Kann die Ukraine die Golfstaaten vor Irans Drohnen beschützen?

Analyse

Experten für Drohnenabwehr sollen helfen:Kann die Ukraine die Golfstaaten vor Iran beschützen?

Autorenfoto Nils Metzger

von Nils Metzger

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Ukrainische Soldaten helfen den Golfstaaten gegen iranische Drohnenangriffe, weil die USA überfordert sind. Kiew verfolgt mit der Kooperation auch strategische Ziele.

Ein Foto vom 27. Dezember 2025 zeigt eine iranische Shahed-136-Drohne (Geranium-2), die von der russischen Armee während eines russischen Drohnen- und Raketenangriffs im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine über Kiew kreist.

Die Ukraine wird die USA und die Golfstaaten bei der Abwehr iranischer Drohnen unterstützen. Das Land werde nach einer US-Anfrage Experten und Ausrüstung bereitstellen, so Präsident Selenskyj.

06.03.2026 | 0:25 min

Im Kampf gegen Drohnenangriffe aus Iran bekommen die arabischen Golfstaaten Unterstützung von der Ukraine. Kiew schickt dafür Drohnenexperten nach Katar, Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Das teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Dienstag mit. Auch auf einem US-Militärstützpunkt in Jordanien werden ukrainische Soldaten erwartet.

Ukraine hat Wissensvorsprung vor den USA

Emil Archambault von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik erklärt diesen bemerkenswerten Schritt:

Die Ukraine hat bei Drohnen eine viel bessere Expertise als alle anderen Länder, auch als die USA.

Emil Archambault, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

ohann Wadephul (M, CDU), Außenminister, und Faisal bin Farhan (r), Außenminister von Saudi-Arabien, sprechen im Außenministerium vor einem Treffen mit Mitarbeitern des saudischen Außenministeriums.

Zerstörungen in Iran und im Libanon, Raketenalarm in Israel: Die Angriffe im Nahen Osten gehen weiter. Derweil ist Bundesaußenminister Wadephul (CDU) zu Gesprächen in der Region.

11.03.2026 | 2:05 min

"Drei Teams reichen natürlich nicht, um die gesamte Region zu schützen. Aber man muss schauen, was mit diesen ukrainischen Teams mitkommt - welche Geräte, welche Systeme", sagt Archambault.

Offiziell machte die ukrainische Regierung keine Angaben zu den speziellen Aufgaben ihrer Teams und wie lange die Mission andauern soll. Man reagiere damit auf ein Hilfsersuchen der USA und der Golfstaaten, so Selenskyj vergangene Woche.

Ukrainische Soldaten des Verteidigungsnachrichtendienstes bereiten den Start der Langstreckendrohne An-196 Ljutyj an einem ungenannten Ort in der Ukraine vor.

Ukrainische Soldaten mit einer im eigenen Land entwickelten Langstreckendrohne vom Typ An-196 - kein anderes Land hat so viel Expertise mit diesen Waffen.

Quelle: dpa

Flugabwehr der Golfstaaten an Belastungsgrenze

Der inzwischen wochenlange intensive Beschuss mit Drohnen und Raketen aus Iran bringt die Flugabwehr der Golfstaaten an ihre Belastungsgrenze. "Das zeigt auch, wie gering die Kapazitäten anderer Länder wie der USA sind. Patriot-Flugabwehrsysteme sind sehr hochwertig, aber kaum verfügbar. Es gibt viel zu wenig Munition – das ist gerade die größte Lücke", sagt Archambault. 

Aktuell sind Flugabwehrsysteme großer westlicher Hersteller weltweit so gefragt, dass die Wartezeit bis zur Lieferung oft mehrere Jahre ist. "Da bietet die Ukraine mit ihren Abfangdrohnen eine Alternative." 

Rettungskräfte versammeln sich am Mittwoch, dem 11. März 2026, an dem Ort in Beirut, Libanon, der von israelischen Luftangriffen getroffen wurde, wo Wohnhäuser zerstört wurden.

Die israelische Armee hat Ziele in der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Iran hat seinerseits Ziele in Israel angegriffen. Mehrere Golfstaaten meldeten Raketen- und Drohnenangriffe.

11.03.2026 | 0:20 min

Wie gut können sich die Golfstaaten schützen? 

Wie sich die Flugabwehr der Golfstaaten aktuell bewährt, ist für Experten nicht leicht zu bewerten. Einerseits sind die Opferzahlen bislang gering, die vermeldeten Schäden überschaubar. Für das weltweite Image der Golfstaaten als sichere Destination für Wirtschaft und Tourismus ist jede Drohne, die durchkommt, dennoch ein Fiasko. Entsprechend empfindlich reagieren die Regierungen vor Ort auch auf kritische Berichte zur eigenen Flugabwehr, etwa der Sorge, dass Abfangraketen ausgehen könnten. 

Welche Schäden die iranischen Drohnen bislang im Detail anrichten konnten, ist auch deshalb schwierig zu bewerten, weil westliche Anbieter von Satellitenbildern ihr Angebot eingeschränkt haben. Sie liefern derzeit nur wenig detaillierte Bilder von getroffenen Anlagen in den Golfstaaten, um Iran keine Einblicke zu gewähren.

