Sicherheit? "Besser als in Deutschland":Iran-Krieg: Dubai-Influencer sollen gute Stimmung verbreiten
von Nils Metzger
Dubai sorgt sich um sein Image als sicheres Reiseland. Die vielen Influencer im Land sollen den Krieg vergessen machen. Wer "Panik" verbreitet, dem drohen Haftstrafen.
Wegen des Iran-Kriegs sitzen viele Deutsche fest. Nun starten Evakuierungsflüge – ein Lufthansa-Charter holt bis zu 280 Menschen aus Maskat im Oman. Erste Rückkehrer sind bereits gelandet.
04.03.2026 | 2:02 minWährend täglich weiter iranische Drohnen und Raketen in Richtung Golfstaaten fliegen, hat Dubai eine Gegenoffensive gestartet. Nicht militärisch, sondern in den sozialen Medien.
"In Dubai geht das Leben selbstbewusst weiter. Sicherheit ist unsere Stärke", postet Dubais staatliches Medienbüro. "Keine Sorge, die VAE sind sicher und geschützt, und ihre Führung ist eng mit dem Volk verbunden und steht den Bürgern nahe." Dazu Bilder eines grüßenden Kronprinzen Hamdan Al Maktum zu Besuch in einer Mall.
Panik im Netz: Für Dubai ein riesiges Problem
Die vermutlich größte Sorge der Regierung ist, dass der internationale Ruf als Wirtschaftsdrehkreuz und sicheres Reiseland dauerhaft Schaden nehmen könnte. Hier setzt Dubai auf die Tausenden Influencer im Land.
Am Wochenende dominierte Verunsicherung die Feeds vieler Dubai-Promis: "Über unserem Haus ist gerade eine Bombe abgefangen worden. Das ganze Haus hat vibriert", erzählte die deutsche Influencerin Ina Aogo in einem inzwischen entfernten Video. "Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr sich der Magen zusammenzieht."
Es wird hier gerade alles zerbombt, Iran greift Dubai an. (…) Kann sein, dass das eine meiner letzten Stories ist.
Deutscher Influencer auf TikTok
Wegen des Krieges im Nahen Osten ist der internationale Flugverkehr beeinträchtigt, viele Verbindungen wurden gestrichen. Unzählige Reisende sitzen fest. Der Flughafen in Dubai wurde beschädigt.
02.03.2026 | 1:30 minDann verbreiten Influencer auf einmal Durchhalteparolen
Doch kaum 24 Stunden später sehen die Botschaften auffällig anders aus. "Wie ich in Dubai Golf spiele, während alle denken, wir wären hier in Gefahr", schreibt ein anderer deutscher TikToker. Er macht eine ganze Serie an positiven Videos zur Lage - mal läuft das Lied "I will survive" im Hintergrund, mal erzählt er: "Hier leben die Menschen einfach weiter. (…) Ich habe gerade keine Bedenken, aber mal schauen, was rauskommt. Sieht schon geil aus."
Die RTL-Dschungelkönigin Georgina Fleur postet auf Instagram auf die Frage, ob sie Angst habe in Dubai: "Nein, weil ich weiß, wer uns beschützt." Dazu erscheinen Großaufnahmen von Herrscher Muhammad bin Raschid Al Maktum. Auffällig dabei: Sehr ähnliche Videoformate mit Bildern der Herrscherfamilie werden fast zeitgleich von vielen internationalen Accounts gepostet.
Instagram-Video von Georgina Fleur
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Die Emirate seien "sicherer als Deutschland"
"Der sicherste Ort der Welt. Weil trotz Raketenangriffen kein einziger Mensch gestorben ist", erzählt ein Influencer. Tatsächlich starben in den ersten Kriegstagen bereits drei Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten durch iranische Raketenangriffe - Arbeitsmigranten aus Pakistan, Nepal und Bangladesch. Die örtlichen Behörden gaben dazu nur minimale Informationen bekannt.
Israel startet neue Angriffe auf Ziele im Iran, Teheran feuert zurück – auch in der Golfregion. Der Beschuss zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon hält an.
04.03.2026 | 1:40 min"Das ist kein Gefühl, das ist schon lange Realität, dass man in Dubai viel sicherer ist als in Deutschland", so der Immobilienunternehmer, der sich in großen deutschen Medien als Selfmade-Millionär vermarktet.
