Experten für Drohnenabwehr sollen helfen:Kann die Ukraine die Golfstaaten vor Iran beschützen?
von Nils Metzger
Ukrainische Soldaten helfen den Golfstaaten gegen iranische Drohnenangriffe, weil die USA überfordert sind. Kiew verfolgt mit der Kooperation auch strategische Ziele.
Die Ukraine wird die USA und die Golfstaaten bei der Abwehr iranischer Drohnen unterstützen. Das Land werde nach einer US-Anfrage Experten und Ausrüstung bereitstellen, so Präsident Selenskyj.
06.03.2026 | 0:25 minIm Kampf gegen Drohnenangriffe aus Iran bekommen die arabischen Golfstaaten Unterstützung von der Ukraine. Kiew schickt dafür Drohnenexperten nach Katar, Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Das teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Dienstag mit. Auch auf einem US-Militärstützpunkt in Jordanien werden ukrainische Soldaten erwartet.
Ukraine hat Wissensvorsprung vor den USA
Emil Archambault von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik erklärt diesen bemerkenswerten Schritt:
Die Ukraine hat bei Drohnen eine viel bessere Expertise als alle anderen Länder, auch als die USA.
Emil Archambault, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik
Zerstörungen in Iran und im Libanon, Raketenalarm in Israel: Die Angriffe im Nahen Osten gehen weiter. Derweil ist Bundesaußenminister Wadephul (CDU) zu Gesprächen in der Region.
11.03.2026 | 2:05 min"Drei Teams reichen natürlich nicht, um die gesamte Region zu schützen. Aber man muss schauen, was mit diesen ukrainischen Teams mitkommt - welche Geräte, welche Systeme", sagt Archambault.
Offiziell machte die ukrainische Regierung keine Angaben zu den speziellen Aufgaben ihrer Teams und wie lange die Mission andauern soll. Man reagiere damit auf ein Hilfsersuchen der USA und der Golfstaaten, so Selenskyj vergangene Woche.
Ukrainische Soldaten mit einer im eigenen Land entwickelten Langstreckendrohne vom Typ An-196 - kein anderes Land hat so viel Expertise mit diesen Waffen.
Quelle: dpaFlugabwehr der Golfstaaten an Belastungsgrenze
Der inzwischen wochenlange intensive Beschuss mit Drohnen und Raketen aus Iran bringt die Flugabwehr der Golfstaaten an ihre Belastungsgrenze. "Das zeigt auch, wie gering die Kapazitäten anderer Länder wie der USA sind. Patriot-Flugabwehrsysteme sind sehr hochwertig, aber kaum verfügbar. Es gibt viel zu wenig Munition – das ist gerade die größte Lücke", sagt Archambault.
Aktuell sind Flugabwehrsysteme großer westlicher Hersteller weltweit so gefragt, dass die Wartezeit bis zur Lieferung oft mehrere Jahre ist. "Da bietet die Ukraine mit ihren Abfangdrohnen eine Alternative."
Die israelische Armee hat Ziele in der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Iran hat seinerseits Ziele in Israel angegriffen. Mehrere Golfstaaten meldeten Raketen- und Drohnenangriffe.
11.03.2026 | 0:20 minWie gut können sich die Golfstaaten schützen?
Wie sich die Flugabwehr der Golfstaaten aktuell bewährt, ist für Experten nicht leicht zu bewerten. Einerseits sind die Opferzahlen bislang gering, die vermeldeten Schäden überschaubar. Für das weltweite Image der Golfstaaten als sichere Destination für Wirtschaft und Tourismus ist jede Drohne, die durchkommt, dennoch ein Fiasko. Entsprechend empfindlich reagieren die Regierungen vor Ort auch auf kritische Berichte zur eigenen Flugabwehr, etwa der Sorge, dass Abfangraketen ausgehen könnten.
Welche Schäden die iranischen Drohnen bislang im Detail anrichten konnten, ist auch deshalb schwierig zu bewerten, weil westliche Anbieter von Satellitenbildern ihr Angebot eingeschränkt haben. Sie liefern derzeit nur wenig detaillierte Bilder von getroffenen Anlagen in den Golfstaaten, um Iran keine Einblicke zu gewähren.
Auf dem Schlachtfeld neuer Waffen entscheidet Hightech und Innovation: Land-, Luft- und Seedrohnen greifen an, zerstören Nachschub und treffen selbst die Schiffsflotten – Krieg im Drohnenfeuer.
19.02.2026 | 16:47 minÖl-Anlagen: Verwundbar, aber leicht zu schützen
Ein Vorteil für die Golfstaaten: Besonders verwundbare Standorte wie Raffinerien sind gleichzeitig auch kompakt und darum leicht mit vergleichsweise wenigen Abwehrsystemen zu schützen.
Und die Drohnen-Bedrohung ist für die Golfstaaten alles andere als neu. Bereits 2019 und 2022 waren Öl-Anlagen in Saudi-Arabien von Huthi-Drohnen aus iranischer Fertigung angegriffen worden.
