelsschiffe aus der Gefahrenzone zu begleiten. Eine solche Schutzmission müsse möglichst bald kommen - lieber früher als später.
Ob und wann es dazu kommt, ist offen. Aber je länger die Blockade an der Straße von Hormus anhält, je mehr die Sicherheit auf See und globale Lieferketten bedroht sind - desto lauter werden wohl die Rufe nach Schutz der Handelswege, insbesondere von den Reedern.
Aktuelle Entwicklungen der Eskalation:Iran-Krieg: Alle Nachrichten im Liveblog
Britta Hilpert leitet das ZDF-Studio in Hamburg.
Mehr zum Thema Krieg im Iran
- Analyse
Experten für Drohnenabwehr sollen helfen:Kann die Ukraine die Golfstaaten vor Iran beschützen?
von Nils Metzgermit Video0:25 - FAQ
Neues geistliches Oberhaupt:Was erwartet Iran unter der Führung von Chamenei Junior?
mit Video1:40 - Interview
Spekulationen über Iran-Operation:Wie die CIA versucht, Regime zu stürzen
mit Video20:36 Öl-Anlagen, Staudämme und Agent Orange:Wie Kriege immer wieder Umweltkatastrophen auslösen
von Nils Metzgermit Video0:46