Ähnlich meldet sich auch der wohl weltweit bekannteste Frauenfeind, Andrew Tate, bei seinen Millionen Followern: "Dubai ist hier, um zu bleiben, ihr Schwuchteln. Hört auf zu flennen, hört auf, euch um Dubai zu sorgen. Oh, die Bomben kommen (…), hört auf, euch wegen ein paar kleinen Bomben zu beschweren. (…) Es ist wahrscheinlicher, dass ihr in Deutschland von irgendeinem Behinderten erstochen werdet."
Bekannte deutsche Influencerin weist Kritik zurück
Ina Aogo äußerte am Dienstag Unverständnis über die Kritik an den Influencer-Videos: "'Ihr sagt ja alle das Gleiche!' Seid ihr komplett verrückt geworden in Deutschland? (…) Glaubt ihr wirklich, wir haben alle ein Briefing bekommen und das ist alles vorgegeben?" Sie erklärte die vielen ähnlichen Botschaften so, dass Influencer sich etwa von positiven Botschaften anderer Kreativer inspiriert fühlten.
Wir sind hier in einer absoluten Extremsituation. Jeder versucht unterschiedlich, mit gewissen Dingen umzugehen. Der eine möchte posten (…), der andere hat Angst, der andere klammert sich an Hoffnung. Was ist los, dass ihr da keine Empathie besitzt?
Ina Aogo auf Instagram
Der Iran führe "in erster Linie einen Vergeltungskrieg", sagt ZDF-Reporterin Isabelle Tümena. Israel habe "weitere Soldaten in den Südlibanon geschickt", so ZDF-Reporter Torge Bode.
04.03.2026 | 4:40 minInfluencer brauchen in Dubai eine staatliche Lizenz
Handfeste Beweise, dass Influencer gerade von der Regierung in Dubai zu bestimmten Postings verpflichtet werden oder für deren Veröffentlichung bezahlt werden, gibt es nicht.
Doch klar ist, das Emirat hat rechtliche Mittel, um auch indirekt Druck auszuüben. Wer in Dubai mit Sozialen Medien Geld verdient, muss sich registrieren und eine staatliche Lizenz beantragen.
Außerdem haben Dubai, Katar und andere Golfstaaten strikte Gesetze rund um öffentliche Ordnung und freie Meinungsäußerung. In der aktuellen Krise kommunizieren die Behörden das auffällig deutlich:
Das Verbreiten von Gerüchten, falschen Informationen oder jedwedem Inhalt, der offiziellen Verlautbarungen widerspricht oder der öffentliche Panik auslöst (…), ist verboten. Verstöße können zu (…) Haft- oder Geldstrafen in Höhe von mindestens 200.000 Dirham führen.
Polizei Dubai
Warnung der Polizei Dubai
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"Das ist eine implizite Drohung, die ihre Wirkung haben wird - schließlich sind sowohl die Emirate als auch Katar autokratische Staaten, die abweichende Stimmen schon in der Vergangenheit hart verfolgt haben", sagt dazu Christopher Resch von Reporter ohne Grenzen.
Experte: Schwammige Regeln, harte Strafen
"Typisch für autokratische Staaten: Die roten Linien sind nur vage formuliert, die Strafen dafür sind aber sehr konkret - bei einem Verstoß gegen dieses Dekret drohen bis zu fünf Jahre Haft", so Resch zu ZDFheute.
Nach dem Tod von Ajatollah Chamenei muss sich das Regime neu aufstellen. Wer kommt für seine Nachfolge in Frage und wie wollen die Mullahs ihre Macht sichern? Die Analyse bei ZDFheute live.
04.03.2026 | 32:08 minBislang sind keine Fälle bekannt, in denen Internetnutzer seit Beginn der aktuellen Auseinandersetzungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten tatsächlich belangt wurden. In den vergangenen Jahren gab es mehrere solcher Fälle.
Diese Regeln gelten nicht nur für Influencer, sondern auch für ausländische Medien. Nachdem das US-Medium "Bloomberg" am Montag über angeblich schwindende Reserven an Flugabwehrraketen mehrerer Golfstaaten berichtet hatte, drohte das staatliche katarische Medienbüro rechtliche Schritte gegen das Medium an.
Der Aufstieg von Dubai, Katar und anderen Golfstaaten ist zentral mit ihrem weltweiten Markenimage verbunden. Der Konflikt mit Iran droht das um Jahre zurückzuwerfen. In diesem Kampf sind Influencer nun die wichtigsten Frontsoldaten.