US-Korrespondentin Heike Slansky ordnet Trumps Drohungen gegen den Iran ein. Mit Blick auf ein mögliches Ende des Krieges sei keine klare Strategie der USA zu erkennen.
11.03.2026 | 2:31 minKatarische Flugabwehr vermisst deutsche Gepard-Panzer
Das Emirat Katar hatte darum schon vor Jahren reagiert und in Deutschland 15 ausrangierte Gepard-Flugabwehrpanzer gekauft – trotz seines hohen Alters für viele Experten eines der leistungsfähigsten Waffensysteme gegen Kamikazedrohnen. 2020 gab die Bundesregierung die Lieferung frei, wirkte danach aber offenbar auf Katar ein, die Panzer wieder für die Ukraine abzugeben.
Offiziell bestätigt ist das nicht, jedoch tauchten in der Liste der Ukraine-Rüstungshilfen des Verteidigungsministeriums plötzlich 15 Geparden auf. Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev besuchte im Juli 2023 die Ausbildung ukrainischer Flugabwehrsoldaten auf einem deutschen Truppenübungsplatz – auf seinem Video von vor Ort sieht man einen Gepard-Panzer mit der für Katar üblichen Lackierung in Wüstenfarben.
Bei den aktuellen Meldungen aus Katar über Drohnenabschüsse ist von den Geparden auch keine Rede. Sie dürften dem Emirat gerade bitter fehlen.
Es sind sowohl iranische Raketen als auch Drohnen, vor denen sich die Golfstaaten schützen müssen. Nicht jedes Abfangsystem ist dabei gegen jede Art von Ziel geeignet oder kosteneffizient. Schnelle Raketen oder Marschflugkörper müssen anders bekämpft werden als langsame Drohnen, die aber in größerer Zahl auftreten können.
Die iranischen Shahed-136-Drohnen sind dabei eine Art goldene Mitte: mit Produktionskosten von geschätzt wenigen Zehntausend Euro pro Stück sind sie überaus günstig, ihr Gefechtskopf kann trotzdem rund 50 Kilogramm Sprengstoff über Distanzen von mehr als 1.000 Kilometern tragen. Schon eine Drohne kann so schwere Schäden an strategisch wichtigen Zielen verursachen. Aktuelles Beispiel: die von einer Shahed-Drohne zerstörten Radaranlagen der US-Marinebasis in Bahrain.
Beim Bau der Shahed-Drohnen kommen kommerziell verfügbare Teile zum Einsatz, etwa ein Motor wie bei einem Moped. Und ihre Technik wird ständig weiterentwickelt – Russlands "Geran"-Drohnenfamilie (eine Adaption der Shaheds) setzt auf größere Sprengköpfe, leistungsstärkere Motoren oder Schutzmaßnahmen gegen eine Störung der Funksteuerung. Mit dem jüngst enthüllten Modell "Lucas" nutzen auch die USA inzwischen von den Shaheds inspirierte Einwegdrohnen.
Die Drohnen stammen aus Iran, wurden von Russland weiterentwickelt und von den USA kopiert. Sie kommen im Ukraine- und im Iran-Krieg zum Einsatz. Das Grafikvideo erklärt die Waffe in 3D.
06.03.2026 | 0:57 minDrohnen-Experten sind indirekt auch Handelsvertreter
Kiews Militärberater dürften noch ein zweites, inoffizielles Ziel am Golf verfolgen: potenzielle Käufer für die eigene Rüstungsindustrie finden.
Schon jetzt können ukrainische Rüstungsunternehmen mehr Abfangdrohnen produzieren als die Ukraine selbst kaufen kann – nicht, weil der Bedarf fehlen würde, sondern weil es an Geld mangelt.
"Die ukrainische Drohnenindustrie ist darauf ausgelegt, schnell zu produzieren und schnell hochskalieren zu können. Der Hauptkäufer bleibt der ukrainische Staat, aber die Industrie will auch fürs Ausland produzieren. Der Staat unterstützt und ermöglicht das, weil man so Beziehungen zu anderen Ländern strategisch verbessern kann", sagt Experte Archambault.
Dass die Industrie auf neue Exportmöglichkeiten drängt, verdeutlicht Ihor Fedirko, Geschäftsführer des Rates der Ukrainischen Verteidigungsindustrie gegenüber dem ukrainischen Medium "New Voice":
Wir produzieren derzeit dreimal so viel, wie unser Land kaufen kann. Dies gilt insbesondere für Abfangdrohnen, sowohl zum Bekämpfen von Aufklärern wie auch von Kamikazeangriffen.
Ihor Dedirko, Rat der Ukrainischen Verteidigungsindustrie
Sollte der aktuelle Konflikt mit Iran noch einige Zeit andauern, könnten ukrainische Lieferungen womöglich schon einen Unterschied machen. "Das kann sehr schnell gehen, in ein paar Wochen könnte man schon Ergebnisse sehen", so Archambault.
Durch den Krieg zum Weltmarktführer bei Drohnenabwehr aufgestiegen zu sein, ist für die von Krieg erschütterte ukrainische Volkswirtschaft ein tragischer Lichtblick.
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