Montage: FPV-Drohne über winterlicher Straße, davor eine Landdrohne zur Versorgung mit Nachschub

Auf dem Schlachtfeld neuer Waffen entscheidet Hightech und Innovation: Land-, Luft- und Seedrohnen greifen an, zerstören Nachschub und treffen selbst die Schiffsflotten – Krieg im Drohnenfeuer.

19.02.2026 | 16:47 min

Öl-Anlagen: Verwundbar, aber leicht zu schützen 

Ein Vorteil für die Golfstaaten: Besonders verwundbare Standorte wie Raffinerien sind gleichzeitig auch kompakt und darum leicht mit vergleichsweise wenigen Abwehrsystemen zu schützen. 

Und die Drohnen-Bedrohung ist für die Golfstaaten alles andere als neu. Bereits 2019 und 2022 waren Öl-Anlagen in Saudi-Arabien von Huthi-Drohnen aus iranischer Fertigung angegriffen worden.

Heike Slansky im Interview

US-Korrespondentin Heike Slansky ordnet Trumps Drohungen gegen den Iran ein. Mit Blick auf ein mögliches Ende des Krieges sei keine klare Strategie der USA zu erkennen.

11.03.2026 | 2:31 min

Katarische Flugabwehr vermisst deutsche Gepard-Panzer 

Das Emirat Katar hatte darum schon vor Jahren reagiert und in Deutschland 15 ausrangierte Gepard-Flugabwehrpanzer gekauft – trotz seines hohen Alters für viele Experten eines der leistungsfähigsten Waffensysteme gegen Kamikazedrohnen. 2020 gab die Bundesregierung die Lieferung frei, wirkte danach aber offenbar auf Katar ein, die Panzer wieder für die Ukraine abzugeben.  

Offiziell bestätigt ist das nicht, jedoch tauchten in der Liste der Ukraine-Rüstungshilfen des Verteidigungsministeriums plötzlich 15 Geparden auf. Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev besuchte im Juli 2023 die Ausbildung ukrainischer Flugabwehrsoldaten auf einem deutschen Truppenübungsplatz – auf seinem Video von vor Ort sieht man einen Gepard-Panzer mit der für Katar üblichen Lackierung in Wüstenfarben.

Bei den aktuellen Meldungen aus Katar über Drohnenabschüsse ist von den Geparden auch keine Rede. Sie dürften dem Emirat gerade bitter fehlen.



Grafikvideo, das die Kamikaze-Waffe des Iran und seine Weiterentwicklung zeigt.

Die Drohnen stammen aus Iran, wurden von Russland weiterentwickelt und von den USA kopiert. Sie kommen im Ukraine- und im Iran-Krieg zum Einsatz. Das Grafikvideo erklärt die Waffe in 3D.

06.03.2026 | 0:57 min

Drohnen-Experten sind indirekt auch Handelsvertreter 

Kiews Militärberater dürften noch ein zweites, inoffizielles Ziel am Golf verfolgen: potenzielle Käufer für die eigene Rüstungsindustrie finden.  

Schon jetzt können ukrainische Rüstungsunternehmen mehr Abfangdrohnen produzieren als die Ukraine selbst kaufen kann – nicht, weil der Bedarf fehlen würde, sondern weil es an Geld mangelt. 

"Die ukrainische Drohnenindustrie ist darauf ausgelegt, schnell zu produzieren und schnell hochskalieren zu können. Der Hauptkäufer bleibt der ukrainische Staat, aber die Industrie will auch fürs Ausland produzieren. Der Staat unterstützt und ermöglicht das, weil man so Beziehungen zu anderen Ländern strategisch verbessern kann", sagt Experte Archambault.

Dass die Industrie auf neue Exportmöglichkeiten drängt, verdeutlicht Ihor Fedirko, Geschäftsführer des Rates der Ukrainischen Verteidigungsindustrie gegenüber dem ukrainischen Medium "New Voice":

 

Wir produzieren derzeit dreimal so viel, wie unser Land kaufen kann. Dies gilt insbesondere für Abfangdrohnen, sowohl zum Bekämpfen von Aufklärern wie auch von Kamikazeangriffen.

Ihor Dedirko, Rat der Ukrainischen Verteidigungsindustrie

Sollte der aktuelle Konflikt mit Iran noch einige Zeit andauern, könnten ukrainische Lieferungen womöglich schon einen Unterschied machen. "Das kann sehr schnell gehen, in ein paar Wochen könnte man schon Ergebnisse sehen", so Archambault. 

Durch den Krieg zum Weltmarktführer bei Drohnenabwehr aufgestiegen zu sein, ist für die von Krieg erschütterte ukrainische Volkswirtschaft ein tragischer Lichtblick.

Über den Krieg in Iran berichtet das ZDF in verschiedenen Sendungen, unter anderem im heute journal am 10.03.2026 ab 21:45 Uhr. Über die Entsendung ukrainischer Drohnen-Experten berichtete das ZDF erstmals am 06.03.2026 um 07:30 Uhr in dem Beitrag "Ukraine will bei Drohnenabwehr unterstützen".

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